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Kommentar zum Konzerthausverzicht

Man darf erleichtert sein

Von Markus Schwering, 22.04.10, 21:41h

Der Bau eines neuen Festspielhauses in Bonn ist vorerst gestoppt. Das spektakuläre Projekt wird von der schlechten Wirtschaftslage blockiert. In Köln dürfte der Verzicht für Erleichterung sorgen.

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Die Architektenentwürfe „Die Wellen“, (oben) und „Der Diamant“ für das neue Festspielhaus in Bonn. (Bild: dpa)
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Die Architektenentwürfe „Die Wellen“, (oben) und „Der Diamant“ für das neue Festspielhaus in Bonn. (Bild: dpa)
Angesichts dessen, was rund um den Dom kulturpolitisch so alles falsch läuft, verbietet sich rheinabwärts die Häme darüber, dass es jetzt - mit dem Aus für das neue, ambitionierte Festspielhaus - auch Bonn erwischt hat. Trotzdem wird man in Köln die Bonner Entscheidung ein Stück weit mit Erleichterung aufzunehmen haben - und dies nicht nur aus einer Kirchturmmentalität und wohlfeilem Konkurrenzdenken heraus. Es stimmt ja: Die Bonner Kulturbürger, die andernfalls zu Hause geblieben wären, müssen sich jetzt, wenn nicht gerade Beethovenfest ist, weiterhin in die Kölner Philharmonie begeben. Was deren Auslastung zugute kommt. Nichts mit kommunalem Egoismus hat indes der Hinweis zu tun, dass bei einem Überangebot an - teils eng benachbarten - Konzerthäusern ein Kannibalisierungseffekt droht, bei dem letztlich alle verlieren.

Und ebendiese Konzerthäuser sind in den vergangenen Jahrzehnten gerade an Rhein und Ruhr wie die Pilze aus dem Boden geschossen - während der Verteilungskuchen dank Publikumsschwund tendenziell kleiner wurde und wird. Wem wäre denn damit geholfen gewesen, dass Köln sein Bonner Publikum verloren, Bonn aber seine neue Halle übers Jahr nicht voll bekommen hätte. Wohlgemerkt: Elf Monate lang gibt es in Bonn kein Beethovenfest.

Womit wir bei der Kritik von dessen Intendantin Ilona Schmiel an der Neubau-Absage wären. Sie hat ja Recht: Der Zustand, in dem sich die Beethovenhalle befindet, törnt und schreckt langfristig die anderes gewohnte Crème de la Crème der Musik ab. Aber noch einmal: Das betrifft jeden Frühherbst - was ist mit dem großen Jahresrest? Die Folgerung kann nur sein: Die real existierende Halle muss - als Multifunktionshalle - energisch auf Vordermann gebracht werden. Bei der Sanierung darf man sich nicht lumpen lassen.



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