Von Kathrin Gemein, 05.05.10, 19:56h, aktualisiert 06.05.10, 12:28h
Ihre Kamera hat sie immer dabei - und geht manchmal gezielt auf Motivsuche, hat aber viele spontane Begegnungen. „Ich schaue intuitiv“, erzählt Dankert ihren Blick. Dabei ginge es ihr nicht um den rein modischen Aspekt von Kleidung, sondern „eher um den Ausdruck. Um das, was den Menschen über seine Kleidung hinaus ausmacht.“ Denn eines ist ihr wichtig zu betonen: „Mein Blog ist so gesehen kein Mode-Blog, sondern ein Blog über Menschen und ihre Kleidung.“ Schließlich sei ihr eben nicht die bloße Oberfläche wichtig - sondern ein offener und vorurteilsloser Blick auf Menschen. Diese Botschaft ist angekommen: Vor drei Tagen kam Post von einer Pfarrerin aus Baden-Württemberg, die diese Grundphilosophie samt Blog in ihre Predigt eingebaut hat.
Unter den vielen Kategorien wie „Rote Haare“, „Mensch und Hund“ oder „Junge Väter“, in die Dankert die einzelnen Bilder einordnet, befindet sich ein „besonderes Steckenpferd“ mit dem Titel „Die Vorhut / The seasoned“. Hier drunter fallen ältere Menschen, die Dankert besonders gerne fotografiert. Das Interessante daran sei oft ein ganz eigener Stil, der sich über Jahre hinweg entwickelt habe. „Und diejenigen, die sich extrovertiert kleiden, gönnen es sich einfach, aufzufallen. Und sich zu zelebrieren.“ Darüber hinaus seien die Lebenserfahrung und Unerschrockenheit, die von älteren Menschen ausginge, besonders spannend.
Ihre Herangehensweise zündete: Zunächst freundete sich Dankert mit dem New Yorker Blogger Ari Seth Cohen an, der ihre Fotos von älteren Menschen auf seinem Blog „Advanced Style“ veröffentlichte. Der fiel Redakteuren der „New York Times“ auf. Und so landeten auch ihre Fotos auf den Seiten der renommierten Tageszeitung. Bei der Frage nach Lieblingsbegegnungen fängt Dankert an zu strahlen - und es wird spürbar, wie sehr sie an den Individuen hängt, die sie vor der Linse hatte. Wie der 98-jährige Herr Klein, der das Gespräch mit: „Hören Sie mir zu, junge Frau. Sie werden es nicht bereuen“ begann. Und auf rührende Art und Weise die Geschichte seiner 51-jährigen Ehe erzählte.
Ihre Fotos bleiben oft nicht nur im Internet, sondern werden oft von den Models ausgedruckt und gerahmt. „Gerade bei der Vergänglichkeit des Internet ist das besonders toll“, so Dankert. Sie plant nun eine Serie, mit ihren Bildern „an den Wänden, an denen sie nun hängen.“
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