Erstellt 09.04.10, 18:49h, aktualisiert 09.04.10, 18:54h
SAMI HYYPIÄ: Mein Glück ist, dass ich nie ernsthaft verletzt war in meiner Karriere, meine Sehnen und Muskeln sind in guter Form. Das wichtigste Gut eines Profisportlers ist seine Gesundheit. Darauf achte ich ganz besonders - das betrifft meinen Lebenswandel und meinen Körper. Deshalb spiele ich noch.
Auch noch mit derselben Freude wie vor zehn Jahren?
HYYPIÄ: Ich liebe es, Fußball zu spielen. Für mich ist es deshalb ein Geschenk, in Leverkusen zu sein und spielen zu dürfen, weil ich in der vergangenen Saison, meinem letzten Jahr in Liverpool, nicht mehr so oft zum Einsatz gekommen bin. Hier konnte ich noch mal neu anfangen, das war eine riesige Motivation. Mir geht es richtig gut hier. Ich bin ja nicht hierher gekommen, um noch mal vernünftig zu verdienen und die Beine hochzulegen. Ich wollte vom ersten Tag an hart arbeiten. Mit dem Team.
Inwiefern stören da drei Niederlagen in Folge Ihre Laune?
HYYPIÄ: Vor Saisonbeginn wusste ich, dass wir ein junges Team haben, dessen Leistungen womöglich nicht so konstant sind. Doch dann haben wir ganz lange Zeit ein hohes Niveau gehalten und 24 Spiele in Folge in der Liga nicht verloren, obwohl wir manchmal gar nicht so gut gespielt haben. Jetzt machen wir viele Fehler. In Frankfurt haben wir aber schon eine Reaktion gezeigt - wir waren gut, trotz der Niederlage.
Welche Rolle spielt der selbst auferlegte Druck angesichts der ja irgendwie immer noch bestehenden Chance auf die Meisterschaft?
HYYPIÄ: Vielleicht gibt es ein paar Spieler in der Mannschaft, die sich mit Druck zu sehr aufladen. Aber das ist ein Lernprozess.
Wie lässt sich das lernen?
HYYPIÄ: Die erfahrenen Spieler helfen, bei uns auch Trainer Jupp Heynckes. Mit dem Druck klarzukommen, ist die Schlüsselaufgabe für einen Profi.
Ist es deshalb vielleicht ein Vorteil für Ihre Mannschaft, dass von ihr am Samstag weniger erwartet wird als vom Gegner? Der heißt Bayern München.
HYYPIÄ: Könnte sein, dass die Aufgabe für uns vom Druck her erträglicher ist. Aber: Wir sollten und wollen gewinnen. Ich will immer gewinnen. Die Bayern aber müssen gewinnen, sie müssen Titel holen.
Wie geht die Mannschaft mit der aktuellen Schwächephase um?
HYYPIÄ: Wir haben Vertrauen in uns, auch die Bayern schlagen zu können. Wenn du kein Selbstvertrauen hast, versteckst du dich. Das ist bei uns nicht der Fall. Jetzt müssen die Spieler mit der großen Erfahrung vortreten und den Teamgeist beschwören.
Das wird auf Sie zukommen.
HYYPIÄ: Am Ende schon. Aber natürlich hilft auch der Trainer. Er bleibt ruhig.
Sucht der Trainer auch Ihren Rat?
HYYPIÄ: Wir unterhalten uns schon. Ich war schon oft in solchen Situationen in meiner Karriere, da kann ich durchaus sagen, was sich tun lässt, um den negativen Trend zu beenden.
Das machen Sie auch?
HYYPIÄ: Ja.
Und die Spieler wollen das auch?
HYYPIÄ: Das ist es doch, glaube ich, warum Leverkusen mich haben wollte. Dass mit mir Erfahrung und Konstanz kommt. Das war eine Lehre aus der vergangenen Saison, die ja viel mehr dieser Höhen- und Tiefenwechsel hatte wie diese. Und natürlich helfe ich einzelnen Spielern dabei, besser zu werden, weil davon auch das Team profitiert.
Wie hat es Leverkusen überhaupt geschafft, Sie von einem Wechsel zu überzeugen?
HYYPIÄ: In allen Gesprächen, die ich mit den Leuten des Klubs geführt habe, sind immer die richtigen Worte gefallen. Sie haben mir ihre Idee erklärt, und die hat mich überzeugt. Ich hatte auch Angebote von englischen Klubs, aber ich wollte nach zehn Jahren Liverpool etwas Neues erleben.
Wie würden Sie die Spielstärke der Bundesliga beschreiben? Ist es wirklich die beste Liga der Welt, wie etwa Schalkes Trainer Felix Magath glaubt?
HYYPIÄ: Ich würde sagen, die Bundesliga ist die interessanteste Liga. Hier gibt es Bayern München, die immer Favorit sind, dahinter sind neun, zehn Mannschaften, die nah beieinander sind. Der Unterschied zu England ist aber ganz klar das Tempo, das ist dort enorm hoch. In Deutschland imponiert mir die Tatsache, dass hier so viele einheimische Profis auflaufen. Das ist in England anders.
Gibt es denn auch Unterschiede im Alltag?
HYYPIÄ: Mir ist zu Beginn der Saison aufgefallen, dass wir nach den Spielen nicht über das Spiel gesprochen haben. Ich hatte allerdings manchmal das Bedürfnis, das zu tun, das macht man in England nach jedem Spiel. Da haben wir uns auf Fehler aufmerksam gemacht, Situationen nachgestellt, um sie zu verbessern, um das ganze Team zu verbessern. Aber das haben wir jetzt langsam aber sicher auch in Leverkusen eingeführt. Es ist was anderes, wenn Spieler selbst Fehler ansprechen, als wenn es der Trainer machen würde.
Wenn Sie so sprechen über Ihren Spaß am Fußball, klingt durch, dass Sie noch lange spielen wollen. Allerdings endet Ihr Vertrag in Leverkusen 2011. Hören Sie dann auf?
HYYPIÄ: Ich habe keine Ahnung, was passieren wird. Ich habe noch nicht mit meiner Familie gesprochen. Wenn wir nächste Saison europäisch spielen, warten zwei Spiele pro Woche auf uns. Ich bin mal gespannt, wie ich das verkrafte.
Das Gespräch führte Stephan Klemm
Den
11.04.2010 | 15.58 Uhr | Experte
könnte man noch ein paar Jahre blind beim FC einsetzen und man hätte in Köln endlich mal sowas wie ne Abwehr, die auch was für den Aufbau tut, statt…
Stimmt!
10.04.2010 | 13.12 Uhr | JamesBond
Beim Traditionsverein mit der Ziege im Wappen wäre so ein Top-Spieler viel besser aufgehoben. Muuaah!
Seriöser Spieler..
09.04.2010 | 19.10 Uhr | hbut
Schade,das er sich so einen Absturz zum Karriereende antut
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige