Von Patrick Hagedorn, 25.06.10, 11:22h, aktualisiert 25.06.10, 11:42h
1.Runde
Etwas schmiegt sich an mein Knie. Der Plötzliche Körperkontakt lässt meine Gedankenblase platzen. Ich blicke in zwei braune lebenslustige Augen, die zu einer brünetten Dame gehören. Sie ist BWL-Studentin aus Ungarn und erzählt, dass sie erst seit anderthalb Jahren in Deutschland lebe. Ich bin beeindruckt von ihrem nahezu perfekten Deutsch. Wieder sucht sie die Knie-an-Knie-Berührung. Vielleicht eine nonverbale ungarische Anmachtechnik? Nun bin ich an der Reihe: Ich erzähle ihr von meiner Band und lade sie zu einem Auftritt ein. Sie wirkt interessiert und notiert sich das Datum. Die Fünf Minuten sind vorbei.
Die nächste Dame. Sie bittet mich, direkt neben ihr Platz zu nehmen und beginnt, an meinen Armbändern herumzufummeln. „Ich bin Heidi. Schönes Armband hast du da.“ Ich bedanke mich artig und ignoriere ihre Fahne. Mit Smalltalk hält sie sich nicht auf und geht direkt in die Vollen: Sie sei versetzt worden und nun seit vier Stunden am Trinken. Hilfe. Sie beendet unsere Fünfminuten mit den Worten: „Jetzt haben wir genug geredet, lass uns miteinander schlafen.“
Immer noch geschockt von zu viel Offenheit begebe ich mich zu meiner nächsten Partnerin. Sie ist Polin und macht irgendetwas mit Medien und deutlich zu viel Silben, so dass ich bei ihren zahlreichen gerollten „R“ den Überblick verliere. Dafür lacht sie gerne. Auch über meine zweitklassigen Scherze. Leider verstehe ich sie nur zur Hälfte.
2. RundeDa es einen Männerüberschuss gibt, werde ich ausgewechselt und betrachte das Geschehen von der Bar aus. Wie, das war's also schon?
3. RundeWiderwillig lässt mich der Liebesengel noch einmal teilnehmen, nachdem ich ihm versichert habe, dass meine große Liebe noch nicht dabei gewesen sei. Über beide Wangen strahlend empfängt mich eine Blondine mit einem überaus niedlichen britischen Akzent. Sie erklärt, dass sie mit einem Austauschprogramm in Deutschland studiert. Ich erzähle ihr von meinem Musikstudium. Scheinbar dankbar über das neue Thema beginnt sie, mir von den Beatles vorzuschwärmen, ihren absoluten Favoriten. Mitten im Gespräch werden wir getrennt. Schade, über Musik könnte ich ewig weiterdiskutieren.
Bevor mein nächstes Date den Mund aufmacht, komme ich ihr zuvor und schlage ihr ein Spiel vor: Jeder sagt dem anderen, was zu ihm passt. Sie ist einverstanden. Ich schätze sie auf 22, behaupte sie habe einen Bruder und mag Katzen. Meine Wahrsagerqualitäten halten sich in Grenzen. Nur das Alter ist richtig. Mich schätzt sie auf 23 und hält mich für einen „lockeren Typ, der gerne Musik macht“. Verdammt, unentschieden. Ich weiß nicht wie es kommt, aber plötzlich sprechen wir über unsere Vorstellungen von einer besseren Welt. Es beginnt eine Diskussion über Politik. Für viele eines der No-Go-Themen bei einem ersten Treffen. Für mich aber ein dankbares Sujet. Abrupt beendet der Liebesengel das Speeddating. Wir bleiben sitzen, doch irgendwie ist die Luft raus. Unter dem Vorwand, nach ihrer Freundin sehen zu müssen, verabschiedet sie sich mit einer Umarmung. Nach drei Runden Schnellflirt muss ich meine Vorurteile überdenken. Es waren durchaus nette Damen dabei. Für mich ist aber klar, dass Speeddating zwar einen hohen Spaßfaktor, nicht aber eine hohe Erfolgsquote.
speeddating
14.03.2011 | 02.34 Uhr | leser25
Immer diese typischen Denkmuster: der polnische Akzent mit "zahlreichen gerollten „R“" wird störend empfunden und unser Autor verliert sogar "den…
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