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Herausforderung

Emily - die pure Lebensfreude

Von Heike Nickel, 21.05.10, 11:07h

Die achtjährige Emily hat das Down-Syndrom. Der rotblonde Wirbelwind ist der Mittelpunkt der Familie. „Wenn wir sie nicht hätten, wir müssten sie machen“, resümiert Vater Udo Kolbe.

Familie Kolbe
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Das Ehepaar Kolbe mit ihren Kindern Marc, Gina und Emily. Letztere hält zwar alle auf Trab, bringt aber gleichzeitig viel Freude in die Familie.(Bild: Nickel)
Familie Kolbe
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Das Ehepaar Kolbe mit ihren Kindern Marc, Gina und Emily. Letztere hält zwar alle auf Trab, bringt aber gleichzeitig viel Freude in die Familie.(Bild: Nickel)
Emily
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„Wenn wir sie nicht hätten, wir müssten sie machen!“ Emily beim Kuscheln mit der großen Schwester. (Bild: Nickel)
Emily
Euskirchen-Wißkirchen - Emily ist das pralle Leben. Ein rotblonder Wirbelwind, der alle um sie herum auf Trab hält und abwechselnd zum Lachen und zur Verzweiflung bringt. Emily kennt keine Angst. Für sie ist die Welt ein großer Spielplatz, und egal wie hoch die Mauer oder wie tief der Abgrund dahinter, Emily muss hinauf. Der Arzt, der vor einigen Jahren ihren vierfachen Herzfehler operierte, bescheinigte ihr „pure Lebensfreude“ - was ihre Eltern rundum bestätigen.

Natürlich hatten sich Manuela und Udo Kolbe ihr Leben irgendwann einmal anders vorgestellt. Selbstverständlich gab es in ihren Fantasien vom Familienleben nur gesunde Kinder. Als Emily dann im Jahr 2002 zur Welt kam, wurde alles auf den Kopf gestellt. „Heute weiß ich eins: Wenn wir sie nicht hätten, wir müssten sie machen“, resümiert Udo Kolbe und blickt dabei stolz auf die Achtjährige, die gerade dabei ist, mir ihre eigenen Regeln eines Brettspiels zu erklären.

Emily hat Trisomie 21, im Volksmund besser bekannt als Downsyndrom. Sie ist das dritte Kind von Manuela und Udo Kolbe, die bereits seit ihrer Schulzeit in Euskirchen ein Paar sind. Eine Fruchtwasseruntersuchung während der Schwangerschaft wollten die beiden nicht durchführen lassen. „Was kommt, wird gewickelt!“, lautete ihr Credo. „Und selbst wenn wir von ihrer Behinderung gewusst hätten - was hätten wir anders gemacht? Sicherlich nichts“, so der 42-jährige Familienvater.

Unbeantwortete Frage

Bei Emilys Geburt habe niemand etwas gesagt. Die Frage der Mutter, ob mit dem Kind alles in Ordnung sei, blieb unbeantwortet. Erst als der Kinderarzt am nächsten Tag fragte, ob denn die beiden anderen Kinder „auch so aussehen“ würden, war den Eltern klar, dass mit ihrer Jüngsten irgendetwas nicht stimmt. „Zunächst fällt man natürlich in ein tiefes Loch, aber irgendwann ist man fertig mit schlucken, und dann packt man die Sache an“, sagt Manuela Kolbe. Selbstmitleid, so die resolute Mutter, helfe niemanden.

Die 42-Jährige ist eine pragmatische Frau. Kürzlich wurde ein Hund angeschafft - für Außenstehende vielleicht nicht mehr als eine zusätzliche Belastung, in Wahrheit aber ein großes Stück Sicherheit. „Emily läuft leider gerne weg, und Diego, ein Hütehund, ist so trainiert, dass er auf sie aufpasst.“

Drei Monate nach Emilys Geburt erhielt das Paar die nächste Hiobsbotschaft: Bei Tochter Gina, damals zwei Jahre alt, wurde Leukämie diagnostiziert. Es folgte eine monatelange Zerreißprobe, geprägt von Ängsten, langen Krankenhausaufenthalten und familiärem Krisenmanagement, bei dem glücklicherweise auch Freunde und Familie halfen. Sohn Marc, damals fünf Jahre alt, wurde in dieser Zeit von der Großmutter versorgt. Gina, heute zehn Jahre alt, gilt mittlerweile als geheilt. „Aber diese Zeit hat uns nachhaltig verändert - unsere Werte haben sich verschoben und wir sind alles in allem viel gelassener geworden“, so das Resümee der Eltern.

Und Gelassenheit ist vonnöten, denn das Leben mit Emily gleicht einem Tanz auf dem Stromkabel. „Sobald sie die Augen aufschlägt, muss man auf sie aufpassen, und in der Regel tut sie das sehr, sehr früh“, schmunzelt Manuela Kolbe. Mit ihrer Unbefangenheit und Sorglosigkeit wickelt Emily bislang noch jeden um den Finger.

Egal, ob sie beim Friseur andere Kunden mit dem Wassersprüher einnebelt oder im Restaurant an anderen Tischen das Gespräch sucht - übel nimmt es ihr niemand. „Bisher trifft sie mit ihrem Wesen nur auf positive Resonanz, aber natürlich frage ich mich manchmal, wie es sein wird, wenn sie 15 Jahre und nicht mehr so klein und süß ist“, so die Mutter.

Manuela Kolbe, gelernte Industriekauffrau, musste ihre Stelle seinerzeit aufgeben. „Das ist mir schon schwer gefallen. Aber dann habe ich einfach etwas überlegt, was ich von zu Hause aus machen kann.“ Und so gründete Manuela Kolbe 2004 kurzerhand einen Weinhandel und importiert mittlerweile selber Wein, Öl und Balsamico aus Italien.

Eine Prognose, wie sich Emily und damit auch das Familienleben der Kolbes entwickeln wird, wagt niemand, aber das Ehepaar ist optimistisch. Erst mit fünf Jahren begann Emily zu sprechen, heute redet und gebärdet sie so, dass man sie durchaus verstehen kann. Dass sie seit neustem auch anfängt zu schreiben, hätte vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten. „Unser Ziel ist es, dass Emily so selbstständig wie möglich wird und eines Tages vielleicht sogar eine Arbeit findet“, so die Eltern.

Das Bezeichnung „behindert“ empfinden Manuela und Udo Kolbe übrigens nicht als Stigmatisierung. „Es heißt lediglich, dass jemand anders ist als die anderen, aber es wertet dieses Anderssein nicht.“



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