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Medikamentenpreise

Die profitablen Pharma-Tricks

Von Stefan Sauer, 21.05.10, 23:03h

Die Pharma-Industrie begründet Preissteigerungen bei Medikamenten mit den hohen Kosten des medizinischen Fortschritts und dem steigenden Bedarf an Pillen. Diese Argumente sind jedoch zumindest teilweise vorgeschoben.

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Steigende Medikamentenpreise sind immer wieder ein Ärgernis. (Bild: dpa)
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Steigende Medikamentenpreise sind immer wieder ein Ärgernis. (Bild: dpa)
BERLIN - Die Pharma-Industrie steht wegen ihrer Preispolitik für Medikamente in der Kritik. Jahr für Jahr steigen die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stark an, allein im Jahr 2009 um 5,9 Prozent. Die Hersteller begründen solche Zuwachsraten mit den hohen Kosten des medizinischen Fortschritts und dem steigenden Bedarf an Pillen, Pulvern und Ampullen in einer alternden Gesellschaft.

Doch diese Argumente sind zumindest teilweise vorgeschoben. In Wahrheit haben manche Preisentwicklungen nicht das Geringste mit aufwändigen Forschungen zum Wohle der Patienten zu tun. So führt oft bereits eine politische Absichtserklärung, im Pharmabereich sparen zu wollen, zu bemerkenswerten Preisschüben. Im Sommer 2009 hatte die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) einen gesetzlichen Zwangsrabatt für ein bis dahin unreglementiertes und hochprofitables Produktsegment ins Auge gefasst: „Parenterale“ Arzneien, die von Apothekern aus Wirkstoffen und Lösungsmitteln zur Verabreichung aufbereitet werden und etwa in der Krebstherapie zum Einsatz kommen, sollten im Arzneimittelgesetz mit einem sechsprozentigen Preisnachlass belegt werden. Die Reaktion der Pharmakonzerne ließ nicht auf sich warten. So hob Roche Pharma den Preis für 400 Milligramm ihres Anti-Tumor-Präparats Avastatin von 1549 Euro zunächst Mitte August 2009 auf 1589 und zum 1. September sogar auf 1677 Euro an. Binnen weniger Wochen hatte die Firma ihr Produkt um mehr als acht Prozent verteuert. Den sechsprozentigen Rabatt (der vor der Bundestagswahl dann gar nicht mehr verabschiedet wurde) hätte man also ohne jede Gewinneinbuße „verschmerzen“ können.

Kein Einzelfall

Avastatin ist kein Einzelfall. Für den Krebshemmer Herceptin, das Rheumatherapeutikum MabThera oder für Copaxone gegen Multiple Sklerose (MS) stiegen die Preise ebenfalls zwischen Anfang und Ende August um acht bis elf Prozent. Hieraus erklärt sich das forsche Tempo, mit dem Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sein Arzneimittelsparpaket vorantreibt. Bereits zum 1. August soll für alle patentgeschützten Medikamente ein 16-prozentiger Preisnachlass gelten - auf Basis der Preise vom 1. August 2009, also vor der Preiserhöhungswelle. Solche Preismoratorien sind nur maximal ein Jahr rückwirkend möglich. Mehr als 500 Millionen Euro möchte Rösler auf diese Weise einsparen.

Einhalt geboten hat der Gesundheitsminister einer weiteren Form der Ertragsmehrung, die auch im Lebensmittelbereich beliebt ist: Man ändert die Größe der Packung in der Hoffnung, eine Teuerung falle so nicht auf. Mit diesem Trick gelang es Bayer, den Preis des MS-Präparats Betaferon zwischen September 2007 und Anfang 2009 in drei Schritten von rund 76 auf gut 90 Euro und somit um mehr als 18 Prozent anzuheben. Übrigens: Der Preis für importiertes Betaferon aus europäischen Nachbarländern, wo das Mittel um bis zu 40 Prozent billiger ist, stieg in Deutschland mit nur wenigen Wochen Verzögerung ebenfalls schrittweise an. Denn die Preise für importierte Präparate werden nicht, wie oft angenommen, nach dem Preis im Ausfuhrland kalkuliert, sondern bewegen sich meist haarscharf unterhalb des deutschen Niveaus. Sie müssen lediglich 15 Prozent, höchstens aber 15 Euro unter dem Inlandspreis liegen. So sind für 90 Einheiten des Krebsmittels Glivec von Novartis in Deutschland 9962 Euro zu zahlen. Als Import ist das Präparat zum „Schnäppchenpreis“ zu haben: für 9937 Euro.



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