Von Jessica Düster, 13.04.10, 23:41h
Die Tatsache, dass der Erfolg Bigelows in den vergangenen Monaten immer im Zusammenhang mit ihrem Geschlecht genannt wurde, zeigt es: Frauen, die am Set „Action!“ rufen, sind immer noch keine Selbstverständlichkeit. Insofern macht es auch anno 2010 noch Sinn, Regisseurinnen und anderen weiblichen Filmschaffenden außerhalb des Scheinwerferlichts eine gesonderte Plattform zu bieten - denn in diese Verteidigungsposition müssen sich die Organisatorinnen des Internationalen Frauenfilmfestivals DortmundKöln (IFFF) immer wieder begeben.
Dieses Jahr findet das im alternierenden Rhythmus an beiden Orten stattfindende, seit 2006 aus „Feminale“ und „femme total“ fusionierte Festival wieder in Köln statt. Von Mittwoch bis Sonntag wird die Stadt zum Treffpunkt für Branchengäste aus aller Welt und lockt als Publikumsveranstaltung täglich mit einem prall gefüllten Programm, das aus über 700 eingereichten, ausschließlich von Frauen inszenierten Filmen zusammengestellt wurde. Als Herzstück des IFFF präsentiert der mit 10 000 Euro dotierte Spielfilmwettbewerb acht Debüts in abendfüllender Länge.
Nur zwei davon passen eindeutig in die Kategorie, die man gemeinhin als „Frauenfilm“ bezeichnet. Der sperrige Beitrag „Eine flexible Frau“ von Tatjana Turanskyj zeigt die Odyssee einer arbeitslosen, 40-jährigen Architektin durch die deutsche „Zuverdienerinnengesellschaft“ und gibt sich mit eingestreuten Thesen als neofeministisches Manifest. Parolen zur Stellung der Frau gibt es auch in „Cosmonauta“, doch verpackt sie Susanna Nicchiarelli mit mehr Selbstironie und gestalterischer Souveränität in die Geschichte der Emanzipation einer sympathischen 15-Jährigen im kommunistischen Italien der 60er Jahre.
Der ästhetisch herausragendste und politisch relevanteste Wettbewerbsbeitrag kommt von der Libanesin Dima El-Horr. Als Roadmovie, das drei Frauen über weite Strecken zu Fuß durch die Wüste in Richtung eines Männergefängnisses führt, erzählt „Every Day Is A Holiday“ subtil und in einer sich unmittelbar erschließenden, kunstvoll-assoziativen Bildsprache vom unverarbeiteten Kriegstrauma ihrer Heimat.
Atmosphärisch dichte Love-Storys gelingen Sarah Leonor in „Au Voleur“ mit Guillaume Depardieu in seiner letzten Rolle und der erfolgreichen britischen TV- und Theaterregisseurin Sallie Aprahamian mit ihrem psychologisch packenden, glänzend gespielten Kinoerstling „Broken Lines“. Im Norden Londons versuchen eine Kellnerin, die zu Hause einen pflegebedürftigen Mann (eindrucksvoll: Paul Bettany) sitzen hat, und ein Aufsteiger, der nur zur Auflösung des Geschäfts seines verstorbenen Vaters in seinen alten Stadtteil zurückkehrt, mit einer prekären Affäre ihren vorgezeichneten Leben zu entkommen.
Ein starker britischer Beitrag findet sich auch im „Panorama“, der größten Sektion des Festivals mit aktuellen Produktionen aus 20 Ländern. Andrea Arnold, die für den Kurzfilm „Wasp“ 2005 einen Oscar gewann und ein Jahr darauf mit ihrem Spielfilm-Debüt „Red Road“ als Siegerin des IFFF hervorging, ist hier mit dem außerordentlich fesselnden Coming-of-Age-Drama „Fish Tank“ vertreten. Auf einfühlsame und visuell souveräne Weise werden wir in die komplizierte Gefühlswelt einer ruppigen Teenagerin gestürzt. Dafür erhielt Arnold bei den letzten Filmfestspielen von Cannes den Preis der Jury. Mit ihrer Auszeichnung für den besten britischen Film und Kathryn Bigelows sechsfachem Sieg in allen Hauptkategorien waren die Bafta-Awards - das britische Äquivalent zu den Oscars - in diesem Jahr fest in weiblicher Hand.
Das Festival läuft bis zum 18. April.
Eröffnung mit „Na Putu“ am Mittwoch um 19 Uhr und um 22.30 Uhr im Kölner Odeon.
Kartenvorverkauf bei Kölnticket unter 0221-2801.
Wichtigtuerei
16.04.2010 | 14.33 Uhr | ulldo
"Die Tatsache, dass der Erfolg Bigelows in den vergangenen Monaten immer im Zusammenhang mit ihrem Geschlecht genannt wurde, zeigt es: Frauen, die am…
Ende gut, alles gut?
14.04.2010 | 19.30 Uhr | BLINGSCOOPARTNER
Und, haben unsere Ratspolitiker daraus was gelernt? Die Historie legt nahe, was das wohl nicht der Fall ist...
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