Von Peter Pauls, 11.04.10, 21:22h
Warum der Dienstag so wichtig ist? Weil es um mehr als das Schauspielhaus geht. Auch kulturferne Menschen unterstützen die Bürgerinitiative, weil sie unzufrieden mit Köln sind, weil Desaster sich an Desaster reiht. Kommt es zum Bürgerbegehren, dann ist das auch eine Abstimmung über die Führung dieser Stadt, über Verwaltung und Politik. Ein hoher Einsatz.
Allein aus formalen Gründen täte die Stadt gut daran, von ihren Abrissplänen zu lassen. Denn sie hat schlecht vorgearbeitet. Die Erben des Kölner Architekten Riphahn, der das Schauspielhaus baute, haben allein aus Urheberrechtsgründen gute Chancen, den Abriss zu untersagen. Zumal: Das Schauspielhaus steht unter Denkmalschutz. Nach grotesken Fehlkalkulationen musste die Stadt ihre Planung so lange abspecken, bis sie jetzt nicht mehr ausreichend Argumente vorbringen kann, die diesen Denkmalschutz außer Kraft setzen.
Sattel für ein totes Pferd
Die Verwaltung behauptet, sie habe das 1962 gebaute Theater so verkommen lassen, dass es abgerissen werden muss. Das eigene Versagen setzt den Denkmalschutz nicht außer Kraft. Und schließlich hat die Stadt ihrer Finanzaufsicht, dem Regierungspräsidenten - Köln ist pleite -, nicht nachgewiesen, wie sie all das bezahlen will: Abriss, Neubau, Sanierung Oper.
Wenn der Stadtrat an seiner für viele problematischen Planung festhält, könnte er am Dienstag also das sprichwörtliche tote Pferd satteln. Doch selbst wenn er alle Hürden überwände und das Theater abreißt: Ein altrömischer Fund im Untergrund - und alle Zeitraster fallen in sich zusammen. Im Herzen der Stadt klafft dann ein weiteres tiefes Loch.
Doch ist das nur Begleitmusik. Gravierender ist, dass der Kölner Rat eine Neubauplanung verfolgt, für die er keine Argumente vorbringt. Mehr als den Sachzwang - jetzt ist lange genug geplant, wir verlieren Zeit - bietet der Rat nicht. Im Gegenteil. Vor Jahren hat er ein mächtiges Kulturzentrum geplant. Es wurde falsch berechnet, Köln konnte es sich nicht leisten. Nun will man eine Minimalplanung umsetzen, der auch ein überregionales Blatt wie die „FAZ“ Seelenlosigkeit und die modische Beliebigkeit eines Kaufhauses attestiert.
Anders gesagt: Außer dem Wunsch, an etwas festzuhalten, gibt es eigentlich keinen zwingenden Grund zum Abriss. Es sei denn, die Sanierungskosten stellen sich als unüberwindlich dar oder alle Zeitpläne würden aus dem Ruder laufen. Doch die Kölner Politik argumentiert nur aus der Zwangsläufigkeit der Sache, hantiert mit Fristen und dem bürokratischen Prozess, droht mit Chaos. Sie spricht, kurzum, wie ihre eigene Verwaltung. Von großen Zielen ist da nicht mehr die Rede. Von Theater, Geist und Kultur. Der Sachzwang regiert stattdessen.
Am kommenden Dienstag hat der Rat der Stadt Köln die letzte Gelegenheit, sich als Repräsentant der Kölner Bürger zu erweisen. Deshalb ist diese Sitzung so wichtig. Bisher behandelt die Politik die Bürgerinitiative, als sei sie eine oppositionelle Partei, als herrsche Wahlkampf. Doch was geschieht mit dem Verlierer? Das kann auch die Bürgerinitiative sein. Wenn 50.000 Bürger im Rat kein Gehör fänden, täte sich ein Spalt in dieser Stadt auf.
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