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Klangprobe

Angestaubte Klänge mit neuem Glanz

Von Christian Leinweber, 19.05.10, 13:13h

Die Powerrocker „4Backwoods“ spielen auf ihrem neuen Album „Be different or die“ mit hymnischer Wucht. Gefühle sind im Kosmos der Band nie Selbstzweck, sondern transportieren punktgenau ihre Botschaften.

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Die Band 4Blackwoods (Bild: Privat)
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Die Band 4Blackwoods (Bild: Privat)
Köln - Manche Bands leuchten schon kurz nach ihrer Gründung ganz hell am Rockfirmament, verglühen aber auch genauso schnell wieder. Andere wiederum brauchen eine kleine Ewigkeit, bis sie zu strahlen beginnen. Doch das Vergnügen ist dann oft von Dauer.

Wir schreiben das Jahr 1994: Vier Jungs spielen aus Spaß an handgemachter Musik ihre Songs auf Partys, bringen Freunde zum Tanzen und nennen sich 4Backwoods. „Wir sind vier Jungs, und Backwoods kommt daher, weil wir tatsächlich aus dem Hinterwald kommen, nämlich aus Eitorf“, erklärt Sänger und Gitarrist Daniel Wagner (32). „Und Musik hören und machen war das Einzige, was wir damals dort tun konnten.“

Mittlerweile wohnt Wagner in Köln, aber das ist nicht alles, was sich in den vergangenen 16 Jahren bei ihm und seinen Bandkollegen - Gitarrist Stephan Breidenich (25), Bassist André Kolf (33) und Schlagzeuger Christoph Becker (35) - getan hat. 4Backwoods können auf Live-Auftritte mit Größen wiewie Motörhead, System of a Down, Beatsteaks und Therapy? zurückblicken. Auch heizte das Quartett in der Kölnarena den Eishockey-Fans mit ihrem „Kölner-Haie-Song“ ein.

Den Spaß an der Musik hat das Quartett in all den Jahren nicht verloren, nur professioneller sind die Jungs geworden. Der beste Beweis dafür ist die aktuelle und gerade mal zweite Platte der Band „Be different or die“ - ein echter Brocken aus donnernden Rockhymnen. 23 Songs hatte die Band zur Auswahl, dreizehn Tracks plus eine Live-Version ihrer Debüt-Single „The Dream I Live In“ haben es auf das Album geschafft.

Wenn amerikanische Bands wie Metallica, Filter und Thrice eine Platte zusammen machen würden, so könnte sie klingen: Kraftstrotzender Rock trifft hier auf ungebremste Wucht und emotionale Tiefe. „Was uns gut tut, ist der größere Altersunterschied zwischen den Bandmitgliedern“, erklärt Breidenich. „Dadurch kommen viele unterschiedliche Einflüsse zusammen.“ Trotzdem ist „Be Different Or Die“ keine überladene Angelegenheit geworden. Die Band scheint genau zu wissen, wie man mit wenigen Mitteln viel Atmosphäre schafft: hier ein messerscharfes Gitarrenriff, dort ein paar dezente Loops, dazu ein kraftvoller, aber keineswegs pathetischer Gesang und Melodien, die Sehnsucht und Hoffnung zugleich beschwören. Zwischen all der Härte gibt es auch Ruhepausen, darunter die von einer Streichersektion getragene Ballade „Butterfly“. Nein, oberflächliche Stimmungsmacher sind 4Backwoods nicht. Trotzdem setzen sich die 14 Songs des Albums tief im Gehörgang fest. Dazu passt auch die Coverversion von Cutting Crews Nummer-eins-Hit „(I Just) Died in Your Arms“ aus dem Jahre 1985, die erste Singleauskopplung des Albums.

„Das ist einer von drei Songs, die ich als Kind rauf und runter gehört habe“, so Wagner. „Als Neunjähriger hab ich mit der Gitarre angefangen und versucht, das Lied darauf nachzuspielen.“ Gerade bei diesem Song zeigt sich die Stärke der Band - mit Enthusiasmus und Spielfreude etwas angestaubten Klängen neuen Glanz zu verpassen.

Sechs Jahre sind seit ihrem Debütalbum vergangen, sechs Jahre, in denen viel passiert ist. „Das Album erzählt davon, wie wir in dieser Zeit gelebt haben“, sagt Songtexter Wagner. „What if I Were Dead“ thematisiert den Tod von Alex Parche, Freund und Managers der Band, der Titelsong gut gemeinte Ratschläge von Kollegen. Da heißt es: „All my enemies and friends, will they ever understand, I'm more than they can see? Many things I did were wrong, but all that counts when I am gone is what remains of me“ (Werden meine Feinde und Freunde jemals verstehen, dass ich mehr bin als das, was sie in mir sehen? Ich habe viele Fehler gemacht, aber alles, was zählt, wenn ich weg bin, ist das, was von mir zurückbleibt).

Wagner, der als gelernter Tontechniker die Platte auch produzierte, erzählt dazu: „Uns wurde in den letzten Jahren immer wieder gesagt: Ihr müsst anders klingen als andere Bands. Wir haben aber gemerkt, dass das nichts bringt. Du musst das machen, was du selber fühlst.“ Ob Wut oder Melancholie, Hass oder Lebensfreude: Gefühle sind im Kosmos von 4Backwoods nie Selbstzweck, sondern transportieren punktgenau die Botschaften der Band. Die Songs gehen unter die Haut, und das nicht etwa, weil die Produktion technisch nahezu perfekt ist, sondern weil die Mitglieder von 4Backwoods - beruflich bodenständig vom Klempner bis zum Feingewinde-Mechaniker - authentisch sind. „Ich würde lieber tot umfallen, bevor ich mich anders geben müsste als der, der ich bin“, sagt Wagner.

Behaupten kann das jeder, doch dem sympathischen Frontmann glaubt man das aufs Wort. Und bei Live-Auftritten der Band merkt man auch, dass Wagner nicht der typische Rockposer ist: Selbstironisch führt er durchs Programm und albert ausgelassen mit dem Publikum herum. Dann stellt er sichmit einem breiten Grinsen vor: „An der Sologitarre - ich!“

Mit Humor gängige Rock-Klischees demontieren, das kann der Mann. Wagner: „Wir wollen selber Spaß haben mit dem, was wir machen, und diesen Spaß auch auf unser Publikum übertragen.“ Ob sie auch einmal wie Motörhead als Headliner auf großen Festivalbühnen stehen werden, bleibt abzuwarten. Dass sie jedoch ihren Platz am Rockfirmament gefunden haben, beweisen 4Backwoods nicht zuletzt mit ihrem aktuellen Album.



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