Erstellt 20.05.10, 14:10h
THORSTEN WILMS: Es ist richtig, dass wir mittlerweile auch von den großen Musikzeitschriften wahrgenommen werden. „Rock Hard“ und „Metal-Hammer“ etwa haben uns anlässlich unseres neuen, vierten Albums „New Blood“ zum ersten Mal besprochen. Das liegt zum einen daran, dass unser neues Plattenlabel „SPV“ ein Traditionsunternehmen für diese Art von Musik ist - immerhin veröffentlichen hier auch Bands wie etwa Motörhead. Aber: Das liegt zum anderen sicherlich auch daran, dass wir vom Sound her abwechslungsreicher geworden sind. Und das wiederum ist der jahrelangen, kontinuierlichen Arbeit mit viel Herzblut geschuldet. Da werden jetzt vielleicht auch Leute auf uns aufmerksam, die uns noch nicht kannten.
Vor zwei Jahren wurde die Band zuletzt für diese Zeitung interviewt. Was passierte seitdem?WILMS: Wir haben bei vielen großen Festivals gespielt - etwa beim „Mera Luna“ oder dem „Summer Breeze“. Wir waren im Ausland - vor allem in England, Irland und den USA. Hinzu kamen eine Menge Konzerte gemeinsam mit Größen wie The Damned, The Cult oder natürlich Bela B. von den Ärzten, der ein richtiger Fan von uns geworden ist. Und bei diesen Konzerten waren eben immer sehr viele Zuschauer. Die Gagen stiegen. Und nach und nach lernten uns immer mehr Leute kennen. Auf unserer „My Space“-Internetseite etwa haben wir mittlerweile über 23 000 Kontakte. Das sind Leute, die von sich aus auf uns zugekommen sind. Insgesamt haben wir heute das Gefühl, musikalisch ernst genommen zu werden. Das ist toll.
Und das führt dazu, dass „The Other“ in diesem Jahr sogar beim legendären Wacken-Openair sowie im Vorprogramm von Alice Cooper auf der Bonner Museumsmeile spielen?
WILMS: Ja, diese großen Sachen kommen jetzt. Allein Wacken ist ja schon groß. Aber: Alice Cooper ist wirklich ein absolutes Idol von mir. Ich habe mit dreizehn Jahren angefangen, ihn zu hören, habe ihn 1989 zum ersten Mal live gesehen und war schon immer unheimlich von seinem Image und seiner Theatralik fasziniert. Wir hatten uns zwar schon in der Vergangenheit stark dafür gemacht, mit ihm auftreten zu dürfen, wenn er in Deutschland war. Aber erst jetzt, wo wir einigermaßen erfolgreich sind und den Labelvertrag mit „SPV“ unterschrieben haben, hat das gewirkt. Ich musste zwar von Pontius nach Pilatus rennen und zig Anfragen bei allen möglichen Leuten stellen. Zudem hatten wir Glück, dass Cooper nicht für eine ganze Tour nach Deutschland kommt, denn dann wäre das wohl nicht möglich gewesen. Aber: Als ich erstmals das Konzertplakat mit Alice Cooper und unserem Bandnamen darunter sah, war das alles egal. Das war schon der Hammer! (Überlegt) Obwohl...
Jetzt kommt das große „Aber“?WILMS:Genau: Wichtig ist es uns nämlich nach wie vor, auch hier in unserer Heimat Leichlingen und Leverkusen wahrgenommen zu werden.
Sind „The Other“ denn sprichwörtliche Propheten, die im eigenen Land nichts gelten?
WILMS: Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass wir nicht gelten. Aber letztendlich haben die Leute hier bislang wohl zu wenig Interesse, sich mit uns auseinander zusetzen. Es ist de facto immer noch so, dass wir in der Gegend weitaus unbekannter sind als anderswo in Deutschland oder Europa. Da ist noch viel Aufholbedarf. Jeder will doch, dass auch die Heimat weiß, was man so macht. Ich möchte es mal so sagen: Viele Leichlinger und Leverkusener schauen noch woanders hin und merken dabei gar nicht, dass das Gute direkt vor ihrer Nase liegt (lacht).
Wo würdet die Band denn gerne einmal auftreten?WILMS: Im Opladener KAW zum Beispiel. Das wurde ja jetzt ausgebaut und ist ein Laden, der absolut unterstützenswert ist und für den sich viele alte Freunde von uns engagieren. An einem anderen wichtigen Ort, dem Manforter Bunker, haben wir ja im Dezember schon beim Bunker-Jubiläumskonzert gespielt - aber eben zusammen mit mehreren anderen Bands und einem Line-Up, das nicht so ganz glücklich war. Dennoch: Dieser Laden mit Rainer Hilken und seinem Team begleitet mich, seitdem ich das erste Mal in einer Band spielte. Und genau das ist unser Anliegen: Wir wollen zeigen, dass uns die Infrastruktur in Leichlingen und Leverkusen viel bedeutet. Sie hat uns viel geholfen auf unserem bisherigen Weg. Und es wäre einfach schön, wenn alte Bekannte irgendwann merken: Mensch, die Jungs kenne ich doch. Die haben ja echt was erreicht - und wir haben dazu etwa beigetragen!
Hand aufs Herz: Können derart kleine Veranstalter „The Other“ überhaupt noch bezahlen?WILMS: Das ist normalerweise zwar immer Verhandlungssache. Aber es ist doch klar: Wenn ein kommerzieller Veranstalter mit einem großen Club anfragt, dann bekommt der natürlich den „Profi-Preis“ genannt. Wenn allerdings das KAW oder ein Jugendzentrum uns kontaktiert, dann gibt es logischerweise einen anderen Preis. Sowas heißt ja trotzdem nicht, dass wir noch für 300 Euro quer durch Deutschland fahren würden. Denn das ist schlichtweg nicht mehr machbar, weil wir viele Ausgaben haben: Wir müssen die Anreise bezahlen - und wenn wir beispielsweise nach Dublin fliegen, dann ist das ziemlich teuer. Wir haben eine teure Bühnendekoration, einen Bandbus, Lichttechniker, Roadies und einen Mitarbeiter, der Fanartikel verkauft. Und all das muss schon in einer gewissen Relation stehen.
Ihr lebt also nach wie vor nicht von der Musik?
WILMS: Nein, wir sind weit davon entfernt. Aber das ist nicht schlimm. Ich sage mal so: Wir wollen einerseits nicht unbedingt Geld verdienen, aber auch kein Geld verlieren. Wir haben letztlich ein Hobby, was auf plus / minus Null hinausläuft und das uns darüber hinaus das gibt, was wichtig ist: die Wertschätzung der Leute.
„The Other“ haben bisher viel erreicht. Welche großen Träume wollt ihr noch verwirklichen?WILMS: Wir müssten irgendwann einmal noch mit Kiss zusammen spielen - dann hätten sich schon alle Träume erfüllt. Ok, bis auf einen: einen Auftritt beim Leichlinger Stadtfest! Ich habe Bürgermeister Ernst Müller auch schon einmal deswegen kontaktiert, aber bis heute leider keine Rückmeldung erhalten.
Das Gespräch führte Frank Weiffen| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
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