Von Claudia Hauser, 25.04.10, 17:20h, aktualisiert 26.04.10, 08:58h
Becher einer Bettlerin
Siebertz zeigt einen „Cupacabana“, der eine Mini-Bikinihose trägt, und einen Voodoo-Cup, der mit Nadeln gespickt ist. Ute Hinz möchte gerne wissen, warum der „Poorest Cup“ der Ärmste von allen ist. Er ist ausgefranst, schmutzig und zerdrückt. „Ich habe ihn einer Frau abgekauft, die in einem Bahnhof gebettelt und in dem Becher ihre Münzen gesammelt hat“, erzählt Siebertz. Für zehn Euro habe sie ihn abgegeben. „Sie dachte bestimmt, ich sei verrückt.“ Ein Foto der Bettlerin hängt neben dem Pappbecher.
Die Küchenuhr klingelt mitten ins Gespräch. Partnerwechsel. Beim „Art Speed Dating“, das der Künstler Stephan Brenn realisiert hat, kann jeder Teilnehmer drei Künstler in 15 Minuten kennen lernen. Kleine Tischchen stehen vor den jeweiligen Werken, die Uhr tickt. „Viele trauen sich nicht, den Künstler bei einer Vernissage anzusprechen, ihn zu seinem Werk zu befragen“, sagt Brenn. „Hier gibt es diese Hemmschwelle nicht.“ Die Herausforderung beim Speed Dating sei außerdem für beide, sich in der Kürze der Zeit zu vermitteln - Frage und Antwort sollten möglichst kurz und möglichst klar sein. „Und wenn zwei sich gar nichts zu erzählen haben, ist es halb so schlimm - schließlich ist das Gespräch nach fünf Minuten vorbei“, sagt Brenn. Diese Situation kommt allerdings nicht vor. Im Gegenteil: Irgendwann im Laufe des Nachmittags stellen auch die Künstler Fragen an die Besucher („Und? Was machst Du so in Deinem Leben?“). Das Bimmeln der Uhr wird einfach ignoriert, man diskutiert beispielsweise über das, was die Gesellschaft als wertlos empfindet: Müll.
Die Arbeit „Verwesung“ der Künstlerin Thea Block, ein Tisch, der den Morgen nach einem feudalen Essen zeigt, fasziniert viele Besucher. Vertrocknete Erdbeeren, abgenagte Knochen und altes Brot liegen auf silbernen Tellern. Und die Rosinen, die einmal Weintrauben waren, passen farblich ganz hervorragend zu der edlen, lilafarbenen Tischdecke. Manche Antworten bleiben die Künstler ihren „Dates“ dann aber doch schuldig. Die Frage, ob sie zu Hause Verwesungsexperimente in der Küche durchführt, beantwortet Thea Block lediglich mit einem charmanten Lächeln.
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