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Lukas Podolski

Wunderkind ohne Allüren

Von Christian Löer, 07.05.10, 19:55h, aktualisiert 07.05.10, 20:17h

Lukas Podolski wurde einst als Wunderkind hysterisch gefeiert. Poldi, wie er schon früh gerufen wurde, war immer der Beste, in jedem Jahrgang. Doch die Rückkehr zum 1. FC Köln ist dem Stürmer weit schwerer gefallen als erhofft.

Lukas Podolski als Model
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Kölns Lukas Podolski in einer Werbekampagne für Hugo Boss. (Bild: Hugo Boss Fragrances)
Lukas Podolski als Model
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Kölns Lukas Podolski in einer Werbekampagne für Hugo Boss. (Bild: Hugo Boss Fragrances)
Lukas Podolski wird am Samstag in Nürnberg keine Gelegenheit haben, seine Saisonbilanz zu verbessern. Der Angreifer des 1. FC Köln fehlt wegen einer Oberschenkelverletzung. Es bleibt damit bei zwei Treffern. Den einen erzielte Podolski am 13. September des vergangenen Jahres, den zweiten in diesem März. Sehr viele Monate sind das für sehr wenige Tore.

Podolski wollte nach drei Jahren im bayrischen Exil nur nach Hause. Doch beruflich ist ihm das Heimkommen weit schwerer gefallen als erhofft. Seit seinem Abschied hat der 1. FC Köln zwei Jahre in der Zweiten Liga gespielt und dabei das komplette Personal ausgetauscht. In München war Podolski hoffnungslos isoliert. Und in Köln besserte sich das nur langsam. „Man muss sich intensiv mit Lukas beschäftigen. Man muss ihm das Gefühl geben, wieder zu Hause zu sein“, sagt FC-Manager Michael Meier, der im Sommer zehn Millionen Euro für ihn bezahlte.

Meier hat viel geredet mit Lukas Podolski und ist darüber zu der Erkenntnis gelangt, dass der mittlerweile 25-jährige Lukas Podolski weit schlechter mit dem Druck zurecht kommt als das 19-jährige Wunderkind, das nach der EM-Teilnahme im Sommer 2004 bis zur Hysterie gefeiert wurde. Statt den Druck der Branche zu verarbeiten, hat Podolski jahrelang nur absorbiert. Er ist zwar nicht daran zerbrochen. Doch gelitten hat er durchaus.

Der sportliche Misserfolg hat Lukas Podolski extrem zugesetzt, daran ist er nicht gewöhnt. Zehn Jahre war er alt, als ihn der große 1. FC Köln aus Bergheim holte. Poldi, wie er schon damals gerufen wurde, war immer der Beste, in jedem Jahrgang. Erst beim 1. FC Köln, später in ganz Deutschland. Bei der Weltmeisterschaft 2006 wählten sie ihn zum besten Nachwuchsspieler des Planeten. Podolski war reich, berühmt, beliebt. Widerstände kannte er nicht. Als ihm welche begegneten, verlor er die Nerven.

Im April 2009 spielte die deutsche Nationalelf in Cardiff gegen Wales. Es lief die zweite Halbzeit, Deutschland führte 2:0, doch abseits des Spielgeschehens brüllte und gestikulierte Michael Ballack in Podolskis Richtung. Der Stürmer bewege sich falsch, stehe falsch, mache eigentlich alles falsch. Daraufhin schlug Podolski seinem Kapitän mit der flachen Hand ins Gesicht. Unentschuldbar, eigentlich.

Kein Anschluss in der Kabine der Eitelkeiten gefunden

Doch Podolski gilt als Spieler mit enormem Sozialsinn. Darum hat es auch nie Zweifel daran gegeben, ihn mit nach Südafrika zu nehmen. Dort wird Winter herrschen während der Weltmeisterschaft. Es wird früh dunkel werden, die Nationalspieler werden eng aufeinander hängen, - für solche Gelegenheiten ist Lukas Podolski exakt der Richtige. Je enger ein Team beieinander ist, desto zufriedener ist Podolski, zumindest dann, wenn sich seine Kollegen auf ihn einlassen. In der Kabine der Eitelkeiten beim FC Bayern fand er nie Anschluss. Denn trotz seiner gewaltigen Popularität ist er viel weniger Superstar als die meisten seiner Mitspieler. Wo Lukas Podolski herkommt, gibt es keine Arroganz. Dass Podolski in der vergangenen Woche einen Fußgänger von der Straße hupte, geschah nicht, weil er glaubt, sich alles erlauben zu dürfen. Im Gegenteil: Podolski ist der geblieben, der er auch ohne Ruhm geworden wäre. Bloß in einem teureren Auto.

ksta.tv: Nürnberg soll nichts geschenkt werden

Wer in Podolskis Benehmen das Positive sucht, kann sagen, dass sich der Spieler in der zur Paranoia neigenden Fußballwelt immerhin seine Spontaneität bewahrt hat. Als der Kölner Hauptsponsor Rewe den Stürmer zur großen Präsentations-Pressekonferenz aus dem Sommer-Trainingslager in Österreich einfliegen ließ, sollte Podolski ein wenig Werbe-Smalltalk halten. Auf die Frage, was er denn mit Rewe verbinde, antwortete Podolski: „Ich kaufe sowieso immer bei Edeka.“ Das war lustig, aus Sicht eines PR-Strategen allerdings ein Debakel. „Als Fußballprofi muss Lukas noch erwachsen werden“, beschreibt Michael Meier.

Man kann nicht sagen, dass Lukas Podolski in den vergangenen Jahren umfangreiche Arbeiten an sich und seinem Spiel vorgenommen hat. Er lebt von seinem Talent. Noch immer kann er nicht mit rechts schießen, sein Kopfballspiel ist lausig. Doch Podolski hat kaum Anlass, etwas zu ändern. Die Maschine läuft ja. Werbegelder fließen, seine WM-Nominierung steht.

Andere Profis absolvieren regelmäßig Sonderschichten, um ihre Schwächen zu bekämpfen. Podolski engagiert sich lieber auf anderen Plätzen - und bemüht sich, den Bergheimer Landesligaklub Hilal Maroc nach vorn zu bringen. Dort verbringt er gern seine Sonntagnachmittage, im Kreise seiner alten Kumpels. Podolski hat Trikots besorgt und versucht, Spieler zu verpflichten. Für ein paar hundert Euro Benzingeld im Monat. Auf den Plätzen der Landesliga findet Podolski Zerstreuung. Da kann er der sein, der er immer war - und der er geblieben ist. Michael Meier muss einen Moment nachdenken, als er nach dem Glamourfaktor des millionenschweren Nationalspielers Lukas Podolski gefragt wird. Dann atmet er durch. Und sagt: „Null.“



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