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Freilichtmuseum

Eine Kneipentour mit viel PS

Von Tim Nolden, 20.04.10, 14:32h, aktualisiert 20.04.10, 17:41h

Die Gastwirtschaft „Watteler“ aus Eschweiler über Feld ist zum Teil abgebaut und am Dienstag mit Schwertransportern nach Kommern gebracht worden. Die größte Hürde war dabei der letzte Wegabschnitt bis zum Freilichtmuseum.

Schwertransport
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Mit zwei PS-starken Zugmaschinen wurde die spezialverpackte Kneipe die ehemalige Museumsauffahrt hochbugsiert. (Bild: Nolden)
Schwertransport
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Mit zwei PS-starken Zugmaschinen wurde die spezialverpackte Kneipe die ehemalige Museumsauffahrt hochbugsiert. (Bild: Nolden)
Mechernich-Kommern - Dass man schon mal Strapazen auf sich nimmt, um zur nächsten Kneipe zu gelangen, dürfte den meisten Menschen bekannt sein. Was es aber für ein Aufwand ist, wenn man die Kneipe zu sich holen will, wird wohl kaum jemand ausprobiert haben - bis jetzt. Das LVR-Freilichtmuseum hat ja schon einige Häuser, die an anderen Standorten standen, in seinem Gelände wieder aufgebaut. Am Stück wurde allerdings noch keins bewegt.

Nun, ganz am Stück wurde auch die alte Gastwirtschaft „Watteler“ aus Eschweiler über Feld nicht transportiert. Aber immerhin wurden zwei große Bauteile komplett umgesetzt: die Toilettenräume und der Flurtrakt. Der Flur ist mit den für die 1950er Jahre typischen pastellfarbenen Wandfliesen, in diesem Falle in Blau und Rosa, dekoriert. Und die Toilettenräume aus dem Jahre 1974 trafen mit ihren grünen, braunen und orangen Fliesen damals genau den Zeitgeist. Um zu verhindern, dass diese Fliesen zu Bruch gingen, mussten die Gebäudeteile am Stück transportiert werden. Die abenteuerliche Tour begann am Montagabend in Eschweiler über Feld, wo die Bauteile aufgeladen wurden.

Wehmütige Erinnerungen

„Die Leute haben geklatscht, als wir die Kneipe unversehrt aufgeladen hatten“, erzählt Museumsleiter Dr. Josef Mangold, der den Transport die ganze Zeit begleitete. Viele Menschen in Eschweiler über Feld hingen noch an der alten Kneipe, die seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb war. Auch die letzte Wirtin, Gerti Vermaassen, ist mittlerweile froh, dass die Kneipe auf dem Kahlenbusch in Kommern ein neues Zuhause findet.

Mit dem Aufladen der beiden Gebäudeteile war aber die schlimmste Hürde noch nicht genommen. Die stand erst am Dienstagmorgen an. Die beiden Bauteile verbrachten, verpackt in Holz, die Nacht zum Dienstag auf dem Parkplatz am Mühlensee. Dort wurde das größere Teil von einem 13-Achser auf einen 8-Achser umgeladen - und dann wurde es ernst. Wer noch die alte Museumsauffahrt von der Bundesstraße in Erinnerung hat, weiß wohl, dass dort eine Steigung von bis zu 20 Prozent zu bewältigen ist. Doch diesen Weg mussten die Kneipenteile nehmen, um an ihren zukünftigen Standort gebracht zu werden.

Beide Bauteile wurden einzeln zum Museum hochgefahren. Zusätzlich zu der 700 PS Zugmaschine wurde hinter den Hänger ein weiterer Lkw mit 900 PS gesetzt, der die schwere Ladung den Berg hochschob.

Anfangs waren die Toilettenräume auf 120 Tonnen geschätzt worden, de facto waren es dann aber nur 87 Tonnen. Somit hatten es die kräftigen Motoren etwas leichter. Trotzdem war die Nervosität groß, als schließlich die Bundesstraße 266 von der Polizei abgesperrt wurde und die Zugmaschinen ins Rollen kamen. Unter keinen Umständen durften die beiden Wagen zum Stehen kommen. Bei einem Bremsvorgang in der Steigung bestand zum einen die Gefahr, dass durch den Ruck Teile der Ladung beschädigt werden. Zum anderen hätte es passieren können, dass die Zugmaschinen gar nicht mehr von der Stelle kommen.

Die Maschinen kämpften sich den Anstieg hoch und brachten ihre Ladung wohlbehalten auf den ehemaligen Busparkplatz des Museums. „Das sah jetzt alles ganz leicht aus“, sagte Museumsleiter Mangold erleichtert. Auch die Fahrt des Flurtraktes verlief problemlos. Auf dem Parkplatz warteten die Bauteile bis zum frühen Nachmittag auf den Kran, der sie schon in Eschweiler aufgeladen hatte. Er setzte die Teile an ihren zukünftigen Standort. Eröffnen kann die Kneipe aber noch lange nicht. Erst einmal müssen die Wände wieder aufgebaut werden. „Bis die Wirtin wieder hinter der Theke Bier zapfen kann, wird es wahrscheinlich bis 2012 dauern“, so Josef Mangold.



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