Von Nadine Hantke, 28.04.10, 12:36h
Auszeit-Zimmer
In Gesprächen und Gruppentreffen will man in der neuen Anlaufstelle „an die Wurzel des Problems“ gehen und in der Behandlung und Beratung andere Wege beschreiten. „Psychosen sind beispielsweise meist auf großen Stress und den dadurch entstehenden Schlafmangel zurückzuführen“, erklärt Seibt. Offen ist die Beratungsstelle für alle, die schon einmal in der Psychiatrie waren, sowie Menschen, die sich in einer Krise befinden und alleine nicht weiter wissen.
Die Anlaufstelle in Köln ist neben der Bochumer Geschäfts- und Kontaktstelle des „Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener NRW“ erst die zweite ihrer Art. Schon im Februar haben die zwei hauptamtlichen und fünf ehrenamtlichen Mitarbeiter - allesamt selbst Betroffene - ihre Arbeit aufgenommen, nun wurde die offizielle Einweihung gefeiert. Die „Anlaufstelle Rheinland“ liegt zentral in Mülheim und ist gut zu erreichen.
Die 94 Quadratmeter teilen sich auf in ein Ladenlokal und drei weitere Räume, von denen eines als „Auszeit-Zimmer“ genutzt werden kann, wenn Menschen in einer Krise sind und kurz vor dem Zusammenbruch stehen. „In solchen Situationen ist es notwendig, Abstand zu schaffen, so kann so manche stationäre Aufnahme verhindert werden“, erklärt Andrea Asch, die sich als Grünen-Landtagsabgeordnete für den Verein und das Projekt stark gemacht hat.
Finanziert werden die Räumlichkeiten und die Ausstattung von Landesverband Rheinland (LVR), die Personalkosten fördert die Techniker Krankenkasse im Rahmen eines dreijährigen Projektes. Angewiesen ist die Anlaufstelle jedoch auch vor allem auf Ehrenamtler, die Gruppen und Initiativen leiten, für die die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Bisher gibtes schon folgende Angebote in der Anlaufstelle: Montags von 13 bis 16 Uhr besteht Gelegenheit zum Erstkontakt mit der Einrichtung, von 16 bis 19 Uhr können im Offenen Café Erfahrungen ausgetauscht werden. Jeden Mittwoch findet von 14 bis 19 Uhr ein offener Treff mit Beratung statt. Am zweiten und vierten Donnerstag des Monats trifft sich um 18.30 Uhr die Gruppe „Genesungsbegleitung für die Seele“, am zweiten und vierten Freitag des Monats lädt die „Nikotingruppe“ zum Treffen ab 19.30 Uhr ein.
Weitere Gruppen und Ehrenamtler können und sollen die Räume nutzen. Martin Mayeres, Hauptamtler in der Anlaufstelle, erklärt: „Wir motivieren, geben die Struktur und die Organisation, den Rest sollen die Betroffenen selbst mit Leben füllen“.
Anlaufstelle Rheinland: Graf-Adolf-Straße 77, 51065 Köln-Mülheim. Tel. 02 21 / 964 768 75
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