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Interview mit Suzie Kerstgens

"Also, rauf auf die Bühne, spielen"

Von Peter Limbach, 08.05.10, 09:53h

Im Vorfeld des Bandwettbewerbs "Köln rockt" sprach Suzie Kerstgens, Sängerin der Band Klee, mit Peter Limbach über Kölner Bands, Nachwuchsrocker, die Bereitschaft über die Dörfer zu ziehen, Schweiß und Leidenschaft.

Klee
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Erdolgreich mit deutschen Texten: Suzie Kerstgens, die Sängerin der Gruppe Klee. (Bild: dpa)
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Erdolgreich mit deutschen Texten: Suzie Kerstgens, die Sängerin der Gruppe Klee. (Bild: dpa)
Frau Kerstgens, Sie sind eine Kölner Musikerin, die deutschlandweit geschätzt wird. Wie haben Sie das geschafft?

SUZIE KERSTGENS: Mit Herz für die Sache sowieso, aber auch mit viel Schweiß, mit harter Arbeit. Man muss bereit sein, über die Dörfer zu ziehen und auch mal vor 20 Leuten zu spielen, und zwar mit der selben Leidenschaft, als wären es 10.000. Man braucht Geduld und Disziplin, oft heißt es morgens um fünf aufstehen, sieben Stunden mit dem Tourbus in irgendein Provinz-Städtchen, aufbauen, Soundcheck - und hinterher noch fit sein fürs Konzert. Und das alles vielleicht jahrelang. Wer Musiker wird, um nur Party zu machen, hat den Beruf verfehlt.

Könnte man einen Leitfaden herausgeben, der auflistet, was es braucht, um Rockstar zu werden?

KERSTGENS: Nicht wirklich, es gehören ja auch Talent und Glück dazu, beides lässt sich kaum erzwingen. Aber auch aller Fleiß ist vergebens, wenn man die Regel Nummer eins ignoriert: sich nicht verbiegen lassen. Je bekannter eine Band, desto mehr Besserwisser tauchen auf, die dich ausverkaufen wollen. Als wir Ende der 90er Jahre erste Erfolge mit der Band Ralley hatten, rieten so genannte Experten von Plattenfirmen dringend, wir sollten Englisch singen, weil sich das besser verkauft. Wir weigerten uns, wir wollten zeigen, dass es möglich ist, gute Popmusik mit deutschsprachigen Texten zu machen. Langfristig hab' ich mich damit auch durchgesetzt. Es gibt viele gute Leute bei Plattenfirmen, aber auch solche, die von Musik nur als „Produkt“ reden, da muss man aufpassen. Musik machen ist Leidenschaft und keine Tütensuppe. Hey, viele geben alles in die Musik, ihr Leben sozusagen, die verzichten auf einen sicheren Job, um spielen zu können, da sollte mehr Respekt herrschen.

Haben Sie es als Frau leichter oder schwerer als Männer?

KERSTGENS: Ich finde, es ist schwerer. Als Frau brauchst du zwar keine Verstärker schleppen, dafür aber schleppst du Vorurteile herum in dieser weiterhin von Männern dominierten Szene. Man kämpft als Frau immer noch gegen längst überholte Klischees, muss doppelte Überzeugungskraft leisten, um ernst genommen und nicht als Diva oder schmückendes Beiwerk abgestempelt zu werden. Mein Rat an die Kolleginnen: Mund aufmachen, gute Argumente und Talent überzeugen immer.

Sie kommen viel in Deutschland herum, wie beurteilen Sie die Kölner Szene samt Umland im Vergleich mit anderen Städten?

KERSTGENS: Es könnte noch mehr für den Nachwuchs getan werden vonseiten der Stadt, vor allem was Proberäume betrifft. Die sind rar, und was es gibt, ist oft zu teuer. Nicht selten teilen sich vier Bands einen schäbigen Kellerraum. Da wird die Weiterentwicklung, das Tüfteln an Sound und Songs schwer. Gut finde ich die Atmosphäre unter den Musikern. So viel Hilfsbereitschaft gibt's nicht überall. Das ist die weltoffene Kölner Mentalität. Ich komme aus Sonsbeck bei Xanten und hätte in jede andere Stadt der Welt ziehen können. Aber ich wollte nach Köln, zu Recht als die lässigste Stadt in Deutschland bekannt.

Sie sind Mitglied der „Köln rockt“-Jury. Was erwarten Sie von dem Wettbewerb?

KERSTGENS: Eigentlich bin ich skeptisch, was solche Wettbewerbe betrifft. Ich finde es schwierig, über Musik, über Kunst generell zu urteilen. Ich habe aber das Gefühl, dass „Köln rockt“ vielen Musikern eine Öffentlichkeit schafft, die sie sonst vielleicht nicht hätten. Es ist wichtig, sich auszuprobieren. Also, raus aus dem Proberaum, rauf auf die Bühne, Erfahrungen sammeln und so das Selbstbewusstsein schärfen. Und all jenen, die nicht zu den 32 Bands gehören, die Konzerte spielen dürfen, sag ich: Lasst euch nicht frustrieren, macht es wie Klee, gebt nicht auf, glaubt an euch, nächstes Mal klappt's, oder übernächstes Mal.



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