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Interview

„Nicht auf die Charts schielen“

Erstellt 12.04.10, 12:55h, aktualisiert 09.09.10, 11:09h

„Major“ Heuser ist seit seinen Tagen bei BAP nicht mehr aus der Rockszene in Deutschland wegzudenken. Heute arbeitet er als Solokünstler und Produzent. Bei „Köln rockt“ sitzt der Musiker in der Jury.

Klaus Heuser
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"Major" Heuser (Archivbild: Krentscher)
Klaus Heuser
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"Major" Heuser (Archivbild: Krentscher)
Herr Heuser, Sie werden in der Jury von „Köln rockt!“ mit entscheiden, welche Musiker eine Chance bekommen, ihr Können auf der Bühne zu zeigen. Was raten Sie jungen Bands und Solo-Künstlern, die den Erfolg suchen?

KLAUS „MAJOR“ HEUSER: Spielen, spielen, spielen. . . und sich nicht darum scheren, was in den Hitparaden angesagt ist. Mutig sein. Durch solche TV-Formate wie „Deutschland sucht den Superstar“ entsteht der Eindruck, dass Musiker all den etablierten Künstlern nacheifern sollen. Die müssen da so singen, wie ein Dieter Bohlen sich das vorstellt. So aber kann doch nichts Neues entstehen. Deshalb mach ich auch gern bei „Köln rockt!“ mit. Das ist ein völlig anderer Wettbewerb, hier geht es darum, das Bands ohne Vorgaben ihre ganz eigenen Beiträge einsenden, so wie die im Proberaum entstanden sind. Ich freu mich da auch auf ganz ungewöhnliche Sachen.

So wie BAP Anfang der 80er Jahre sehr ungewöhnlich war?

HEUSER: BAP war eigentlich der beste Beweis dafür, dass neue Musik am besten ohne all die Strategien der Musikmanager entstehen kann. Rockmusik auf Kölsch, davon haben uns damals viele abgeraten, das wolle doch niemand hören, singt Hochdeutsch oder auf Englisch, hieß es. Und die großen Firmen hätten uns auch am Anfang niemals verpflichtet. Die haben sich erst um uns gerissen, als wir uns über eine kleine Kölner Firma plötzlich in die Charts hoch gespielt hatten, weil wir authentisch, eigenwillig waren.

Wie sehen Sie die aktuelle Kölner Szene?

HEUSER: Zunächst einmal etwas Kritisches: Dass heutzutage jede Band eigentlich aufgrund der fast unglaublich verbesserten Möglichkeiten im Handumdrehen am heimischen Computer ihre eigene CDs herstellen kann, ist nicht nur von Vorteil. Viele Gruppen veröffentlichen so ihre eigenen Tonträger als definitives Statement, bevor sie sich auf den Bühnen einen eigenen Stil erspielt haben. Was veröffentlich wird, klingt technisch perfekt, hat aber keinen eigenen Charakter. Auf der anderen Seite ist die Kölner Szene so groß, dass ich immer noch genügend hoch interessante neue Klänge höre. Rock, Pop, Jazz, Independent, HipHop Weltmusik und, und, und... Und ich erlebe viele Projekte, die alles mit allem verbinden. Es gibt mehr Vielfalt als in den 70ern, als ich angefangen habe. Zudem sind mehr Clubs und kleinere Hallen vorhanden, in den die Leute spielen können. Als ich mit BAP startete, war das Angebot geringer. Zum Glück gab es für uns viele Spielmöglichkeiten, weil wir in der Protestbewegung verwurzelt waren. All die Demos, Kundgebungen, da haben uns viele Leute kennen gelernt.

Sie haben BAP vor elf Jahren verlassen, was macht der „Major“ Heuser heute?

HEUSER: Na, spielen, spielen, spielen . . . Ich habe mit dem legendären Kölner Blues-Gitarristen Richard Bargel ein Projekt gestartet. Auch eine neue Erfahrung für mich. Das wäre auch noch ein Tipp für die jungen Musiker: Man muss sich ständig weiter entwickeln, neugierig sein, sonst kommt die Stagnation und mit ihr die Langeweile in die Musik. Deshalb hab ich auch BAP verlassen, ich wollte nicht ewig „Verdamp lang her“ spielen. Ich bin jetzt fast 40 Jahre Gitarrist, nehme aber noch Unterricht auf der akustischen Gitarre, bei Professor Hubert Käppel von der Musikhochschule. Das bringt mir ganz frische Ausdrucksmöglichkeiten.

Vielleicht noch einen Geheimtipp für alle, die sich bei „Köln rockt!“ bewerben. Worauf achtet der „Major“ besonders, bei welcher Musik geht der Daumen hoch?

HEUSER: Ich will spüren, dass die Bewerber es ernst meinen, dass sie begriffen haben, was die Seele des Musizieren ist. Die eigenen Gefühle ausdrücken, Lust, Kummer, Einsamkeit, Spaß am Leben, was auch immer. Wenn man einfach für sich spielt und nicht, um anderen zu gefallen, wenn es echt ist, dann ist es gut.

Das Gespräch führte Peter Limbach

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