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Ausstellung

Leben im „(Rh)einwanderungsland“

Von Claudia Hoffmann, 31.05.10, 17:44h

Menschen mit Migrationshintergrund erzählen auf dem Kahlenbusch ihre Geschichte. In den Vitrinen sind zahlreiche Erinnerungsstücke beim Besuch der Ausstellung zu bestaunen, die am Sonntag eröffnet wurde.

Ausstellung Freilichtmuseum
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Nicht nur auf akustischer Ebene schaffte Museums-Kuratorin Dr. Sabine Thomas Ziegler Verbindungen zwischen Menschen, Ländern und Kulturen. (Bild: Hoffmann)
Ausstellung Freilichtmuseum
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Nicht nur auf akustischer Ebene schaffte Museums-Kuratorin Dr. Sabine Thomas Ziegler Verbindungen zwischen Menschen, Ländern und Kulturen. (Bild: Hoffmann)
Mechernich-Kommern - Seit den 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden Männer und Frauen aus den verschiedensten Ländern angeworben, um in Deutschland zu arbeiten. Was damals wie eine vorübergehende Beschäftigung von Menschen aus strukturschwachen Ländern aussah, entwickelte sich für viele Einwanderer zu einer neuen, langfristigen Lebensperspektive. Heute leben rund 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland - rund 18,6 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Auch und vor allem das Rheinland gilt als Schmelztiegel der Kulturen. Was aber hat die Menschen veranlasst, ihr Zuhause zu verlassen? Waren es wirtschaftliche Notlagen, Bedrohungen und Gewalt, religiöse oder ganz persönliche Gründe? Diese und andere Fragen stehen im Zentrum der neuen Ausstellung im LVR-Freilichtmuseum Kommern „Verbunden?! - Leben im (Rh)einwanderungsland“, die Museumsdirektor Dr. Josef Mangold am Sonntag eröffnete.

Der bewusst mehrdeutige Titel spielt mit den Begriffen „Verbundenheit - Verbindungen“ auf semantischer, akustischer und visueller Ebene. In der Mitte des Ausstellungs-Pavillons ist ein „Call-Shop“ nachgebaut. Eine Einrichtung, die ursprünglich die Funktion hatte, billiges Telefonieren in die Welt zu ermöglichen und die gerade von Menschen mit Migrationshintergrund rege frequentiert wurde, da sich so oft die einzige Möglichkeit bot, eine Verbindung mit der Heimat herzustellen. Unterteilt ist der „Call-Shop“ in zehn „Kojen“, in denen Menschen acht verschiedener Länder in kleinen Filmausschnitten ihre Lebensgeschichte erzählen.

Wie die seit 1969 in Köln lebende türkische Familie Oguz. Der gelernte Schreiner Abulkadir berichtet von seiner beschwerlichen Zugreise nach München, bei der er fast an jeder Station ausgestiegen ist, um sich wenigstens etwas Trinkwasser zu besorgen. Abulkadir war seinerzeit in der glücklichen Lage, so viel zu verdienen, dass er seine Frau schon nach wenigen Wochen nachholen konnte. Weil sie lange Zeit kein Kopftuch trug, hielt man die Apothekenhelferin Hatice in den ersten Jahren für eine Holländerin.

Nebenan begegnet man der Geschichte von Carlos Santana, der durch Fernsehschauen Deutsch lernte und am Rheinland vor allem die Verlässlichkeit schätzt. Oder Yuthana Koch, der vor 25 Jahren als Kind mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus Thailand kam. Er war anfangs von der Ruhe und Ordnung auf Kölner Straßen begeistert und zählte die Verkehrsampeln.

In kleinen Glasvitrinen sind Gegenstände ausgestellt, die für die Gesprächspartner jeweils die alte und die neue Heimat symbolisieren. Für Paolo Pinto aus Portugal sind es die seit vielen Jahren aufbewahrten Tassen und Teller, für Petra Machalicka tschechische Kinderfilme.

Verbunden ist die Ausstellung mit dem „Funkhaus Europa“ des WDR, der bei der Suche nach „Migrationszeugen“ und der Komposition des Filmmaterials behilflich war, und mit dem westfälischen LWL-Freilichtmuseum Detmold, das im Rahmen eines Kooperationsprojektes einige wertvolle Exponate beisteuerte.

Poetisch-temperamentvolle Musik von Manuel Torres und seiner chilenischen Band „Ortiga“ rundete die Ausstellungseröffnung ab. Als Überraschungsgast war auch Lale Akgün gekommen. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Sprecherin der Arbeitsgruppe „Migration und Integration“ las witzig-pointierte Erinnerungen an den Integrationsprozess ihrer Familie aus ihrem Buch „Tante Semra im Leberkäseland“ vor.



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