Von Ruth Lütz-Bedorf, 24.05.10, 17:24h
Doch das ist völlig unmöglich, da Jack seine Frau auf ebenso heimtückische wie gemeine Weise quält. Heimlich lässt er Gegenstände verschwinden, um Bella anschließend vorzuwerfen, sie versteckt und dies anschließend vergessen zu haben. Da gehen Rechnungen verloren, Bilder hängen nicht mehr an der Wand, eine Brosche ist verschwunden.
Zyniker
Bella hat Angst, ebenso wie ihre Mutter im Irrenhaus zu enden, und diese Angst bedient ihr Mann mit teuflischer Konsequenz: „Du gehörst in eine Anstalt!“
Eiskalt, mit schneidender Stimme, gibt Marc Lomp diesem gewissenlosen Zyniker ein unheimliches Gesicht, das Bellas ständig wachsende Angst auch für die Zuschauer spürbar macht.
Rahel Depker gelingt eine durch und durch überzeugende Darstellung der verängstigten jungen Frau, deren ohnehin ramponiertes Selbstbewusstsein mehr und mehr einer wachsenden Erschöpfung und quälenden Selbstzweifeln weicht. Wieder und wieder prallen ihre liebevollen Annäherungsversuche („Bleib bei mir, sei gut zu mir!“) an Jacks brutaler Zurückweisung ab. Zudem zieht dieser noch ganz andere Register, um den Psychoterror zu steigern. Immer wieder verlässt er das Haus, dann ängstigen Bella unheimliche Geräusche auf dem Dachboden und flackerndes Gaslicht. Ist er daheim, flirtet er ungeniert mit Nancy (frech und frivol gibt sie das Dienstmädchen: Marie Steinberg).
„Gaslicht“ (Patrick Hamilton) heißt das um 1900 spielende Stück, bekannt wurde es vor allem durch die oscarprämierte Verfilmung „Das Haus der Lady Alquist“ mit Ingrid Bergman. Dem Phoenix-Theater gelingt eine stimmige, geschlossene Aufführung, die die viktorianische Atmosphäre des Stückes ebenso spüren lässt wie den Psycho-Krieg im Hause Manningham und die Spannung der Detektivgeschichte.
Denn es gibt ja noch William Rough, Polizeiinspektor von Scotland Yard. Seinem kriminalistischen Spürsinn und seinem langen Atem ist es zu verdanken, dass am Ende alles aufgeklärt wird: Jack wird als der gesuchte Mörder enttarnt, hinter seinen Grausamkeiten steckte die Absicht, im Haus der Ermordeten endlich deren kostbare Diamanten zu finden.
Ein englischer Gentleman bis in die Haarspitzen, gibt Christoph Meyn sehr ausdrucksstark den Inspektor, der mit Eleganz und Adlerblick das Vertrauen und die Zuneigung der gepeinigten Bella gewinnt und ihr zu neuem Selbstvertrauen verhilft.
Das Premierenpublikum entließ das spielstarke Ensemble (das ergänzt wurde von Lydia Papenfuß als treuem Dienstmädchen Elisabeth) mit einem verdienten großen Beifall.
Weitere Aufführungen: Freitag, 28. Mai, Freitag, 4. Juni, Samstag, 5. Juni, Samstag, 12. Juni, jeweils 20 Uhr, Sonntag, 6. Juni, 18 Uhr, sowie nach den Sommerferien.
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