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Kunst-Aktion

Wenn's klingelt: Partnerwechsel

Von Claudia Hauser, 25.04.10, 17:20h, aktualisiert 26.04.10, 08:58h

Einen Künstler bei einer Vernissage ansprechen? Das traut sich meist niemand. Ungezwungener geht's beim „Art Speed Dating“ zu. Genau fünf Minuten lassen sich die Künstler hier über ihre Werke ausfragen - bis die Uhr bimmelt.

Art Speed Dating
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Martin Schüller (l.) darf den Künstler Stephan Brenn beim „Art Speed Dating“ mit Fragen zu seinem Werk „Stammtisch“ löchern. (Bild: Rakoczy)
Art Speed Dating
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Martin Schüller (l.) darf den Künstler Stephan Brenn beim „Art Speed Dating“ mit Fragen zu seinem Werk „Stammtisch“ löchern. (Bild: Rakoczy)
Eine Küchenuhr schrillt und los geht's: Fünf Minuten lang darf Ute Hinz den Künstler Marco Siebertz alles fragen, was sie interessiert. Ob sie ihn duzen oder siezen soll, kann sie nicht überdenken - schließlich läuft die Zeit. Sie möchte alles über die „Einhundert Kaffeebecher“ wissen, die Siebertz im Museum für verwandte Kunst in der Ausstellung „Der gedeckte Tisch“ zeigt. Zeit spielt in seiner Arbeit eine große Rolle, die Pappbecher zeugen von einer Gesellschaft, die offenbar keine Muße mehr hat, sich in ein Café zu setzen. Der Kaffee wird aus dem Pappbecher geschlürft, auf dem Weg von einem Ort zum anderen.

Becher einer Bettlerin

Siebertz zeigt einen „Cupacabana“, der eine Mini-Bikinihose trägt, und einen Voodoo-Cup, der mit Nadeln gespickt ist. Ute Hinz möchte gerne wissen, warum der „Poorest Cup“ der Ärmste von allen ist. Er ist ausgefranst, schmutzig und zerdrückt. „Ich habe ihn einer Frau abgekauft, die in einem Bahnhof gebettelt und in dem Becher ihre Münzen gesammelt hat“, erzählt Siebertz. Für zehn Euro habe sie ihn abgegeben. „Sie dachte bestimmt, ich sei verrückt.“ Ein Foto der Bettlerin hängt neben dem Pappbecher.

Die Küchenuhr klingelt mitten ins Gespräch. Partnerwechsel. Beim „Art Speed Dating“, das der Künstler Stephan Brenn realisiert hat, kann jeder Teilnehmer drei Künstler in 15 Minuten kennen lernen. Kleine Tischchen stehen vor den jeweiligen Werken, die Uhr tickt. „Viele trauen sich nicht, den Künstler bei einer Vernissage anzusprechen, ihn zu seinem Werk zu befragen“, sagt Brenn. „Hier gibt es diese Hemmschwelle nicht.“ Die Herausforderung beim Speed Dating sei außerdem für beide, sich in der Kürze der Zeit zu vermitteln - Frage und Antwort sollten möglichst kurz und möglichst klar sein. „Und wenn zwei sich gar nichts zu erzählen haben, ist es halb so schlimm - schließlich ist das Gespräch nach fünf Minuten vorbei“, sagt Brenn. Diese Situation kommt allerdings nicht vor. Im Gegenteil: Irgendwann im Laufe des Nachmittags stellen auch die Künstler Fragen an die Besucher („Und? Was machst Du so in Deinem Leben?“). Das Bimmeln der Uhr wird einfach ignoriert, man diskutiert beispielsweise über das, was die Gesellschaft als wertlos empfindet: Müll.

Die Arbeit „Verwesung“ der Künstlerin Thea Block, ein Tisch, der den Morgen nach einem feudalen Essen zeigt, fasziniert viele Besucher. Vertrocknete Erdbeeren, abgenagte Knochen und altes Brot liegen auf silbernen Tellern. Und die Rosinen, die einmal Weintrauben waren, passen farblich ganz hervorragend zu der edlen, lilafarbenen Tischdecke. Manche Antworten bleiben die Künstler ihren „Dates“ dann aber doch schuldig. Die Frage, ob sie zu Hause Verwesungsexperimente in der Küche durchführt, beantwortet Thea Block lediglich mit einem charmanten Lächeln.



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