Erstellt 30.04.10, 15:17h
Der titelgebende unbekannte Autor ist der Adelige Edward de Vere, 17. Earl of Oxford, den Emmerich von Rhys Ifans ("Notting Hill") spielen lässt. Der oberste Kämmerer von Queen Elizabeth I. ist seit 1920 als wahrer Urheber der Shakespeare zugeschriebenen Werke im Gespräch. In der Vergangenheit haben bereits Größen wie Mark Twain, Orson Welles, Sigmund Freud oder Charlie Chaplin Shakespeares Autorenschaft bezweifelt.
Für die sogenannten Oxfordianer war Shakespeare lediglich ein Strohmann. In ihren Augen ist es unmöglich, dass der Mann aus einer Analphabeten-Familie mit fragwürdigem Bildungsstand, der keinen Zugang zum Hof und nie das europäische Festland bereist hatte, Werke wie "Der Kaufmann von Venedig" oder "Hamlet" hätte ersinnen können. Für die Oxfordianer spricht, dass kein handgeschriebenes Manuskript Shakespeares überliefert wurde. Probleme bereitet der Tod de Veres 1604, lange vor der Uraufführung von "Macbeth" und "Der Sturm".
Der Stoff fasziniert Emmerich. "Es geht um ein einfaches Thema: Dass das Wort mächtiger ist als das Schwert", sagte er am Donnerstag bei der Vorstellung seines ersten Projekts in Deutschland seit seinem Hollywood-Debüt 1992, "Universal Soldier". Emmerich will nicht als Katastrophenfilmer abgestempelt werden. Im Grunde verfolge er immer die großen Fragen, sei es, wie die Welt enden werde oder eben, ob Shakespeare tatsächlich die ihm zugeschriebenen Werke verfasst hat: "Ich musste hart kämpfen, um diesen Film zu machen." Emmerich dreht seit Ende März mit einer Riege renommierter britischer Darsteller, darunter Vanessa Redgrave als Elizabeth I. Der Film soll 2011 in die Kinos kommen.
"Das ist nach wie vor ein Roland-Emmerich-Film", sagte Marc Weigert, der mit Volker Engel nach "2012" auch bei "Anonymous" für die visuellen Effekte verantwortlich zeichnet. Um das London des 16. Jahrhunderts lebensecht auf die Leinwand zu bringen, müssen die 30 Mann ihres Teams Tausende von Häusern, Menschen, Schiffen und nicht zuletzt die Themse im Computer generieren. Dafür wurde eine Weigert zufolge "bahnbrechende" neue Technologie entwickelt, mit der auf Basis simpler Fotos 3D-Kamerafahrten in den fotografierten Raum möglich werden.
Keine Einstellung in "Anonymous" wird in England gedreht, das gesamte Geschehen spielt sich in Babelsberg vor Kulissen oder grünen Leinwänden ab, in die die Computersimulationen eingefügt werden. Trotz dieses Aufwands ist das Ausmaß der Spezialeffekte nicht mit "2012" vergleichbar: Laut Weigert kommt seine Abteilung mit einem Fünfundzwanzigstel des Budgets von "2012" aus.
Schmales Budget: 30 Millionen Dollar
Für sein komplettes Projekt hat Emmerich nach eigener Auskunft rund 30 Millionen US-Dollar zur Verfügung - Welten von den angeblichen 200 Millionen Dollar, die "2012" gekostet haben soll. Das sei wenig Geld, aber genug, sagte Emmerich: "Ich gehe keine Kompromisse ein."
Gereicht hat es auf jeden Fall für einen Nachbau des Rose Theatres auf einem Nebengelände des Filmstudios. Das zweigeschossige, runde Holzgebäude ist umgeben von windschiefen, angegammelten Fachwerkhäusern, in den schlammigen Gassen fehlen nur noch Schweine und Ratten für das authentische Flair. "Keine Rosamunde-Pilcher-Stimmung" ist denn auch das Motto von Ausstatter Sebastian Krawinkel, der bereits Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" in Szene gesetzt hat.
"Anonymous" wurde allein vom Deutschen Filmförderfonds mit rund 4,4 Millionen Euro unterstützt. Die Förderung sei nur ein Grund für Deutschland als Drehort gewesen, sagte Emmerich: "Ich wollte immer zurückkehren." Nun genieße er die Zeit im geschichtsträchtigen Studio Babelsberg in vollen Zügen. Lange wird Emmerich die Menschheit nicht ruhen lassen. Zwei Fortsetzungen von "Independence Day" sind in Vorbereitung. (ddp)
Shakespeare unter der Lupe
28.10.2011 | 16.49 Uhr | momo85
Herr Emmerich beweist eine Art Mut. Viele werden seine Theorie nicht mögen. Ich finde die Logik dahinter eigentlich sehr eingängig. Falls es jemanden…
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