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Gesundheit

Der stille Killer

Von Marie-Anne Schlolaut, 08.06.10, 17:03h, aktualisiert 08.06.10, 17:12h

Es ist ein Volksleiden: 20 Millionen Deutsche haben Bluthochdruck. Ihnen drohen Herzinfarkte, Schlaganfälle und Organschäden. Doch viele Betroffene ahnen nichts von ihrer Krankheit. Eine Initiative will das nun ändern.

Blutdruck-Messaktion
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Start in die Blutdruck-Messaktion: die Professoren Hans-Georg Predel (l.), Rainer Riedel sowie Mitarbeiterin Xenia von Holtey. (Bild: Hennes)
Blutdruck-Messaktion
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Start in die Blutdruck-Messaktion: die Professoren Hans-Georg Predel (l.), Rainer Riedel sowie Mitarbeiterin Xenia von Holtey. (Bild: Hennes)
Köln - Mit dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft, wenn die Gemüter besonders erregt sind, beginnt in Köln die große Gesundheitsaktion in Kooperation mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Initiator ist die Deutsche Sporthochschule Köln mit Professor Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Vorstandsmitglied der Deutschen Hypertonie-Liga, und Professor Rainer Riedel, Direktor des Instituts für Medizin-Ökonomie an der Rheinischen Fachhochschule Köln. Beide haben sich zum Ziel gesetzt, dem „stillen Killer“ Bluthochdruck den Kampf anzusagen.

Gratis und quasi im Vorbeigehen kann sich jeder seinen Blutdruck messen lassen (siehe: „Hier wird gemessen“). Das alles steht unter dem Motto „Köln aktiv und gesund - Kennen Sie Ihren Blutdruck?“. Unterstützt wird diese auf mehrere Monate angelegte Mess-Aktion vom Hausärzteverband, dem Apotheker-Verband, der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Herzzentrum an der Uniklinik, den KVB und dem 1. FC Köln. Deshalb KVB, weil auch der Blutdruck bei Fahrgästen in der Straßenbahn gemessen wird. Das kann so manche unerwünschte Wartezeit in einem Tunnel sinnvoll verkürzen. Aufregen sollte man sich während dieses unfreiwilligen Straßenbahn-Stopps allerdings nicht - das erhöht den Druck. Gemessen wird auch vor und nach Fußballspielen am Müngersdorfer Stadion. Nein, nicht der Blutdruck der Spieler wird kontrolliert, sondern der Blutdruck der FC-Fans und der anderen. Das Ergebnis dürfte prickelnd sein. Kontrolliert werden ebenfalls Flugreisende, denn auch der Flughafen Köln / Bonn lässt Mess-Stationen einrichten. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ wird rechtzeitig auf alle Aktionen hinweisen.

Bundesweit leiden rund 20 Millionen Männer und Frauen unter Bluthochdruck. In Köln wird die Zahl auf 250 000 geschätzt - Tendenz steigend. Predel und Riedel schätzen, dass allein in Köln rund 70 000 bis 80 000 Menschen zu den bisher „unerkannten Bluthochdruck-Patienten“ gehören. Doch nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche sind mittlerweile Patienten. Der Grund: zu viel Gewicht und zu wenig Bewegung. Damit verbunden sind Risiken wie ein späterer Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zudem verursacht der starke Druck in den Adern irreparable Schäden an Nieren und Blutgefäßen. Das Fatale am Bluthochdruck ist: Er tut nicht weh. Dass Bluthochdruck ein Leiden vornehmlich der Alten ist, von dieser Vorstellung darf man sich getrost verabschieden. Bereits ab dem 40. Lebensjahr steigt die Zahl der Erkrankten, und in dieser Alterskategorie sind es hauptsächlich die Männer. Die Frauen holen auf mit dem Ende der Wechseljahre bedingt durch die hormonelle Umstellung im Körper. Hinzu kommt, dass sich ab 40 und 50 bei vielen auch das Gewicht erhöht und die Lust auf Bewegung merklich nachlässt. Wer zudem noch unter Stress im Beruf oder in der Familie leidet, wer zu viel Alkohol trinkt, der hat gute Chancen, ein Bluthochdruck-Patient zu werden. Bei 95 Prozent aller Betroffenen sind genau diese Faktoren mit ausschlaggebend. Nur ein Bruchteil hat erhöhten Blutdruck, weil Schilddrüse oder Nieren nicht einwandfrei funktionieren.

Hoher Blutdruck lässt sich nicht nur mit Medikamenten behandeln, sondern sehr erfolgreich mit einem neuen Lebensstil. Predel und Riedel empfehlen: drei Stunden Bewegung pro Woche, davon zwei Drittel Ausdauersport wie Schwimmen, Laufen, Walken, schnelles Spazierengehen, und ein Drittel Muskelaufbau und Koordination. Immer sollten Hochdruck-Patienten zuvor den Arzt konsultieren. Desweiteren ihr Rat: weitgehend auf Kochsalz verzichten. Vor allem in Fast Food und Fertiggerichten ist zu viel Salz. Und: Den Alkoholkonsum reduzieren. Nicht mehr als 30 Gramm Alkohol, das sind vier Kölsch oder 0,3 Liter Wein - möglichst nicht täglich. Wer zudem sein Gewicht um zehn Kilo reduziert, der senkt seinen Blutdruck um 10 bis 20 Punkte auf der Mess-Skala.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde eine Studie bei norditalienischen Nonnen gemacht und deren Werte mit denen der Turiner und Mailänder Frauen verglichen. Das Ergebnis: Die Nonnen waren topfit, kein Bluthochdruck, kein Übergewicht. Der Grund: gesundes Essen, Balance im Alltag, wenig Stress - und keine Männer.



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