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Gesprächsrunde

Max Ernst flüchtete im Teppich vor Dali

Von Susanne Neumann, 02.05.10, 16:41h

Filmemacher Peter Schamoni, Kunsthistoriker Professor Werner Spies und der ehemalige Kanzleramtschef Horst Ehmke tauschten im Dorothea-Tanning-Saal im Max-Ernst-Museum in Brühl ihre Erinnerungen an den Künstler aus.

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Moderiert von Felicitas von Lovenberg erzählten Werner Spies, Horst Ehmke und Peter Schamoni (v.l.) über ihre Begegnungen mit Max Ernst. (Bild: Neumann)
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Moderiert von Felicitas von Lovenberg erzählten Werner Spies, Horst Ehmke und Peter Schamoni (v.l.) über ihre Begegnungen mit Max Ernst. (Bild: Neumann)
Brühl - Wer von den beiden Freunden Max Ernsts den Künstler früher als der andere persönlich kennengelernt hatte, wurde am Sonntag endlich geklärt: Es war Peter Schamoni. Zum Auftakt eines Gesprächs über den 1891 in Brühl geborenen Künstler wetteiferte Filmemacher Schamoni auf der Bühne im Dorothea-Tanning-Saal im Max-Ernst-Museum in Brühl vor mehr als 100 Zuschauern über diese Frage augenzwinkernd mit dem Kunsthistoriker Professor Werner Spies.

Schamoni hatte Max Ernst vor Spies im Jahr 1962 in Paris kennengelernt, nachdem er dessen erste große Retrospektive im Kölner Wallraf-Richartz-Museum gesehen und beschlossen hatte, einen Film über den Künstler zu machen. Schamoni ließ Max Ernst vor dem ersten Zusammentreffen in dessen Pariser Galerie übrigens drei Stunden warten - Max Ernst sei dennoch äußerst liebenswürdig gewesen, erzählte Schamoni am Sonntag. Nachzulesen ist diese Geschichte auch im soeben im Greven Verlag Köln erschienen Buch „Über Max Ernst“. Herausgeber Dr. Jürgen Wilhelm und Barbara Hess haben darin Erinnerung und Anekdoten von engen Freunden, Verwandten und Weggefährten des Künstlers zusammengetragen, die ein sehr persönliches Bild vermitteln.

Anlässlich dieser Neuerscheinung moderierte Felicitas von Lovenberg, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im Max-Ernst-Museum die gut eineinhalbstündige, amüsante Gesprächsrunde, in der später noch Horst Ehmke, Kanzleramtschef und Bundesminister für besondere Aufgaben in der Regierung Willy Brandts, Platz nahm. In ihren ebenso kenntnisreichen wie amüsanten Erzählungen vermittelten Spies und Schamoni ein sympathisches Bild vom Künstler und Menschen Max Ernst. So erfuhren die Zuhörer zum Beispiel, dass Ernst ein gutes Verhältnis zu Picasso gehabt hatte, während der Spanier von anderen Künstlern gehasst worden sei. Dalí dagegen sei Ernst lieber aus dem Weg gegangen: Als die beiden Künstler einmal in einer Galerie vor Fotografen zusammenzutreffen drohten, habe sich Max Ernst im Hinterzimmer in einen Teppich gewickelt und sei darin aus der Galerie geflüchtet - erzählte Schamoni dem schmunzelnden Publikum.

Das Wesen eines Rheinländers hat Horst Ehmke in Max Ernst erkannt, wie er auf der Bühne kund tat. Der frühere SPD-Politiker erzählt in „Über Max Ernst“ von dessen Begegnung mit und seinem Verhältnis zu Brandt. Politisch sei Ernst jedoch nie einzuordnen gewesen, befand Ehmke. Er habe sich immer das herausgesucht, was ihn interessierte: „Das war auch eine Collage“. „Einen Künstler, der sich auf unerhörte Weise immer eingemischt hat“, der „die Herausforderungen der Welt annahm und sich ihnen stellte“, hat Spies in Max Ernst kennengelernt. Und einen, der immer eine Beziehung zu Deutschland gehabt habe, wie das Gespräch offenbarte. „Er hat von dieser Gegend hier erzählt in einer Poesie wie Heine oder Schumann“, erinnerte sich Schamoni. Und über so manches Zitat von Max Ernst aus seinen Filmen sagte er: „So kann man nur in Deutsch reden.“



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