Von Antje Hildebrandt, 15.04.10, 21:29h
Auch die Quote für „Raus aus den Schulden“ hat sich seit dem Start 2007 mehr als halbiert. Allerdings erreichte sie in der werberelevanten Zielgruppe ihr bisher schlechtestes Ergebnis. Noch tiefer stürzte das Format „Teenager außer Kontrolle“ ab. Die vierte Staffel erzielte nur noch einen Marktanteil von 13,1 Prozent und damit fast fünf Prozentpunkte weniger, als RTL sonst in diesem Jahr bislang im Schnitt erreichte. Den Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, wundert dieser Trend nicht. Er sagt, Fälle, wie sie bei „Zwegat“ oder der „Super-Nanny“ vorgestellt werden, „wuchern immer mehr in den Alltag des Mittelstands hinein.“ Wer nicht selbst betroffen sei, habe aber mindestens einen Hartz IV-Empfänger im eigenen Bekanntenkreis. Der Reiz, durch ein Schlüsselloch in die Wohnzimmer von Betroffenen zu schauen, sei damit verloren gegangen.
Von einer Krise des Coaching-TV will man bei RTL jedoch nichts wissen. Mit dem neuen Format „Endlich wieder Arbeit“ hat der Kölner Sender jetzt eine neue Nische besetzt. Nach den Worten von RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer soll die Sendung an drei Sonntagabenden auf ihre Prime-Time-Tauglichkeit getestet werden - zusammen mit einem zweiten Format. „Unterm Hammer“ heißt die Sendung, die RTL ab dem 16. Mai ausstrahlt. Seit 2003 hilft Tine Wittler den Bewohnern beim „Einsatz in vier Wänden“. Jetzt soll sie verschuldeten Klienten helfen, ihr Eigenheim zu versteigern.
Zwei neue Dienstleistungen im Rundherum-Sorglos-Paket des Senders. RTL hat das Coaching-TV aus Großbritannien importiert und hierzulande gewissermaßen etabliert. Die Super Nanny, Peter Zwegat und „Rach, der Restauranttester“ wurden inzwischen zigfach von anderen Sendern kopiert - doch nicht mit annähernd so viel Erfolg. Von den sinkenden Quoten der Flaggschiffe des Help-TV lässt sich der Sender vor diesem Hintergrund nicht entmutigen. Glaubt man RTL-Sprecherin Eickmeyer, dann sind Abnutzungseffekte nach der x-ten Staffel eines Quotenbringers ganz normal. Den Rückgang der Zuschauer führt sie auch auf den „Overkill“ der Formate zurück. Sie sagt, die Trittbrettfahrer hätten dem Genre geschadet. Langfristig würden nur die Flaggschiffe überleben.
Das glaubt auch Petra Schorr, die das neue Coaching-Format „Unterm Hammer“ mit ihrer Berliner TV-Firma Open-Sense Entertainment produziert. Authentizität, ein vertrauenswürdiger und kompetenter Coach und der praktische Nutzwert einer Sendung - das seien die drei wichtigsten Kriterien für den Erfolg. Als Paradebeispiel für ein gelungenes Help-TV-Format führt Schorr „Rach, den Restauranttester“ an. Den Hamburger Sternekoch hält sie für den authentischsten Coach im deutschen Fernsehen. „Der lässt sich nicht mal schminken, wenn er Augenränder hat.“ Und mit jeder Staffel fährt Rach höhere Quoten ein. Schon im Mai, sollen die Dreharbeiten für ein zweites Format mit ihm beginnen. Ob Wittler oder Job-Coach Hesse an seinen Erfolg anknüpfen können, ist fraglich. Ihren Schützlingen kann das egal sein. Theo zum Beispiel. Dank RTL hat er jetzt neben einer neuen Frisur auch einen Job - als Tierpfleger.
„Endlich wieder Arbeit“, RTL, Sonntag, 19.05 Uhr
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