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Antisemitismus

Der Hass im Herzen der Stadt

Von Emmanuel Nahshon, 22.04.10, 17:17h, aktualisiert 22.04.10, 17:21h

Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Anzeigen wegen Volksverhetzung gegen den Macher der „Klagemauer“ vor dem Kölner Dom abgewiesen. Israels Gesandter Emmanuel Nahshon nimmt dazu in einem Gastkommentar Stellung.

Emmanuel Nahshon
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Emmanuel Nahshon wurde 1961 in Paris geboren und vertrat Israel als Diplomat unter anderem in Caracas, Brüssel und Ankara. Seit August 2009 ist er Gesandter an der Botschaft des Staates Israel in Berlin.
Emmanuel Nahshon
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Emmanuel Nahshon wurde 1961 in Paris geboren und vertrat Israel als Diplomat unter anderem in Caracas, Brüssel und Ankara. Seit August 2009 ist er Gesandter an der Botschaft des Staates Israel in Berlin.
Antisemitische Karikatur
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Diese Karikatur hat zahlreiche Kölner Bürger gegen die „Klagemauer“ auf den Plan gerufen. (Bild: Buurmann)
Antisemitische Karikatur
Eine der goldenen Regeln der Diplomatie lautet, sich nicht in die internen Angelegenheiten des gastgebenden Landes einzumischen. Das ist auch richtig so – Diplomaten sind Gäste, die ihre Nation in einem anderen Land vertreten. Sie sollten Beobachtende sein und sich mit ihrer eigenen Meinung öffentlich zurückhalten. Zum Beispiel, wenn es um juristische Prozesse und -Entscheidungen geht. Mein Anliegen ist deshalb nicht, eine Entscheidung der Kölner Staatsanwaltschaft anzuprangern. Ich erlaube mir jedoch, als Jude und als israelischer Diplomat, der in Deutschland lebt, meine Sicht auf die moralischen und historischen Aspekte darzulegen, die mit der Entscheidung zusammenhängen, wonach das Bild eines Juden, der ein palästinensisches Kind verspeist, an der so genannten Klagemauer vor dem Kölner Dom nicht volksverhetztend sei.

Vor 800 Jahren, im Jahr 1210, schuf ein mittelalterlicher Künstler im Kölner Dom die erste „Judensau“-Darstellung. Sie zeigt auf obszöne und diskriminierende Weise Juden, die die Milch einer Sau trinken und ihre Exkremente essen. Das Anliegen dieses Bildes ist klar: Hass und Abscheu zu sähen. Die Menschen, die in der Holzschnitzerei gezeigt werden, sind eindeutig Juden. Sie haben die speziellen Hüte auf, die sie damals als Erkennungszeichen tragen mussten. Diese Hüte wurden in späteren Zeiten durch den Davidstern ersetzt.

Vom Judenhut zum Davidstern

Die "Judensau" war ein Symbol des Antisemitismus. Zugleich waberte die abscheuliche Lügenpropaganda durch Deutschland und Europa, der zufolge Juden christliche Kinder töten und deren Fleisch und Blut für religiöse Rituale nutzten. Diese rassistischen Kampagnen waren wichtige Meilensteine der langen Geschichte von Verfolgung und Mord, die mein Volk erlitten hat – ein Jahrhunderte währender Anlauf zur Schoa, verbrochen von deutschen Rassisten und ihren Helfern.

Kaum hundert Meter von der mittelalterlichen „Judensau“ entfernt, im Herzen Kölns, auf einem seiner belebtesten Plätze, war in diesem Jahr eine Karikatur zu sehen, die einen Juden zeigte, der ein palästinensisches Kind mit Messer und Gabel isst. Tausende haben dieses Bild täglich zu sehen bekommen. Der dicke Mann auf dem Bild ist durch einen Davidstern eindeutig als Jude identifiziert. Der Stern diente den Nazis dazu, Juden kenntlich zu machen. Er mag das Symbol des Staates Israel sein, aber er ist zuerst und zuvorderst das Symbol des jüdischen Volkes.

Auf dem Teller, von dem der Mann isst, liegt der Körper eines Kindes in seinem Blut. Diese Darstellung ist unmoralisch und stachelt zum Hass auf.

Frieden und Hass

Ich kann nicht beurteilen, ob es im juristischen Sinne illegal ist. Was ich aber beurteilen kann, ist, dass diese Karikatur erniedrigend und widerlich ist. Sie geht beim besten Willen nicht als Israelkritik durch, die vollkommen legitim ist. Sie hat nichts zu tun mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt, der von beiden Völkern gemeinsam in einer Zwei-Staaten-Lösung überwunden werden wird – auf der Basis von Verhandlungen und eines Endes der Gewalt. Die Karikatur hat auch nichts zu tun mit dem realen Leid von Kindern in Gaza, das eine direkte Folge der Tatsache ist, dass Gaza von einer islamistischen Terrororganisation beherrscht wird. Vielmehr hat das an der „Klagemauer“ gezeigte Bild alles zu tun mit dem Versuch, Juden als Monster darzustellen und Hass zu sähen.

Eines Tages, hoffentlich bald, wird es Frieden geben zwischen Israelis und Palästinensern. Wir werden gemeinsam mit Gewalt und Konflikt fertig werden. Doch zuvor haben Tausende Kinder und Jugendlichen die Abscheulichkeit dieser „Klagemauer“ gesehen. Sie wurden vergiftet von diesem Samen des Hasses, der einen Juden als Monster zeigt und dazu geeignet ist, Intoleranz und Hass wachsen zu lassen. Haben wir nicht endlich genug gesehen? 800 Jahre und einige Schritte liegen zwischen dem Hass von gestern und dem Hass von heute.



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