Erstellt 30.04.10, 20:36h, aktualisiert 30.04.10, 23:47h
Länder und Menschen lieben zu lernen, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Griechenland zu lieben, sicherlich viele: die Philosophie und die Kunst der Antike, die Geburt der europäischen Zivilisation, der Beitrag, den das Land in der abendländischen Kultur geleistet hat, und nicht zuletzt seine Schönheit und sein unverwechselbares, viel besungenes Licht. Die Griechen zu lieben, dafür sind andere Kriterien maßgeblich. Sie sind für mich liebenswert, weil sie die Philoxenia, jene Gastfreundschaft und den sensiblen Umgang mit dem Fremden, über Jahrhunderte hinweg zum Wesensmerkmal ihrer Seele und zum unverwechselbaren Lebensstil entwickelt haben. In den sechziger Jahren haben sie die ersten deutschen Touristen freundlich empfangen, trotz der Massaker und der Gräueltaten der Wehrmacht in Griechenland. Diese Philoxenia , der positive, wertschätzende Umgang mit dem Fremden, ist es, was wir heute in einem multikulturellen und multilingualen Europa der Halbinseln und Inseln am ehesten benötigen: zu lernen, mit der Diversität wertschätzend umzugehen, darin einen Reichtum zu erblicken. Wir brauchen eine europäische Philoxenia.
Christiane Mitatselis, Sportredaktion „Kölner Stadt-Anzeiger“
Es existieren viele grauenhafte Stereotype zu Griechenland, denen man in diesen Tagen leider immer wieder begegnet. Das heutige, verlotterte und kollektiv arbeitsscheue Hellas, heißt es immer wieder, habe mit der hehren Antike nichts mehr zu tun, es gebe keine leuchtenden Ideale mehr, und griechische Helden seien längst ausgestorben. Derlei Behauptungen wurden bereits von nationalistischen deutschen Gelehrten im 19. Jahrhundert verbreitet und zeugen von Ignoranz und Chauvinismus. Griechenland hat auch im 21. Jahrhundert große Helden - wie Manolis Glezos. Der 87-Jährige, der auf der Insel Naxos geboren wurde, war schon als junger Mann ein mutiger Antifaschist. Während der dreieinhalbjährigen deutschen Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg stieg er 1941 zusammen mit seinem Freund Apostolos Sandas auf die Athener Akropolis und riss die dort gehisste Hakenkreuz-Fahne herunter.
Ismene Poulakos, Magazin
Warum wir die Griechen trotz allem lieben sollen? Weil sie exzellent fluchen können. Die besten Verschwörungstheorien auf Lager haben. Und sich von Diäten nur selten die Laune verderben lassen.
Patrick Honecker, Pressesprecher der Universität Köln
Ich liebe Griechenland, weil ich Griechen liebe. Mein Schwiegervater ist nämlich einer. Und zwar einer von der Sorte, die man eigentlich nur aus dem Film „My big fat greek wedding“ zu kennen glaubte. Wir lernten uns vor ungefähr 20 Jahren kennen, weil ich ernsthaftes Interesse an seiner schönen halbgriechischen Tochter hatte. Der Begrüßungsdialog stand unter keinem guten Stern. Auf seinen Hinweis, dass sein Volk schon philosophierte, als wir Teutonen noch mit Keulen unter den Bäumen saßen, konterte ich mit einem Zitat, das Lord Byron zugesprochen wird: „Griechen sind Türken, die glauben, dass sie Italiener sind.“ Der Bruder meiner künftigen Frau verhinderte Schlimmeres. Ich liebe Griechen, weil sie wie wir sind, also wie Rheinländer. Sie feiern gerne, lieben Geselligkeit und sind unglaublich von sich selber überzeugt. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, worum Köln so attraktiv für Exil-Griechen ist. Diesen Sommer geht es wieder einmal nach Griechenland in den Urlaub. In Athen wollen wir die Verwandten meiner Frau besuchen. Die protestieren zwar derzeit noch aufgebracht gegen Kürzungen im öffentlichen Dienst, sind aber optimistisch, dass bald alles wieder geklärt sein wird. Wie Dora, über 90-jährige Kettenraucherin und Tante meine Frau gerne erklärt: „Wir haben Bürgerkrieg und Diktatur überstanden, wir werden auch die EU in den Griff bekommen.“ Der Kölner übersetzt das schlicht : „Et hätt noch immer joot jejange.“
Georg Imdahl, Kulturredaktion
Mein Hellas ist so zeitlos, dass ihm ein Staatsbankrott mehr oder weniger herzlich egal sein wird. Die paar Drachmen oder Euro . . . Ich für meinen Teil spreche von der Insel Amargos in der Ägäis, die ich ohne Zögern zu den schönsten Orten der Welt zähle. Im trocken-heißen Sommer verfliegt und verflüchtigt sich hier alles, was zu irdischer Sorge Anlass geben könnte. Auch bleibt über die Jahrtausende hinweg ein Stein auf dem anderen, bewegt sich kaum etwas, außer vielleicht gelegentlich der Meltemi, der von Norden kommende Schönwetterwind, der bisweilen indessen recht heftige Form annehmen kann. Herbert List, der geniale Fotograf, hat eine besondere, im Grunde ganz meine Ader für diese Welt gehabt, hat mit der Kamera großartige melancholische Bilder der Erinnerung hervorgebracht. Sie sind versammelt in Katalogen, die man bei einen Glas Rotwein aus dem Regal nimmt, dabei in eine traurigfrohe Welt versinkt, zeitenthoben wie ihr Gegenstand. Die Griechen haben also zumindest mein tiefes Mitgefühl für die Krise. Aber bar bezahlen? Köln, so denke ich mir, lebt ja auch von Krise zu Krise, daher weiß ich, dass es immer irgendwie weitergeht. Das beruhigt mich ein wenig mit Blick auf mein Hellas. Wird schon wieder.
Michael Hesse, Politikredaktion
Wenn du glücklich bist und weißt es nicht: Die Griechen sind die geborenen Zweifler. Kaum ein Volk, das mehr Lust am Fragen gefunden hat als sie. Ihre Skepsis ist bis heute unübertroffen. So führten griechische Philosophen gerne spitzfindige Beweise, die demonstrieren sollten, dass dem Zustand des Lebens der Zustand des Todes vorzuziehen sei. Nachdem sie alle Argumente über die Vorzüge eines guten Lebens geprüft hatten, lautete ihre Schlussfolgerung: Am besten wäre es gewesen, nie geboren zu sein. Aber das ist lange her. Auch heute zweifeln die Griechen wieder mit gleicher Lust. Und wenn sie zweifeln, gebären sie Großes. Für ihre Hebammenkunst muss man sie einfach liebhaben.
So wie Sokrates, die Oberschwester unter den Philosophen-Hebammen. Sokrates fragte jeden halbwegs Denkenden, der ihm über den Weg lief: Was ist Wissen? Was ist Gerechtigkeit? Was ist das Gute? Eines Tages soll er auf den Sophisten Protagoras getroffen sein. Dieser galt als hochgelehrt und hatte behauptet, das Glück für den Menschen darin bestehe, der Stärkere zu sein. Platon zeigte ihm: Das Glück besteht darin, gerecht und besonnen zu sein. So ist es. Tugenden sind Charakterzüge, und wie schon Aristoteles wusste, ist es schwer, Tugend zu erwerben. Die Griechen haben es schon einmal geschafft sie werden es wieder tun.
Frank Olbert, Kulturredaktion
Das Bild zeigt ein verwinkeltes, weiß verputztes Haus in der Stadt Koroni auf dem Peleponnes, hölzerne Fensterläden, die vor der Mittagshitze schützen, eine ausgetretene Treppe vor der geschlossenen Tür. In der Nähe von Koroni haben wir das Bild gekauft, von einem Künstler-Einsiedler, dessen Namen ich mir gar nicht erst gemerkt habe. Es bringt den Himmel Griechenlands in unseren Winter, obwohl der Maler nur für ein winziges Stück Blau über dem Dach des Hauses Raum lässt. Aber dieses Stückchen genügt. Schöner, zarter, transzendenter ist das Licht nur über der Levante.
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Populistischer Nonsens
10.05.2010 | 10.30 Uhr | Schinnoos
Wir lieben die Griechen. Aha. Oder wir hassen sie. Nochmal aha. Was für ein populistischer Nonsens, aber typisch für den journalistisch immer tiefer…
Wut? Wir lieben Griechenland!
01.05.2010 | 13.30 Uhr | Rainer 1945
Als Deutscher ist es beschämend wie manche Politiker mit unseren Mitmenschen umgehen.
Alleine Griechenland hat jährlich 15% des ganzen…
Griechenland
01.05.2010 | 12.58 Uhr | ReijoN
Liebe Griechenland-Reisende,
bitte bei Ihrem nächsten Griechenland-Aufenthalt immer Kassenbons bzw. sonstige maschinelle Zahlungsverifikate…
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