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Neubau vom Tisch

Den Spielplan geändert

Von Andreas Damm und Christian Hümmeler, 13.04.10, 21:14h

Die Bürgerbewegung „Mut zu Kultur“ hat Jürgen Roters eine bittere Niederlage beschert. CDU-Fraktionsvize Karl Jürgen Klipper bescheinigte dem Oberbürgermeister „katastrophales Management". Eine schwere Stunde auch für die SPD.

Roters und Jung
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Oberbürgermeister Jürgen Roters (links) und Jörg Jung, Sprecher der Initiative „Mut zu Kultur“ (Bild: Worring)
Roters und Jung
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Oberbürgermeister Jürgen Roters (links) und Jörg Jung, Sprecher der Initiative „Mut zu Kultur“ (Bild: Worring)
Köln - Keine Frage, der Mann, der in der Mitte des Podiums sitzt, fühlt sich nicht wohl. Seine Haltung wirkt steif, sein Blick scheint starr, das Lächeln gequält. Der Mann heißt Jürgen Roters, ist Oberbürgermeister von Köln und weiß, dass ihm die bitterste Niederlage seiner noch jungen Amtszeit bevorsteht. Der Plan, ein neues Schauspielhaus zu errichten, findet angesichts der 50.000 Protestunterschriften keine politische Zustimmung mehr. Der Stadtrat wird dem Bürgerbegehren folgen, das eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes aus den frühen 1960er Jahren vorsieht. Eine schwere Stunde auch für die SPD, die Partei des Oberbürgermeisters, die bei dieser wichtigen kulturpolitischen Entscheidung ohne ihren grünen Bündnispartner da steht.

Es ist das erste Mal, dass sich die Kölner erfolgreich gegen einen Ratsbeschluss wehren. Der Neubau sei zu teuer, finden sie, architektonisch wenig überzeugend und nach immer weiteren Einsparungen in seiner Funktion allzu eingeschränkt. Ein historischer Nachmittag also, und dennoch verläuft die Debatte merkwürdig emotionslos, fast müde. Aber auch der erwartete Massenandrang bleibt aus. Auf der Zuschauertribüne, auf der Intendantin Karin Beier Platz genommen hat, sind noch Plätze frei.

Roters weist Kritik zurück

Roters sagte, er halte den Beschluss, die Oper zu sanieren und ein neues Schauspielhaus zu bauen, für wegweisend. Die Kritik, das Gebäude sei zu wuchtig, teile er nicht. „Das Centre Pompidou, die Pyramide im Louvre oder die Pariser Oper wurden anfangs auch mit großer Skepsis aufgenommen. Heute zählen sie zum festen Bestandteil des Pariser Kulturlebens. Das neue Opernquartier habe „alle Chancen, eine vergleichbare internationale Ausstrahlung zu erzielen".

Roters wirbt vergeblich - allein mit den Stimmen der FDP können die Sozialdemokraten den Bürgerwillen nicht aufhalten. Ebenso erfolglos spricht sich SPD-Fraktionschef Martin Börschel für einen Bürgerentscheid aus, eine Volksbefragung also. Ob Neubau oder Sanierung: Bis zu dem vorgesehenen Abstimmungstermin im Juli könne die Verwaltung alle Fragen zum Denkmalschutz, zum Urheberrecht der Erben Wilhelm Riphahns und zur Dauer der Bauarbeiten klären. Erst dann sei eine Entscheidung ohne Unwägbarkeiten möglich.

Die Motive der 50.000 Unterzeichner seien vielschichtig, „es gibt auch diejenigen, die der Stadtverwaltung und der Politik zutiefst misstrauen". Der Bürgerentscheid könne in diesem Zusammenhang durchaus „katharsische Wirkung" haben, einen reinigenden Effekt. Zumal die direkte Demokratie in Köln keine gute Tradition habe: Die vorausgegangenen Bürgerbegehren gegen den Bau der Müllverbrennungsanlage, gegen die Privatisierung der Wohnungsgesellschaft GAG und gegen den Ausbau des Godorfer Hafens hat der Rat allesamt als rechtlich unzulässig zurückgewiesen.

Das neue Gebäude und eine sanierte Oper „würden strahlen, auch über Köln hinaus", sagt FDP-Ratsherr Volker Görzel. Entscheide man sich jetzt allein für eine Sanierung, beraube man sich der Neubauoption - und das sei falsch: „Wir wollen jetzt nicht die Tür zumachen und die Bevölkerung ausschließen."

Die Kölner dürfen sich fast schon hofiert fühlen, so stark scheinen ihre Interessen im Zentrum der Debatte zu stehen. „Die Bürger sollen das Gefühl haben, dass sie ernst genommen werden.", sagt CDU-Fraktionsvize Karl Jürgen Klipper. Außerdem wolle die CDU-Fraktion das Erbe Riphahns gewürdigt wissen. Das funktioniere, wenn man für die Oper eine Vollsanierung wie bisher geplant vorsehe. „Die Planung von JSWD ist dazu bestens geeignet, was die Oper betrifft."

Ein saniertes Schauspielhaus müsse ebenfalls eine anspruchsvolle Spielstätte werden. „Eine Pinselsanierung wird unsere Stimme nicht bekommen." Klipper fordert die „umgehende Einrichtung" eines runden Tisches. Der Oberbürgermeister habe in dieser Sache bislang ein „katastrophales Management" gezeigt: „Sie haben keine Führungsrolle eingenommen."

Barbara Moritz, Fraktionsvorsitzende der Grünen, räumt ein, dass beim Thema Schauspiel-Neubau lange ein Riss durch ihre Fraktion gegangen sei. Sie selbst habe als Mitglied des Preisgerichts beim Architekturwettbewerb für den Neubau gestimmt, dem Abriss aber schon damals nur schweren Herzens zugestimmt. Nach intensiver Debatte, die sich die Grünen nicht leicht gemacht hätten, sei man nun der Meinung, dass die Sanierung des Schauspiels der bessere Weg sei.



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