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Ölpest

Ölteppich vor USA immer bedrohlicher

Erstellt 30.04.10, 09:12h, aktualisiert 02.05.10, 10:00h

Die Lage im Golf von Mexiko spitzt sich weiter zu: Der unaufhaltsame Ölteppich vor der amerikanischen Küste hat mittlerweile eine Größe von mehr als 20.000 Qudratkilometer angenommen. Vier Südstaaten haben den Notstand ausgerufen.

Obama
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Obama ist am Golf von Mexiko eingetroffen. (Bild: rtr)
Obama
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Obama ist am Golf von Mexiko eingetroffen. (Bild: rtr)
Louisiana
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In Louisiana sind zahlreiche freiwillige Helfer im Einsatz, um die Vögel zu retten. (Bild: dpa)
Ölteppich
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Ölsperren sollen diese kleine Insel südlich von Louisiana vor dem Ölteppich schützen. (Bild: rtr)
Louisiana
Ölteppich
WASHINGTON - Der Ölteppich im Golf von Mexiko droht sich zu einer der größten Umweltkatastrophen der USA auszuwachsen und setzt den britischen Ölkonzern BP immer stärker unter Druck. US-Präsident Barack Obama wolle am Sonntagmorgen in die Region reisen, um die Bemühungen im Kampf gegen ein ökologisches Desaster voranzutreiben, teilte das US-Präsidialamt am Samstag mit. Obamas Regierung erhöhte den Druck auf BP, sich als Besitzer der gesunkenen Bohrplattform beim Stopfen des Lecks und der Eindämmung des Ölteppichs stärker zu engagieren. Doch der Wind trieb das Öl aus der noch immer unkontrolliert sprudelnden Quelle weiter an Land, wo es Rückzugsgebiete zahlreicher Tiere sowie Fischgründe und Strände von Louisiana über Mississippi und Alabama bis Florida bedrohte.

Erste Ausläufer des riesigen Teppichs, der sich nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" gebildet hat, erreichten bereits die Küste Louisianas. Experten fürchteten Schäden in Milliarden-Höhe.

"Wir können und werden nicht ruhen, bis BP das Bohrloch endgültig abdichtet und jeden Tropfen Öl einsammelt", sagte US-Innenminister Ken Salazar am späten Freitagabend. Er habe Vertreter des Ölriesen in persönlichen Gesprächen ermahnt, härter, schneller und besser daran zu arbeiten. BP ist Haupteigner der gesunkenen Insel, aus deren Bohrlöchern der Regierung zufolge jeden Tag rund 795.000 Liter Öl (5000 Barrel) ins Meer entweichen und das sensible Öko-System bedrohen.

Die Küstengewässer und Sumpfgebiete im Golf von Mexiko sind Heimat zahlreicher Tierarten wie Seekühe, Delfine, Wale, Tümmler, Pelikane sowie anderer Vögel. Im Golf gibt es zudem riesige Mengen an Fischen, Austern, Krabben und Muscheln. Tierschützer und auf Ölkatastrophen spezialisierte Helfer bereiteten sich auf einen Großeinsatz vor.

Experten gehen davon aus, dass es BP wohl kaum gelingen dürfte, das in 1,5 Kilometern Tiefe liegende Leck schnell zu stopfen. Mindestens vier Wochen, wenn nicht zwei bis drei Monate dürfte es dauern, bis entweder eine Abzugsröhre das Öl in ein Schiff umleiten oder eine zweite Quelle angebohrt werden kann, aus der das Öl kontrolliert entweichen kann. BP räumte ein, Schwierigkeiten zu haben, das Leck unter Kontrolle zu bringen.

"Bei 5000 Barrel am Tag handelt es sich binnen zwei Monaten um einen größeren Ölteppich als bei der Exxon Valdez", sagte Tyler Priest von der University of Houston mit Blick auf das Öl-Frachtschiff, das 1989 vor der Küste Alaskas auf ein Riff aufgelaufen war. Das war bisher die schwerste Katastrophe dieser Art in der US-Geschichte. Der US-Kongress schränkte daraufhin die Öl-Schifffahrt vor der Küste Alaskas ein.

Schlaglicht auf geplante Tiefseebohrungen vor US-Küsten

Die jüngste Katastrophe warf ein Schlaglicht auf geplante Bohrungen vor den US-Küsten. Zum Entsetzen vieler Anhänger hatte Obama erst kürzlich Tiefseebohrungen zur Öl- und Gassuche gebilligt, die nun aber erst einmal ausgesetzt wurden.

BP erklärte sich bereit, wie von Obama verlangt für die Beseitigung der Folgen aufzukommen. Konzernchef Tony Hayward sagte, das Unternehmen übernehme die volle Verantwortung und werde berechtigte Ansprüche von Betroffenen erfüllen. Wegen drohender Entschädigungszahlungen trennten sich Anleger von BP-Aktien, die zum Wochenschluss deutlich nachgaben.

Bisherige Bemühungen, den Öl-Teppich zu stoppen, waren gescheitert. In einem verzweifelten Versuch, das Schlimmste zu verhindern, wurden Tausende Sperren ins Wasser gelassen.

Verteidigungsminister Robert Gates gab grünes Licht für die Entsendung von 6000 Nationalgardisten. Rund um die Uhr seien 300 Schiffe und knapp 2000 von der Washingtoner Regierung entsandte Helfer im Einsatz, sagte Obama. Auch zwei Flugzeuge der US-Luftwaffe sollten den Einsatz unterstützen.

Doch an der Südküste macht sich inzwischen Unmut über die Reaktion der US-Regierung breit. Allein die Fischereiindustrie in Louisiana könnte der Öl-Teppich einem Analysten zufolge 2,5 Milliarden Dollar kosten. Der Schaden für die Tourismusindustrie entlang der Golfküste Floridas könnte sich auf drei Milliarden Dollar summieren, schätzte die Investmentgesellschaft Bernstein. Die Ölpest könnte Experten zufolge zudem die wichtigsten Schifffahrtsrouten in der Region blockieren. Die Investmentbank Goldman Sachs warnte am Freitag ihre Kunden, dass der Ölteppich vom Wochenende an den Öltransport behindern könne. Der weltgrößte Ölkonsument USA droht damit von Importen des dringend benötigten Rohstoffes abgeschnitten zu werden.



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