ZeitungsanzeigenAbo | Mediadaten
Schriftgröße

Terror

Urteil gegen Mumbai-Attentäter

Von Willi Germund, 03.05.10, 22:26h

Ein indisches Gericht hat den letzten noch lebenden Attentäter des Mumbai-Attentates von 2008 in 86 Punkten schuldig gesprochen. Nach dem Schuldspruch soll von Dienstag an über das Strafmaß beraten werden.

Mumbai
Bild vergrößern
Der Sonderankläger Ujjwal Nikam zeigt vor dem Gerichtssaal eine Mitschrift des Gerichtsurteils. (Bild: rtr)
Mumbai
Bild verkleinern
Der Sonderankläger Ujjwal Nikam zeigt vor dem Gerichtssaal eine Mitschrift des Gerichtsurteils. (Bild: rtr)
BANGKOK - Er hatte wohl nichts anderes erwartet. Ohne sichtliche Reaktion nahm der 22-jährige Pakistaner Ajmal Amir Kasab in einem Gerichtssaal in der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai das Urteil zur Kenntnis. „Sie sind des Mordes schuldig, einer kriminellen Verschwörung, und sie haben Krieg gegen Indien geführt“, sagte Richter M. L. Tahaliyani. Kasab ist einziger Überlebender der zehn Terroristen der pakistanischen Untergrundorganisation „Lashkar-e- Toiba“, die vom 26. bis 28. November 2008 ein Massaker in Mumbai anrichteten. 166 Menschen starben, darunter Mitglieder der wohlhabenden Elite Indiens und 26 Ausländer. Zwei mitangeklagte Inder sowie 20 flüchtige Angeklagte wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Doch an der Beweislast gegen den 22-jährigen Kasab gab es nie den geringsten Zweifel. Filmaufnahmen zeigten, wie der schwer bewaffnete, schlaksige junge Mann im Hauptbahnhof von Mumbai wild um sich schoss. 66 Menschen starben dort im Kugelhagel. Die Attentäter, die bei Nacht in Schlauchbooten von einem Fischkutter vor der Küste gestartet und unbemerkt gelandet waren, drangen zudem in zwei Luxushotels nahe dem berühmten „Gate of India“ ein. Die Gebäude gingen in Flammen auf und die Sicherheitskräfte benötigten drei Tage, bis sie den Widerstand gebrochen hatten. Außerdem stürmten die Terroristen ein jüdisches Zentrum und massakrierten mehrere Israelis.

Indiens Behörden hatten zuvor Warnungen über einen bevorstehenden Angriff erhalten. Sie versickerten allerdings im bürokratischen Wirrwarr. Anhand von abgefangenem Telefonverkehr zwischen den Attentätern und ihrer Zentrale in der pakistanischen Hafenstadt Karachi wurde bald klar, dass die islamistische Untergrundorganisation “Lashkar-e-Toiba“ für den Terrorangriff verantwortlich war. Sie war vor Jahren von Islamabads Sicherheitskräften für den Einsatz im indisch kontrollierten Teil Kaschmirs gegründet worden.

Pakistan bestreitet bis heute jede Verwicklung. Aber Experten sind überzeugt, dass der Angriff ohne Unterstützung von Islamabads Geheimdienst Isi unmöglich gewesen wäre - und dass die damalige Führung informiert gewesen sein muss. „Der Isi ist eine streng geführte, straffe Organisation“, sagt ein langjähriger ausländischer Kenner der Organisation. „So etwas kann nicht hinter dem Rücken der Chefs gemacht werden.“ Der Isi versteckte auch die Familie Kasabs, nachdem Journalisten sie nach dem Attentat in dem Dorf Faridkot in der Provinz Punjab aufgetrieben hatten. Von dort war Kasab 2005 in die Provinzhauptstadt Lahore gezogen, bevor er sich „Lashkar-e- Toiba“ anschloss.

Pakistan klagte mittlerweile sechs Bürger seines Landes wegen Beihilfe zu dem Terrorangriff an. Bislang wurde niemand verurteilt. Islamabad beantragte außerdem inzwischen die Auslieferung Kasabs, um - so die Begründung - die eigene Aufklärung vorantreiben zu können.

Kasabs Schicksal liegt nun in der Hand des Obersten Gerichtshofs Indiens in der Hauptstadt Delhi. Nach dem Schuldspruch soll von Dienstag an über das Strafmaß beraten werden. Die Verurteilung zum Tod am Strang wird für Mittwoch erwartet. Danach wird der Fall wie bei allen indischen Todesurteilen zunächst automatisch an eine höhere Instanz weitergeleitet. Zuletzt bleibt Kasab die Möglichkeit, vor dem Obersten Gerichtshof um Begnadigung zu bitten.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Bundesliga Liveticker


Anzeige





Bildergalerien


RHEINLAND WETTER



Special


ksta-blogs.de



Blog zur ksta.tv-Sendung



Aktion


Aktion





Aktuelle Verkehrsinfos


Termine

Veranstaltungssuche

 

Veranstaltungs-Tipps

Manic Street Preachers

22. April 2012,
E-Werk Köln

 

Mein ksta.de


ksta.de auf Facebook

KSTA auf Facebook

Meistgelesene Artikel


Stadtmenschen Community


Extra


Die 5 beliebtesten Pausenspiele

Mahjongg Fortuna
Zuma
Zuma »
1507 Spieler
Bookworm
Bookworm »
1263 Spieler
Bubble Shooter
Bubble Shooter »
1034 Spieler
Bejeweled 2
Bejeweled 2 »
956 Spieler

Brutto / Netto Rechner

Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.) Steuerklasse

Dienste