Von Frank Weiffen, 26.04.10, 17:30h
Hansen (54) ist ja nicht nur Amerikaner und Gitarrist. Er ist: Jimi Hendrix. Nicht in Wirklichkeit - schließlich verstarb der Saitengott am 18. September 1970. Aber Hansen ist dessen „absolute“ Kopie. Man kennt das ja von Elvis: Zig Imitatoren weltweit huldigen dem „King“ und sind mitunter recht überzeugend in ihrer Show. Aber bei Hansen ist das keine Show. Er schlüpft nicht einfach für 90 Konzertminuten in die Röhrenjeans und setzt sich den breitkrempigen Hut mit Feder auf. Vielmehr ist sein komplettes Leben auf Hendrix ausgelegt. Die beiden sind eins. Das geht soweit, dass sich Hansen die Vorderzähne überkronen ließ, um optisch noch mehr seinem Idol zu ähneln. Und mitunter gemahnt der grimassierende Hansen mit seinen Beißerchen denn auch an ein grinsendes Honigkuchenpferd.
All das macht diesen Bluesfest-Abend im „Scala“ auch zu einem, an dem mehr als ein Hauch von Woodstock und Monterey durch Opladen weht. Das waren jene Orte, an denen Hendrix einst die Welt schockte mit musikalisch zerfetzten US-Hymnen und in Flammen aufgehenden Gitarren. Hansen darf in Leverkusen zwar nicht mit dem Feuer spielen - es gibt ja Brandschutzbestimmungen.
Aber ansonsten darf er alles und tut das auch: Er spielt seine Gitarre mit den Zähnen, auf dem Rücken, über dem Kopf. Er schmeißt sie auf den Boden und tritt mit den Füßen auf sie ein. Er lässt sie in Rückkopplungsorgien aufjaulen. Er springt mit ihr ins Publikum, rennt durch die Zuschauerreihen und landet per Salto wieder auf der Bühne. Für die Dauer eines Konzertes, bei dem man gemeinsam mit Hansen und Songs wie „Are You Experienced?“, „Purple Haze“ oder „Foxy Lady“ dessen Film fährt, ist man davon überzeugt, dass diese Hendrix-Reinkarnation in Ton, Leib und Seele, die da rumhampelt, besser ist als alles andere, was man bislang gesehen hat im U- und E-Musik-Bereich. Hansen vermittelt eben eins zu eins, wie es gewesen sein muss - damals, als der echte Jimi die Musikwelt revolutionierte, indem er das Instrument Gitarre zum Phallus-Symbol und zum Teil des Körpers und eines aufbegehrendem Geist machte.
Dass der Bluesmusiker Peter Driessen vorher noch spielte - und das wahrlich hervorragend - muss dabei untergehen. Selbst „Rockpalast“-Vater Peter Rüchel, der hinten an der Tür sitzt und alle Großen der Szene gesehen hat, kann nur begeistert den grauen Schopf schütteln, starren und am Ende des Hansen-Films - als alle wieder bei Sinnen sind - klatschen, klatschen, klatschen.
Erwähnung des Bluesmusikers Peter Driessen
27.04.2010 | 08.58 Uhr | Nick1
Man kann ja froh sein, das Peter Driessen überhaupt erwähnt wird. Dabei hätte man doch ein paar wenige Worte finden können, um darzulegen, das da…
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