Von Daniel Baumann, 04.06.10, 19:20h, aktualisiert 04.06.10, 23:48h
Der Fall ist nicht der Einzige. Auch Timothy Roy (Name geändert), ein angeblicher Grafikdesigner aus Manchester, macht ein unschlagbar gutes Mietangebot. Er stehe kurz vor der Rente und arbeite an seinem letzten Auftrag. Deshalb könne er - leider - nicht zur Wohnungsbesichtigung nach Berlin kommen. Gegen eine Kaution von 650 Euro schicke die Agentur Home Abroad aber einen Treuhänder mit dem Schlüssel nach Deutschland. Die Webseite der Agentur macht einen seriösen Eindruck. Doch die Firma existiert nicht. Auch der Reisepass, von dem Roy als Beweis seiner Seriosität eine Kopie schickt, ist gefälscht.
Großstadt-Wohnungsmärkte häufiges Ziel der BetrügerDie Masche hat System. Immobilienbetrüger nutzen im großen Stil Portale wie Immonet.de oder Immobilienscout24.de, wo sie attraktive Angebote veröffentlichen. Sobald sich Interessenten melden, teilen sie mit, dass sie derzeit im Ausland weilen. Gegen eine Kaution werde der Schlüssel aber zugeschickt. In Internetforen melden sich immer mehr Geschädigte, die auf die Masche hereingefallen sind und nie einen Schlüssel zugeschickt bekommen haben. Bei den Portalen ist man besorgt. „Diese Betrugsversuche sind seit einigen Monaten sehr, sehr häufig“, heißt es bei Immonet.de, einem der größten Immobilienvermittler in Deutschland.
Die Betrugsversuche konzentrierten sich auf Großstädte, wo die Wohnlage angespannt sei. Vor allem in München, Berlin, Frankfurt und Hamburg sei Vorsicht ein guter Ratgeber. Auch beim Konkurrenten Immobilienscout24 kämpft man gegen das Problem. „Die Betrüger handeln sehr professionell. Sie arbeiten mit vielen verschiedenen Adressen und Identitäten“, sagt eine Sprecherin. Deswegen sei es schwierig, ihnen Einhalt zu gebieten. Wie viele Betrugsfälle es genau gibt, können beide Immobilienportale nicht beziffern. Auch wer hinter den groß aufgezogenen Betrügereien steckt, ist den Anbietern unbekannt.
Vorsicht bei VorkasseDie Fälle kratzen an der Glaubwürdigkeit der Portale. Denn sobald Interessenten Kontakt aufnehmen mit den vermeintlichen Immobilienanbietern gelangen Telefonnummern, Emailadressen und Anschriften in die Hände der Betrüger. Die Spur des Geldes lässt sich nicht nachverfolgen, geprellte Kunden haben nahezu keine Chance, ihr Geld wiederzubekommen. Abgewickelt werden die Zahlungen oft über Anbieter wie Western Union oder MoneyBookers. Die Transfers sind schnell. Vor allem aber brauchen die unter falschem Namen und falschem Pass auftretenden Betrüger kein Konto, um die Zahlungen in Empfang zu nehmen.
„Unseriöse Angebote kann man daran erkennen, dass sie meist sehr günstig sind“, sagt eine Sprecherin von Immobilienscout. Die Bilder erinnerten oft an Hotel-Einrichtungen. Sobald Vorkasse verlangt werde, müssten die Alarmglocken schrillen.
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