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Restaurant-Kritik

Genuss-Meditation beim Steak

Von Helmut Gote, 15.05.10, 09:27h

Das Restaurant „Chef“ hat sich auf erstklassiges Rindfleisch spezialisiert - mit entsprechend hohen Preisen. Bei der herausragenden Qualität und Verarbeitung ist das aber durchaus nachvollziehbar.

Restaurant-Kritik Helmut Gote
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Im „Chef“ gibt es hervorragende Steaks. (Bild: Grönert)
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Im „Chef“ gibt es hervorragende Steaks. (Bild: Grönert)
Kein anderes Restaurant in Köln erzeugt schon allein wegen seines großartigen Industrie-Designs und des cool inszenierten Interieurs soviel kosmopolitisches Flair wie dieses. Die große Halle des ehemaligen Eichamts kommt völlig ohne Stützen aus, die Krananlage und die Eisenträger an der Decke, die massive, mit leuchtenden Glaseinsätzen verkleidete Theke sowie der Ziegelboden und das Holzmobiliar sind spektakulär. Tagsüber genauso wie abends, wenn die Silhouetten der Mediapark-Gebäude und die Lichter der vorbeifahrenden Autos eine filmreife Kulisse abgeben, die man so eigentlich nur von New York oder anderen amerikanischen Metropolen kennt.

Das neue kulinarische Konzept des „Chef“ entspricht dieser Vorlage: Die Küche setzt hauptsächlich auf erstklassiges Rindfleisch im Sinne von Steaks - mit entsprechend hohen Preisen. Die sind allerdings nachvollziehbar, wenn man sich an der herausragenden Qualität des nach Herkunft und Rasse sortierten Fleisches orientiert. Wobei ein 280 Gramm schweres Rib-eye-Steak vom irischen Hereford-Rind für 27 Euro eigentlich im Verhältnis gar nicht viel teurer ist, als was einem in banalen Steakhäusern an mickrigen 180-Gramm-Rumpsteaks geboten wird.

Subtil würzige Aromatik

Was Struktur, Fettmaserung und Geschmacksintensität angeht reden wir hier über den Unterschied wie etwa beim Wein zwischen Lambrusco und Mouton-Rothschild. Das perfekt medium gebratene Rib-eye hat dadurch, dass es drei Wochen lang an der Luft und am Knochen trocken reift, eine dermaßen subtil würzige Aromatik und überragend strukturelle Balance zwischen saftig und fest, dass man während des Essens geradezu in genussvolle Meditation versinkt. Aber auch die anderen Steaks von immer passend abgehangenem Fleisch zeigen, wo es in der Rinder-Champions-League lang geht. Das Hüftsteak vom Wagyu-Rind (200 g) ist fester im Biss, trotzdem saftig und würziger im Aroma. Es braucht nichts als ein paar Körner Meersalz und ist als Tagesangebot von der Tafel mit gebratenen Süßkartoffeln für 16 Euro ein regelrechtes Schnäppchen. Ebenso wie das „Tri Tip“ vom US-Beef (200 g) für 19 Euro, das man bei uns als von Kennern bevorzugtes Bürgermeisterstück kennt.

Beilagen kosten extra, wie der kurz gedünstete Spinat (4 Euro) und der gelungene Kartoffelstampf mit fein gehackten Oliven. Noch eine Sensation ist das Terras mayor Wagyu (28 Euro), ein Stück aus der Schulter, das man bei uns als Steak normalerweise gar nicht bekommt: gemasert wie eine Rinderbrust, innen rosa bis dunkelrot, gleichzeitig sehr zart und trotzdem richtig zum Beißen, mit Rosmarinbratlingen und tadelloser Sauce béarnaise. Dass der Service dieses Niveau nicht annähernd erreicht, die offenen Weißweine nicht der Rede wert sind? Schwamm drüber für dieses Mal, weil zum Fleisch die guten Roten sowieso besser passen und die Köche bis auf den schlappen Caesars Salad präzise arbeiten.

Deswegen ist der Bisonburger (14 Euro) im schön festen, hausgebackenen Brötchen eine in Köln bisher nicht erreichte Offenbarung in seiner Kategorie. Und der hervorragend frisch-fruchtige Key-Lime-Pie (6,50 Euro) genau richtig, um sich nach einem solchen Höhenflug in den Steak-Himmel wieder gut gelaunt zu erden. Es wird trotzdem schwer werden, sich danach wieder auf Rindfleisch heimischer Massenzucht einzulassen.

Chef
Spichernstraße 77
50672 Köln
Tel.: 02 21/650 36 50
Öffnungszeiten: So bis Fr ab 11, Sa ab 18 Uhr



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