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„Boobquake-Day“

Lasst es beben, Schwestern!

Von Tobias Kaufmann, 27.04.10, 14:06h

Ein iranischer Geistlicher glaubt, offene Dekolletés lösten Erdbeben aus. Man sollte die These nicht vorschnell verwerfen. Wird der Einfluss unseres Verhaltens auf den Globus nicht unterschätzt? Anstoß – der Kommentar.

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Erdbebengefahr! Model-Figur in Florida. (Bild: afp)
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Erdbebengefahr! Model-Figur in Florida. (Bild: afp)
Weibliche Brüste lösen in männlichen Gehirnen allerlei aus. Das ist allgemein bekannt. Da aber alles mit allem irgendwie zusammenhängt, kann dieses "allerlei" nicht ohne Folgen bleiben. Dem iranischen Islamgelehrten Kasem Sedighi verdanken wir die Einsicht, wie dramatisch sich das kokette Hüpfen sekundärer Geschlechtsmerkmale humanoider Erdenbewohner auf das Gleichgewicht des gesamten Planeten auswirkt. Sind Frauen zu unzüchtig gekleidet, führt dies allgemein zu mehr Sex. Oder, um es in den Worten des iranischen Hobby-Seismologen zu sagen: "zu sittenwidrigen sexuellen Beziehungen". Und die führen in letzter Konsequenz zu Erdbeben.

Offen blieb allerdings die Interpretation, ob der Prediger diese Kausalkette auf physikalische Gesetze zurückführt. Auf deutsch: Bringt die ständige Rammelei den Erdboden ins Wanken oder schickt Gott selbst die Erdbeben, weil er unmögliche Klamotten einfach nicht duldet? Der iranische Präsident wäre sicher bereit gewesen, dieser wichtigen Frage im Rahmen einer Konferenz in Teheran auf den Grund zu gehen. Aber leider, leider antwortete der verderbte Westen wieder einmal mit einer Waffe, die iranischen Predigern – vermutlich aufgrund eines Nichtweiterverbreitungsvertrags – nicht zur Verfügung steht: Ironie.

Gott straft die Unschuldigen

Amerikanische Frauen haben sich am Montag (Ortszeit) einen Spaß daraus gemacht, sich aus Protest gegen diese Idee absichtlich freizügig zu kleiden. Das ist natürlich eine Gemeinheit. Nicht nur, dass sie die religiösen Gefühle des Predigers verletzt – der arme Kerl wird panisch seine Möbel festgehalten haben. Denn kleine Sünden straft der liebe Gott bekanntlich sofort. Und Gott hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass er nicht in der Lage ist, gezielt zu strafen. Erdbeben lassen ja nicht nur die Buden der Unzüchtigen wackeln, sondern begraben auch unschuldige Kinder. Gott hat eine Kollateralschadensquote, die weder die US-Armee im Irak noch die Nato in Afghanistan jemals erreichen. Selbst wenn sie es wollten.

Aber diese Überlegungen führen vermutlich zu weit. Mehr noch: Falls Kasem Sedighi doch recht hat, könnten sie zu einem Blitzeinschlag führen. Irgendwo. Wer kann denn schon mit Bestimmtheit sagen, dass Onanieren wirklich kein bisschen blind macht? Und dass eine Grimasse wirklich nicht für ewig auf dem Gesicht bleibt, wenn zeitgleich die Kirchturmuhr schlägt? Ist der wahre Weltuntergang der Atomkrieg – oder die seismologisch gefährliche Parole "Make love, not war"?

Empirie hilft

Und eine letzte philosophische Frage: Warum wehren wir solche Thesen wie die des iranischen Predigers reflexhaft ab, während wir selbst Untergangspropheten von Claudia Roth bis Roland Emmerich folgen, die der Meinung sind, der Globus habe ein Eigenleben und werde sich, früher oder später, gegen uns zur Wehr setzen? Statt sich über den armen Iraner lustig zu machen, oder sogar wütend zu werden, sollten wir den Ball aufnehmen und für empirisch saubere Antworten sorgen. Das Wetter ist uns ja hold. Also, Schwestern: Zieht Euch dünn an. Lasst es beben!



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