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Leitartikel zum Schauspielhaus

Eine Zäsur für Köln

Von Peter Berger, 13.04.10, 21:53h

Der Rat folgt mehrheitlich den Bürgern und will Oper und Schauspiel sanieren. Eine eher ungewöhnliche Mehrheit hat dem Rumgeeiere ein Ende bereitet. Den Fortbestand der rot-grünen Koalition wird diese Schlappe aber wohl nicht gefährden.

Ratssitzung
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Eine eher ungewöhnliche Ratsmehrheit hat dem Rumgeeiere um Sanierung oder Neubau des Schauspielhauses am 13. April 2010 ein Ende bereitet. (Bild: Worring)
Ratssitzung
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Eine eher ungewöhnliche Ratsmehrheit hat dem Rumgeeiere um Sanierung oder Neubau des Schauspielhauses am 13. April 2010 ein Ende bereitet. (Bild: Worring)
Die Entscheidung des Stadtrats, in einer für die Kölner Kulturlandschaft eminent wichtigen Frage dem Bürgerbegehren zum Erhalt des Schauspielhauses zu folgen, stellt zumindest eine Zäsur dar. Sie könnte nach Jahren des politischen Niedergangs und vielen Fehlentscheidungen sogar dazu führen, dass Teile der Stadtgesellschaft, die sich spätestens nach dem Einsturz des Stadtarchivs von der Politik abgewendet hatten, wieder auf diese zugehen. Das gewaltige Interesse an der Debatte um das Schauspielhaus, die 50.000 Unterschriften, die binnen weniger Wochen zu dessen Erhalt gesammelt wurden, sind ein hoffnungsvolles Signal.

Dass diese Wende möglich wurde, ist vor allem den Grünen zu verdanken. Ihnen ist häufig vorgehalten worden, sie seien nicht regierungsfähig, weil sie Einzelinteressen verfolgten und dabei das Gesamtwohl der Stadt aus den Augen verlören. Mit der Entscheidung, das Bürgerbegehren zu unterstützen, haben sie das Gegenteil bewiesen. Am Ende gab für sie die Argumentation der Schauspielintendantin Karin Beier den Ausschlag, dass der ursprünglich geplante Neubau mit der nach den absurden Finanzplanungen übrig gebliebenen Sparvariante nichts mehr gemein habe. Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet. So hat Karin Beier das starrsinnige Festhalten an den Neubauplänen kommentiert. Es gibt keinen Grund, den Denkmalschutz für einen Bettvorleger zu opfern.

Die Grünen haben ihr Votum über die Koalitionsräson gestellt. Dabei haben sie in Kauf genommen, dass sie der SPD und Oberbürgermeister Jürgen Roters eine empfindliche politische Niederlage beibringen. Roters, dessen Haltung sich durch ein entschiedenes Sowohl-als-auch auszeichnete, hat das offenbar so tief getroffen, dass er ihr Zustandekommen mit einer Medienschelte verband. Doch die SPD hat Nebelkerzen geworfen. Die 50.000 Unterzeichner wollten eben nicht primär einen Bürgerentscheid herbeiführen, sondern das Schauspielhaus retten.

Eine eher ungewöhnliche Ratsmehrheit hat diesem Rumgeeiere ein Ende bereitet. Den Fortbestand der rot-grünen Koalition wird diese Schlappe aber wohl nicht gefährden, weil beide Partner mangels Alternativen aufeinander angewiesen sind.

Auch die CDU-Fraktion hat eine erstaunliche und die größte Kehrtwende vollzogen. Im Dezember schien ihr die Neubaulösung viel zu klein ausgefallen, sie wollte für Ballett und Orchester noch kräftig draufsatteln, ohne zu wissen, woher die zusätzlichen Millionen kommen sollen. Binnen weniger Wochen sind aus Neubau-Verfechtern Sanierungs-Jünger geworden. Was letztlich diesen Sinneswandel bewirkt hat, sei dahingestellt. Am Ende zählt das Ergebnis.

Die FDP hat mit ihrer Position „einmal Neubau, immer Neubau“ bewiesen, was sie vom Bürgerwillen hält. Gar nichts. Ihre Position: Die Politik dürfe sich dem Grundfrust der Bürger nicht beugen. Die Liberalen haben offenbar jegliches Gespür dafür verloren, wer für diesen Frust verantwortlich ist.

In der Stadt wurden jahrelang derart viele Entscheidungen mit desaströsen Folgen getroffen, dass die Bürger den Politikern jetzt diese aus der Hand nehmen. Gerade darin besteht die Chance für Köln.



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