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Interview

„Das erschwert unsere Arbeit“

Erstellt 22.04.10, 12:38h, aktualisiert 22.04.10, 15:56h

Kritischer Expertenblick: Unsere Autorinnen Sabine Kanngiesser und Kea Müttel sprechen mit zwei Fanprojekt-Mitarbeitern über den Sinn von Stadt- und Stadionverboten und mögliche Alternativen.

Fanprojekt
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Christian Hauschild (links) und Carsten Blecer vom Fanprojekt vermitteln zwischen den Parteien. (Bild: ksta)
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Christian Hauschild (links) und Carsten Blecer vom Fanprojekt vermitteln zwischen den Parteien. (Bild: ksta)
Seit 1998 gibt es in Köln das Sozialpädagogische Fanprojekt. Was sind - kurz zusammengefasst - die Ziele des Projekts?

CARSTEN BLECHER: Wir arbeiten nach dem nationalen Konzept Sport und Sicherheit. Eines unserer Ziele ist die Gewaltprävention sowie die Vermittlung zwischen den Akteuren beim Fußball, zum Beispiel Polizei, Fans, Verein, Ultras und Security. Wir versuchen, Kontakte herzustellen, Streit zu schlichten, und präventive Maßnahmen abzusprechen.

Die relativ neue Polizei-Maßnahme „Stadtverbote“ sorgt für reichlich Diskussionsstoff unter Fußballanhängern. Wie stehen Sie zu diesen Verboten?

BLECHER: Das Thema wird auch bei uns stark diskutiert. Es gibt aus polizeitaktischer Sicht Gründe, die dafür sprechen, ein Betretungsverbot an Spieltagen um das Stadion herum und in der Stadt durchzusetzen. Indem man bestimmte Leute vom Fußballgeschehen oder bestimmten Orten fernhält, wird das Problem allerdings nur aktuell gelöst, langfristig aber eben nicht. Das Ziel sind friedliche Fans und ein friedliches Miteinander. Es stellt sich die Frage, ob Verbote da irgendetwas bringen,

CHRISTIAN HAUSCHILD: Das Problem wird also nur verschoben. Die Auseinandersetzung mit problematischen Gruppen wird nicht gesucht, man sperrt sie aus und interessiert sich nicht weiter für sie oder die Hintergründe.

Haben die die Stadtverbote Auswirkungen auf Ihre Arbeit mit den Fans? Gibt es dadurch irgendwelche Veränderungen?

HAUSCHILD: Bei uns existiert bei den Heimspielen das Problem, dass unser Projektraum innerhalb der Bannmeile liegt. Die Stadionverbotler treffen sich normalerweise bei uns, um hier das Spiel zu gucken. Das können sie mit den Stadtverboten nun nicht mehr, da sie gar nicht mehr hierhin kommen dürfen. Sie gucken nun woanders, so dass wir sie nicht mehr im Blick haben

Blecher: Das ist genau der Punkt. Wenn sie nicht herkommen können, erschwert das unsere sozialpädagogische Arbeit.

Nahezu alle Fans mit Stadtverbot haben auch ein Stadionverbot. Wie ist Ihre Meinung zu dieser in Fankreisen ebenfalls umstrittenen Maßnahme?

BLECHER: Wir sind für ein faires Verfahren und Klarheit. Wir sprechen uns gegen das pauschale Verhängen von Stadionverboten aus. Uns interessiert der Einzelfall und die pädagogische Einschätzung: Was hat der Jugendliche gemacht, wie gefährdet ist er und wie wirkt sich das Stadionverbot auf ihn aus? Das kann ja auch die Fronten verhärten, und er driftet durch das Stadionverbot erst recht ab.

Was wäre Ihrer Meinung nach denn die bessere Alternative, um Problemen mit Fans entgegenzuwirken?

CARSTEN BLECHER: Es geht damit los, dass man schaut, wie Fans im Stadion behandelt werden. Ebenso muss wieder direkt zwischen Fans und Polizei kommuniziert werden - das findet momentan höchstens über uns statt. Stadt- und Stadionverbote würden auch dann mehr Sinn machen, wenn das ganze Verfahren transparenter wäre, so dass die Fans die Maßnahme nicht als Willkür sehen, sondern die Einzelfälle nachvollziehen können.

Das Gespräch führten Sabine Kanngiesser und Kea Müttel



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