Von Kerstin Meier, 08.04.10, 20:45h, aktualisiert 09.04.10, 11:59h
Heinrich Haas bildet seit mehr als 20 Jahren aus - und er glaubt nicht, dass die Auszubildenden heute weniger können. „Ich glaube, die Klagen der Firmen sind einfach lauter geworden“.
Das sieht Christian Fischer, Pressesprecher bei der Deutschen Telekom, anders: „Viele Schüler, die heute zu uns kommen, müssen erst mal das Lernen lernen. Wir müssen Grundlagen schaffen, von denen man früher ausgehen konnte.“
Auch wenn es um Werte geht, beobachtet Fischer eine Verschlechterung: „Viele kommen noch nicht mit einem gefestigten Wertesystem zu uns. Sie haben sich in der Schule kaum Gedanken über Dinge wie Mitbestimmung, Vielfalt oder Nächstenliebe gemacht. Auch beim Sozialverhalten gibt es in einigen Fällen deutlichen Bedarf nachzusteuern.“
Genau wie bei einer kleinen Firma wie der „Hans Hess Autoteile GmbH“ geht es bei der Telekom nicht allein ums soziale Engagement: „Als größter Ausbildungsbetrieb in der Bundesrepublik wollen wir mit gutem Beispiel voran gehen“, sagt Christian Fischer. Aber in einer Zeit, in der die Bevölkerung immer älter wird, könne kein Unternehmen mehr mit der Einstellung »Wir wollen nur die besten haben« überleben. „Wir alle werden uns immer mehr fragen müssen, was für Talente in den Einzelnen stecken. Das sind Erfahrungen, die wir frühzeitig machen wollen und nicht erst, wenn der Markt mit gut ausgebildeten Leuten leer gefegt ist.“
Telekom macht AnfangEinen Anfang hat die Telekom mit dem Programm „Meine Chance - ich starte durch“ gemacht. In einem einjährigen Praktikum können Schüler „mit Hartz-IV-Hintergrund“ bei der Ausbildung mitmachen. Und wenn sie sich dabei bewähren, gleich ins zweite Ausbildungsjahr einsteigen: „Nachdem wir zunächst sehr vorsichtig gewesen sind, zeichnet sich da eine absolute Erfolgsgeschichte ab, die wir so nicht erwartet hätten“, sagt Christian Fischer. Er betont aber, dass solche Programme die Schulen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen: „Teilweise ziehen Schulen sich auf den Standpunkt zurück, dass sie nicht die Versäumnisse des Elternhauses nachholen können. Für den Arbeitgeber darf das aber nicht bedeuten, dass er dann die Versäumnisse von Elternhaus und Schule ausbügeln muss.“
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