Von Hans-Günter Borowski, 25.04.10, 19:32h
Gestern brannte eine Trafostation, heute fällt eine Kuh durchs Dach und morgen erschlägt eine umgestürzte Hauswand einen Bauarbeiter. Hier strömt Gas aus, dort strandet ein Intercity am Bahnhof, weil sich ein Mensch vor den Zug geworfen hat. Das Leichlinger PSU-Team (zur psychosozialen Unterstützung von Einsatzkräften) rückt nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs aus. Fahrer transportieren Kinder aus Bürgerkriegsgebieten in Krankenhäuser. Hundertschaften helfen bei der Suche nach vermissten Personen und versorgen eingeschneite Autofahrer auf der A1. Und wer sich erinnert, dass sie nach einem spektakulären Glatteisunfall in Kradenpuhl, wo ein Transporter Weihnachten in ein Fachwerkhaus krachte, nachts auch mal eben eine Hauswand abstützten, ahnt, welche Alleskönner sich in dieser Truppe versammeln.
Nur 24 Prozent aller Einsätze waren 2009 Brände. „Wir sind eigentlich keine Feuerwehr, sondern eine multifunktionale Hilfeleistungswehr“, bilanzierte daher Feuerwehrchef Horst Schmidtberg bei der Jahresdienstversammlung in der Aula Am Hammer. Die Personalstärke ist erneut um zehn auf 159 gestiegen (davon sind zwölf Prozent Frauen). Und am Freitagabend konnten zehn neue Jungfeuerwehrmänner und fünf Erwachsene dazu aufgenommen werden (darunter auch Brandinspektor Bernd Weißhaupt, der frühere stellvertretende Wehrleiter, der nach mehreren Jahren Pause zurückgekehrt ist).
Umso enttäuschter sind die Wehrleute über die ihrer Meinung nach mangelhafte Unterstützung durch Rat und Verwaltung. Dass der Bau des Schlauchtrocknungs- und Übungsturms erneut aus dem Etat gestrichen worden ist, wurde ebenso deutlich kritisiert wie das andauernde Warten auf den Rüstwagen. Schmidtberg nannte dies „ein großes Ärgernis“: „Bereits heute können wir Verunglückten bei Verkehrsunfällen nicht rechtzeitig helfen. Die vorhandenen Rettungsscheren sind veraltet und können moderne Kraftfahrzeuge aufgrund der verbauten hochfesten Stähle nicht zerschneiden.“ Bei der Anforderung des Rüstwagens aus Burscheid gehe wertvolle Zeit verloren. Auch dass der neue Brandschutzbedarfsplan noch nicht verabschiedet wurde und wegen der Enge im Gerätehaus Witzhelden ein Aufnahmestopp für den Löschzug IV verhängt werden musste, sorgt bei der Wehr für Verstimmung. Großen Unmut löste da die Tatsache aus, dass Bürgermeister Ernst Müller zur Jahresversammlung nicht erschienen war. Für die meisten war dies ein Zeichen mangelnder Wertschätzung. Stadtkämmerer Horst Wende, der den Verwaltungschef vertrat und mit anderen Verpflichtungen entschuldigte, bekam eine gehörige Portion Zorn zu spüren.
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