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Griechenland-Hilfe

Karlsruhe billigt Rettungspaket

Erstellt 08.05.10, 08:55h, aktualisiert 08.05.10, 13:57h

Der Weg ist frei für die Milliarden-Hilfen: Das Bundesverfassungsgericht, der Bundestag und die Euro-Länder haben das Rettungspaket gebilligt. Die EU plant außerdem ein Rettungssystem, das verhindern soll, dass Länder die Euro-Währung gefährden.

EU-Gipfel
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Herman Van Rompuy und Jose Manuel Barros beim EU-Gipfel (Bild: dpa)
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Herman Van Rompuy und Jose Manuel Barros beim EU-Gipfel (Bild: dpa)
BRÜSSEL - Beispiellose Rettungsaktion für den Euro: Die 16 Mitgliedsländer wollen die angeschlagene gemeinsame Währung mit einer radikalen Reform wieder krisenfest machen. Schlüsselelement ist ein Hilfsmechanismus für klamme Mitgliedstaaten. Die EU-Finanzminister sollen das Auffangnetz noch am Sonntag nach einem Eilvorschlag der EU-Kommission festzurren. Die Zeit drängt: Die Schockwellen der griechischen Schuldenkrise drohen die ganze Währungsunion in den Abgrund zu reißen.

"Wir werden den Euro verteidigen, was immer es kosten mag", versprach EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Samstag nach einem Sondergipfel in Brüssel. Auf Schuldensünder warten härtere Sanktionen. Auch Spekulanten an den Finanzmärkten geraten verstärkt ins Visier.

Reform: Rettungssystem wird geplant

Das geplante Rettungssystem ist die bedeutendste Reform der Währungsunion seit der Einführung des Euro vor gut elf Jahren. Es soll verhindern, dass Staaten in eine gefährliche Schieflage geraten und die gemeinsame Euro-Währung gefährden, wenn sie ihre Schulden nicht mehr an den Finanzmärkten refinanzieren können.

Experten und Politiker sind sich einig, dass die Pleite eines Euro-Landes verheerende Folgen für das gesamte Finanzsystem hätte. Details blieben zunächst offen. Ein wahrscheinliches Szenario ist, dass die Kommission Kredite an den Finanzmärkten aufnimmt und diese weiterverleiht.

Ein solches Hilfssystem nutzt die EU-Kommission bereits erfolgreich zur Unterstützung der Nicht-Euro-Staaten Lettland, Ungarn und Rumänien. Brüssel nimmt dabei zu günstigen Konditionen Kredite an den Finanzmärkten auf und leitet das Geld in Tranchen an die Länder weiter. Diese Notfall-Kreditlinie geht insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro.

Beobachter erwarteten, dass der Euro-Mechanismus noch üppiger ausgestattet wird. Weil der EU-Vertrag ein "Herauskaufen" verschuldeter Euro-Länder verbietet, wurde dieses Verfahren für sie bisher nicht angewendet.

EU bewilligt 110 Milliarden Euro

Außerdem gab der Sondergipfel wie geplant dem Hilfspaket über 110 Milliarden Euro für Griechenland grünes Licht, von dem 30 Milliarden der Internationale Währungsfonds (IWF) übernimmt. Die erste Tranche soll schon in den nächsten Tagen fließen. Am 19. Mai werden griechische Kredite von rund neun Milliarden Euro fällig.

Die Krise hatte zu Beginn des Gipfels ein kritisches Ausmaß erreicht. Die Finanzmärkte schossen sich am Freitag immer stärker auf gefährdete Länder wie Portugal und Spanien ein, die Preise für griechische und portugiesische Staatsanleihen sanken auf einen Tiefstand, die europäischen Börsen rauschten talwärts.

"Es geht hier um eine weltweit organisierte Attacke gegen den Euro", wetterte Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, der auch langjähriger Vorsitzender der Eurogruppe ist.

Das Misstrauen der Märkte drückte die Euro-Spitzenpolitiker mit dem Rücken an die Wand. Wäre das zähe Taktieren der vergangenen Wochen weitergegangen, hätte eine "Kernschmelze" im Euroraum gedroht. Aus einem Protokoll-Termin wurde ein dramatischer Krisengipfel. Nun soll das Notfallsystem noch vor Öffnung der Finanzmärkte am Montag stehen.

Der Gipfel folgte in großen Teilen den Vorschlägen aus einem gemeinsamen Brief von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Sie hatten unter anderem eine schärfere Durchsetzung des Euro-Stabilitätspaktes mit seinen Schuldenbremsen angemahnt.

Nun heißt es in der Gipfel-Erklärung, die Kommission solle für eine strikte Umsetzung des Stabilitätspaktes sorgen. Konkrete Schritte sind noch unklar - zum Beispiel, wie Defizit-Sünder an die Kandare genommen werden. Merkel hatte ins Gespräch gebracht, solchen Länder könnte zumindest zeitweise das Stimmrecht in EU-Gremien entzogen werden. In Brüssel stieß diese Idee mindestens bei Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann auf Ablehnung.

Die Länderchefs beschlossen zudem Schritte gegen aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Finanzmarktwetten gegen die Gemeinschaftswährung oder die Staatshaushalte schuldengeplagter Mitgliedstaaten. "Es wird ein sehr klares Signal sein, gegen die, die gegen den Euro spekulieren wollen", sagte Merkel.

Sarkozy kündigte ein hartes Durchgreifen bei der Regulierung der Finanzmärkte an. "Wir werden die Rating-Agenturen moralisieren." Der Finanzsektor werde einen signifikanten Beitrag leisten müssen. "Der Euro ist Europa, wir können ihn nicht den Spekulanten überlassen", mahnte er.

Auch Brasilien steuert Hilfspaket bei

An der Rettung Griechenlands aus der Schuldenkrise beteiligen sich nicht nur die Euro-Länder: Brasilien steuere über den Internationalen Währungsfonds (IWF) fast 300 Millionen Dollar zu dem Hilfspaket für den EU-Staat bei, erklärte der brasilianische Wirtschaftsminister Guido Mantega am Freitag. Sein Land sei als Gläubiger des IWF aufgefordert worden, Geld in Griechenland zu stecken. Brasilien habe sich daher entschlossen, rund 286 Millionen Dollar (224 Millionen Euro) aus seinen internationalen Reserven freizugeben. Mantega begründete den Schritt damit, dass die Krise in Griechenland "sehr ernst" sei und der ganzen Welt Sorgen bereite.

Zugleich versicherte der brasilianische Wirtschaftsminister, dass die Hilfszahlungen und die Euro-Krise seinem Land nicht schadeten. "Brasilien ist eine solide Wirtschaft, sie besitzt Reserven in Höhe von 245 Milliarden Dollar und wird nicht von der Krise in Europa betroffen sein", sagte Mantega. Aus seiner Sicht reagierte die Gruppe der Euro-Länder zu spät auf die Krise, sie habe damit die Lage verschärft.

Ruhige Nacht in Athen

Athen hat die ruhigste Nacht seit Ausbruch der Ausschreitungen am vergangenen Mittwoch erlebt. Es wurden keine Zwischenfälle gemeldet, teilte die Polizei am Samstag mit. Überall im Stadtzentrum und vor allem vor Ministerien und staatlichen Behörden war ein starkes Polizeikontingent aufgeboten worden. Zusätzlich fuhren die Polizisten verstärkt Patrouillen mit Streifenwagen und Motorrädern. Verdächtige wurden kontrolliert. Sogar ein Hubschrauber flog bis zum letzten Tageslicht am Freitagabend über der Innenstadt. Während der jüngsten Proteste gegen die massiven Sparmaßnahmen der Regierung hatten sich Chaoten mit der Polizei blutige Straßenschlachten geliefert, drei Menschen kamen dabei ums Leben.

Die Griechen müssen in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Euro sparen. Nur so können sie auf die Hilfe der Euroland-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 110 Milliarden Euro hoffen, um ihr Land vor dem Bankrott zu retten. Experten des IWF, der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) werden jede drei Monate prüfen, ob Athen seine Verpflichtungen erfüllt. Ist dies nicht der Fall, wird das Rettungsprogramm unterbrochen. Die Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou will kommende Woche neue Einschnitte diesmal bei den Renten und Pensionen beschließen. Die Gewerkschaften planen dagegen zu streiken. (AFP, dpa)



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