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Sicherheits-Debatte

Zwischen Repression und Sozialarbeit

Von Ronny Blaschke, 22.04.10, 20:56h

Bei der Sicherheits-Debatte in Berlin diskutieren Politik und Fußball den richtigen Umgang mit der Fan-Gewalt. Damit ein langfristiges Konzept entstehen kann, startet die Deutsche Fußball-Liga im Oktober eine Offensive.

Fußball-Fans, Hooligans
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Gesprächsbereit? Gefährlich? Fußball-Fans im Stadion. (Bild: Reuters)
Fußball-Fans, Hooligans
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Gesprächsbereit? Gefährlich? Fußball-Fans im Stadion. (Bild: Reuters)
BERLIN - Fußball im Staatstheater. In dieser Serie kommt es heute zu einer weiteren Darbietung. Gegen 16 Uhr werden Innenminister Thomas de Maizière, DFB-Präsident Theo Zwanziger und DFL-Präsident Reinhard Rauball in der Bundespressekonferenz erwartet. Sie werden von einer konstruktiven Aufführung schwärmen und Engagement geloben. Gegen Gewalt im Fußball. Mit ihrer Diplomatie wird ein Nachrichtenzyklus ausklingen, der durch Ausschreitungen im Herbst 2009 begonnen hatte. Die Öffentlichkeit hat sich anderen Themen zugewandt. Bis zur nächsten Randale.

Hinter den Kulissen aber tobt ein Clinch der Kulturen, der durch den Runden Tisch in Berlin nicht entschärft, sondern befeuert wird. Hardliner aus Politik und Polizei, die mehr Repression fordern, stehen Vertretern des Fußballs gegenüber, die sich für Prävention aussprechen. „Wir hatten Sorge, dass der Runde Tisch unsere Anstrengungen zunichte machen könnte“, sagt ein Fan-Experte. „Mit populistischen Maßnahmen, die der Mehrheit der friedlichen Fans langfristig schaden würde.“ In der Vorbereitung auf das Treffen gab es absurde Wünsche. Zum Beispiel, gewalttätigen Fans das Fußballspielen in Vereinen verbieten zu wollen. Auch wurden Forderungen laut, die der Fußball vor Jahren umgesetzt hatte. Wenn sich Politiker und deren Beamte nicht auf dem Laufenden halten, wie soll dann ein langfristiges Konzept durchzusetzen sein?

Um zu verhindern, dass einfache Lösungen wie personengebundene Tickets, Stadionverbote, Nacktscanner vor den Toren die Debatte prägen, startete die DFL eine Offensive. Im Oktober ließ die DFL der Vorbereitungsgruppe ein Strategiepapier zukommen. Vor zwei Wochen lud sie Journalisten zu einem Gespräch mit Wissenschaftlern. Thomas Feltes, Kriminologe der Bochumer Ruhr-Universität, schilderte, wie die Polizei-Gewerkschaften Druck auf die Politik ausüben. „Der Bereich Innere Sicherheit ist wie ein Hort der Profilierung.“ Wilhelm Heitmeyer, Gewaltforscher der Uni Bielefeld, ergänzte: „Repression erzeugt auch Innovation.“ Soll heißen, dass mehr Verbote gemäßigte Fans provozieren könnten. Eine Woche nach dieser Diskussion stellte die DFL eine von ihr mitfinanzierte Studie vor, wonach der deutsche Fußball eine Wertschöpfung von jährlich 5,1 Milliarden Euro ermögliche und dem Bund Steuereinnahmen von mehr als anderthalb Milliarden Euro garantiere.

Der Rechtfertigungsdruck hat eine zentrale Ursache. Rainer Wendt, Leiter der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert eine Beteiligung von DFL und DFB an den Polizeikosten, die bei über 100 Millionen liegen sollen. Warum fordert er nicht hartnäckig die Stärkung von Konfliktbeamten oder Sozialarbeitern? In Niedersachsen wurden 8,5 Millionen Euro für Polizeikosten, aber nur 90 000 Euro für präventive Fanarbeit ausgegeben. An manchen Standorten scheitert die Drittelfinanzierung eines pädagogischen Fanprojekts an wenigen Euro. Der Aufbau scheitert nicht an DFL oder DFB, die ihr Drittel überweisen, sondern an den Kommunen oder Ländern. Auf sie könnte der Innenminister Druck ausüben. Es wird Jahre dauern, diese verlorene Zeit aufzuholen. Das bundesweite Antidiskriminierungs-Projekt „Am Ball bleiben“ ist nach drei Jahren unbemerkt ausgelaufen.

Das Nationale Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) von 1992, Fundament für sicherheitsrelevante Fragen, wird überarbeitet - das war überfällig. Die damals festgeschriebenen Örtlichen Ausschüsse, die Polizei, Vereine, Fanprojekte vernetzen sollten, sind nie realisiert worden. Künftig will die DFL auf Regionalkonferenzen drängen, um Kompetenzgerangel und Missverständnisse auszuräumen. Am Mittwoch forderte das bundesweite Fan-Bündnis „Unsere Kurve“ in einer Pressemitteilung mehr Gesprächsbereitschaft.

Fußball im Staatstheater? Diese Aufführung wird nicht die letzte sein, wie Andreas Klose, Soziologe aus Potsdam mit einem Blick in die Geschichte vermuten lässt: Schon 1963, in der ersten Bundesliga-Saison, hatte der „Spiegel“ getitelt: „Fans hauen uns die Liga kaputt“. „Bild“ ging weiter: mit einer Fangprämie gegen Flaschenwürfe.



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