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Edita Gruberova

„Man muss mit klarer Linie singen“

Erstellt 06.06.10, 21:19h, aktualisiert 06.06.10, 21:20h

Die Opernsängerin Edita Gruberova sprach mit Marianne Kierspel über die „Königin des Belcanto“ und ihren Auftritt in Köln. Bereits seit 1990 entdeckt sie Belcantopartien wie Bellinis „Norma“ und Donizettis „Lucrezia Borgia“.

Edita Gruberova
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Die Sopranistin Edita Gruberova. (Bild: Krasniqi)
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Die Sopranistin Edita Gruberova. (Bild: Krasniqi)
Frau Gruberova, mit Domenico Gaetano Donizettis Oper „Lucrezia Borgia“, deren Titelpartie Sie singen, stellt sich ein junger ukrainischer Dirigent in Köln vor, Andriy Yurkevych...

Edita Gruberova: Ja, ich habe schon einiges mit ihm gemacht. Er hat die richtige Antenne für Sänger.

Eine gute Wahl also, für Donizetti wie auch für Sie als „Königin des Belcanto“. Wie würden Sie diese Kunst beschreiben?

Gruberova: „Belcanto“ meint zunächst eine Epoche, von Mozart bis zum frühen Verdi. Und es meint eine Schule des Singens und der sängerischen Variationskunst, die fast vergessen war. Maria Callas hat sie wieder entdeckt. Wie bei Mozart muss man sehr rein, mit klarer Linie singen, aber bei aller „Einfachheit“ unglaubliche Emotionen ausdrücken, Liebe und Tod, Treue und Verrat...

Seit wann stehen für Sie Opern des Belcanto im Zentrum?

Gruberova: Seit 1990. Ich bin nicht schnell in die Zielgerade gerast, habe mir Zeit gelassen, weil ich herausfinden musste, was ich will. Nach Königin der Nacht und Strauss' Zerbinetta, die ich in der ganzen Welt gesungen habe, kam die Frage, wie es weitergeht. Verdi sollte es nicht sein, da stieß ich mit Gilda und Traviata an Grenzen.

Apropos Mozart: Stimmt es, dass Sie, die weltweit gefeierte Königin der Nacht, ausgerechnet mit der Rache-Arie Pech hatten?

Gruberova (lacht): Ja, das war 1969 beim ARD-Wettbewerb. Da saß wohl das hohe F nicht genau dort, wo es sitzen sollte.

Heute sehen viele Sie als ideale Lucrezia. Wieso haben Sie diese Rolle der Mutter, Liebenden und Giftmörderin erst 2008 entdeckt?

Gruberova: Auch bei „Norma“ wurde ich gefragt: Warum so spät? Ich finde aber, diese Rollen kommen in meiner Laufbahn gerade recht. Man muss die größten Partien zuletzt singen. Für Lucrezia braucht man Lebenserfahrung. Da muss das Leben mitspielen.

Sie ist aber schon eine extrem monströse Gestalt...

Gruberova: Sie ist eine liebende Mutter, die will, dass ihr Sohn glücklich ist. Im Prolog hat sie ein wunderbares Duett mit dem Tenor, der nicht weiß, dass sie seine Mutter ist. Auch ihr Mann weiß es nicht, er befiehlt ihr, das Gift einzuschenken. Als sich aber der Sohn gegen die Mutter wendet, da verrät sie ihm: Du bist ein Borgia! Das alles müssen wir jetzt konzertant, allein durch die Musik, ausdrücken.

Sind Belcanto-Opern wirklich so schwierig zu inszenieren?

Gruberova: Offenbar ja. Der von mir hoch geschätzte Regisseur Jean-Pierre Ponnelle hat das damals abgelehnt. Also habe ich anfangs Belcanto nur konzertant gesungen. Und siehe da, die Säle waren voll!

In München inszeniert jetzt Christof Loy wunderbar: modern, aber nicht gegen die Musik, sondern wahr, echt. Er zeigt Lucrezia als Powerfrau, die sie ist, als eine Marlene Dietrich. Diese Inszenierung würde ich am liebsten überall hin mitnehmen.

Kommen denn Sängerkollegen aus München mit nach Köln?

Gruberova: Ja, Franco Vassallo als Herzog und Lucrezias Ehemann. Wir haben eine sehr starke Szene zusammen.



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