Von Emmanuel Nahshon, 22.04.10, 17:17h, aktualisiert 22.04.10, 17:21h
Vor 800 Jahren, im Jahr 1210, schuf ein mittelalterlicher Künstler im Kölner Dom die erste „Judensau“-Darstellung. Sie zeigt auf obszöne und diskriminierende Weise Juden, die die Milch einer Sau trinken und ihre Exkremente essen. Das Anliegen dieses Bildes ist klar: Hass und Abscheu zu sähen. Die Menschen, die in der Holzschnitzerei gezeigt werden, sind eindeutig Juden. Sie haben die speziellen Hüte auf, die sie damals als Erkennungszeichen tragen mussten. Diese Hüte wurden in späteren Zeiten durch den Davidstern ersetzt.
Vom Judenhut zum Davidstern
Die "Judensau" war ein Symbol des Antisemitismus. Zugleich waberte die abscheuliche Lügenpropaganda durch Deutschland und Europa, der zufolge Juden christliche Kinder töten und deren Fleisch und Blut für religiöse Rituale nutzten. Diese rassistischen Kampagnen waren wichtige Meilensteine der langen Geschichte von Verfolgung und Mord, die mein Volk erlitten hat – ein Jahrhunderte währender Anlauf zur Schoa, verbrochen von deutschen Rassisten und ihren Helfern.
Kaum hundert Meter von der mittelalterlichen „Judensau“ entfernt, im Herzen Kölns, auf einem seiner belebtesten Plätze, war in diesem Jahr eine Karikatur zu sehen, die einen Juden zeigte, der ein palästinensisches Kind mit Messer und Gabel isst. Tausende haben dieses Bild täglich zu sehen bekommen. Der dicke Mann auf dem Bild ist durch einen Davidstern eindeutig als Jude identifiziert. Der Stern diente den Nazis dazu, Juden kenntlich zu machen. Er mag das Symbol des Staates Israel sein, aber er ist zuerst und zuvorderst das Symbol des jüdischen Volkes.
Auf dem Teller, von dem der Mann isst, liegt der Körper eines Kindes in seinem Blut. Diese Darstellung ist unmoralisch und stachelt zum Hass auf.
Frieden und Hass
Ich kann nicht beurteilen, ob es im juristischen Sinne illegal ist. Was ich aber beurteilen kann, ist, dass diese Karikatur erniedrigend und widerlich ist. Sie geht beim besten Willen nicht als Israelkritik durch, die vollkommen legitim ist. Sie hat nichts zu tun mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt, der von beiden Völkern gemeinsam in einer Zwei-Staaten-Lösung überwunden werden wird – auf der Basis von Verhandlungen und eines Endes der Gewalt. Die Karikatur hat auch nichts zu tun mit dem realen Leid von Kindern in Gaza, das eine direkte Folge der Tatsache ist, dass Gaza von einer islamistischen Terrororganisation beherrscht wird. Vielmehr hat das an der „Klagemauer“ gezeigte Bild alles zu tun mit dem Versuch, Juden als Monster darzustellen und Hass zu sähen.
Eines Tages, hoffentlich bald, wird es Frieden geben zwischen Israelis und Palästinensern. Wir werden gemeinsam mit Gewalt und Konflikt fertig werden. Doch zuvor haben Tausende Kinder und Jugendlichen die Abscheulichkeit dieser „Klagemauer“ gesehen. Sie wurden vergiftet von diesem Samen des Hasses, der einen Juden als Monster zeigt und dazu geeignet ist, Intoleranz und Hass wachsen zu lassen. Haben wir nicht endlich genug gesehen? 800 Jahre und einige Schritte liegen zwischen dem Hass von gestern und dem Hass von heute.
Antisemitismus: Staatsanwalt: Keine Volksverhetzung
Kommentar zur „Klagemauer“: Schräge Definition von Judenhass
Antisemitismus: Diese „Klagemauer“ muss weg!
@ms colonia
27.04.2010 | 11.52 Uhr | osaft
Hätten Sie mal korrekt gelesen was ich geschrieben habe, dann wäre Ihnen aufgefallen, dass ich Sie bereits auf die Möglichkeit der Berufung bzw. der…
Auch Staatsanwälte können irren
27.04.2010 | 09.58 Uhr | ms_colonia2002
@osaft
Sie zeigen sich kritisch, wenn es um die Bewertung eines antisemitischen Bildes geht
Aber sie zeigen sich unkritisch, wenn es um die…
@ monika
26.04.2010 | 21.58 Uhr | osaft
Sie schreiben: "Um ein kompliziertes Verhältnis zwischen Israel und Palästina kenntlich zu machen, benötigt man keinen "kinderfressenden" Juden oder…
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