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Opfer von Kundus

Verriet ein Doppelagent die Soldaten?

Erstellt 09.04.10, 21:40h

Wurden die getöteten deutschen Soldaten Ofper eines Verrats? Ein Afghane soll ein Doppelagent gewesen sein. Vertretern westlicher Geheimdienste zufolge soll er die Deutschen an seine Landsleute verraten haben.

KUNDUS - Die „feindliche Lage" war am Karfreitag im Raum Kundus durch die Bundeswehr aufgeklärt. Ergebnis: „Es ist nichts zu befürchten“. Danach rückten rund 60 Fallschirmjäger aus, um Sprengfallen zu beseitigen und eine Brücke zu reparieren. Sie sollen auch durch eine „menschliche Aufklärung“ - einen afghanischen Informanten vor Ort - das Signal bekommen haben: „Alles klar. Die Luft ist rein“. Doch der Afghane soll nach Recherchen der Nachrichtenagentur DDP ein Doppelagent gewesen sein. Nach Angaben von Vertretern westlicher Geheimdienste soll er die Deutschen an seine Landsleute verraten haben. Die Bundeswehrsoldaten konnten nicht ahnen, dass sie in eine Falle gingen.

Bislang schwerstes Gefecht

Der Hinterhalt südwestlich des deutschen Camps in Kundus in dem seit langem gefährlichen Gebiet Chahar Darreh soll nach Angaben von Geheimdienstlern von den Taliban genau geplant worden sein. Die Region eignet sich wegen der starken Bewaldung und wegen eines Netzes von Kanälen gut für einen Angriff aus dem Hinterhalt. Als die Soldaten in dem kleinen Ort Isa Khel aus ihren Fahrzeugen gestiegen waren, eröffneten die Taliban aus ihren Verstecken und aus den Häusern das Feuer. Drei Soldaten starben.

Das bisher schwerste Gefecht mit den Taliban, die Panzerfäuste und Sturmgewehre einsetzten, hatte am Karfreitag um 13.04 Uhr Ortszeit begonnen und endete erst um 21.06 Uhr. Vier deutsche Soldaten wurden schwer verwundet. Offiziere berichteten gegenüber DDP von einer bisher nie erlebten starken Feuerkraft der Taliban. Sie hätten gezeigt, dass sie trotz mehrerer Operationen der Bundeswehr und der ISAF gegen sie und trotz der gezielten Festnahmen ihrer Führer voll handlungsfähig geblieben seien. „Wir müssen schon bald mit weiteren schweren Angriffen der Aufständischen rechnen“, sagte ein Offizier in Kundus.

Die Fallschirmjäger kamen im Gefecht mit den Taliban in große Bedrängnis. Die Munition ging zuende. Erst nach Stunden konnte eine Ablösung den eingeschlossenen Soldaten zu Hilfe kommen. Wenn die amerikanischen Spezial-Hubschrauber nicht geholfen hätten, „hätten wir noch mehr Tote zu beklagen gehabt“, berichtete ein Offizier der Nachrichtenagentur.

Der Abtransport der Verwundeten über Land war nicht möglich. Sie wurden unter Beschuss der Taliban von den US-Hubschraubern herausgebracht.

Nachschub lahmlegen

Obwohl US-Kampfflugzeuge über dem Gefechtsfeld kreisten, wurden keine Bomben abgeworfen. Das „4. September - Syndrom“ letzten Jahres „steckt uns in den Knochen“, sagt ein Offizier der DDP. Damals hatte der Kommandeur in Kundus, Oberst Georg Klein, den verhängnisvollen Befehl zum Bombenabwurf auf zwei im Tanklastwagen gegeben. Viele Zivilisten kamen ums Leben.

Deutsche und amerikanische Geheimdienstler vermuten laut DDP, dass der gezielte und lang vorbereitete Hinterhaltangriff gegen die Bundeswehrsoldaten am Karfreitag sogar der Auftakt für eine Sommeroffensive der Taliban war. Sie sollen es darauf anlegen, die Nachschubwege der Nato, die über Usbekistan und Tadschikistan durch den Raum von Kundus nach Afghanistan führen, lahmzulegen. Die Deutschen haben bisher schwere Waffen nicht am Hindukusch eingesetzt, um nicht martialisch auf die Bevölkerung zu wirken. (ddp)



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