Von Ana Ostric, 07.06.10, 17:40h, aktualisiert 08.08.10, 17:58h
Vor einem Jahr durfte die Faustballerin des Leichlinger TV zum ersten Mal das Trikot der Nationalmannschaft anziehen. Bei der Europameisterschaft in Schönberg bei Kiel gewann Julia mit dem deutschen U 18-Team die Silbermedaille. „Die Nominierung kam für mich überraschend“, erinnert sich die Schülerin. „Julia, wir stehen im Internet“, habe ihr eine ebenfalls Faustball spielende Freundin damals aufgeregt berichtet. Auf der Homepage der Faustball-Liga konnte Julia nachlesen, dass der Bundestrainer sie mit zur EM nimmt: „Ich bin den ganzen Tag mit einem Grinsen im Gesicht herumgelaufen.“ Eine Woche später folgte die schriftliche Bestätigung und dann das erfolgreiche Turnier.
Auf ein EM-Jahr folgt im Faustball ein WM-Jahr. Und für die junge Sportlerin aus Leichlingen und ihre faustballbegeisterte Familie geht es im Juli nach Spanien. Genauer gesagt nach Lloret de Mar in Katalonien, wo die besten Jugendteams um den Weltmeistertitel spielen. Für Julia Weber, die seit ihrem fünften Lebensjahr trainiert, ein weiterer Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Zumal die Konkurrenz groß war: 23 Spielerinnen waren an Fronleichnam zum viertägigen Lehrgang im niedersächsischen Schneverdingen angereist, nur zehn Plätze gibt es im Nationalteam. Mächtig aufgeregt sei sie, verriet Julia vor der Abreise, „aber ich bin konditionell gut drauf und die WM-Teilnahme wäre die Krone.“ Auf die Sichtung habe sie sich einen Monat intensiv vorbereitet. „Trainieren, laufen und jeden Abend Krafttraining“ haben sich ausgezahlt - und die Freude im Hause Weber ist groß. „Wir sind überglücklich“, sagt Mutter Susanne, die ebenso wie Vater Andreas und Bruder Tim (15) beim Leichlinger TV Faustball spielt.
Für die Familie, die in der ruhigen Ortschaft Balken lebt, kann die Urlaubsplanung beginnen. Mitte Juli werden die Webers in Katalonien weilen, Flüge nach Barcelona müssen nun gebucht werden - schließlich wollen Eltern und Bruder die Nationalspielerin bei ihrer WM-Premiere anfeuern. Treffen wird Julia unter Spaniens Sonne auch ihren Freund - auch er ist Faustballer, auch er spielt in der deutschen Junioren-Mannschaft.
Dass Julia eine der besten Nachwuchsspielerinnen des Landes wird, konnte Andreas Weber nicht ahnen. Im Gegenteil: Der Vater, 1984 Deutscher Meister mit der U 18 und danach Nationalspieler, inzwischen Trainer und Jugendkoordinator, mochte anfangs nicht an das Talent der Tochter glauben. Doch Julia wollte vom Ballsport in der Halle und auf dem Feld nicht lassen. Als sie zwölf Jahre alt war, spezialisierte sie sich auf das Angriffsspiel und wurde Schlagfrau, trainiert von Vater und Onkel. „Julia ist sehr ehrgeizig, dadurch konnte sie ihr fehlendes Talent kompensieren“, erklärt Andreas Weber. Sich zu verbessern war und ist Julias Antrieb. Bewegungsabläufe trainiert sie akribisch, analysiert Videoaufnahmen und wird ungeduldig, „wenn etwas nicht sofort klappt“, so die 18-Jährige, die das Wirtschaftsgymnasium am Berufskolleg Opladen besucht. Gut organisiert schaffe sie es, Training und Schule zu bewältigen, erklärt Julia: „Fürs Lernen mache ich mir einen Plan.“ Mit Mutter Susanne spielt sie in der Verbandsligamannschaft des Leichlinger TV. Früher sei sie auf dem Feld sehr zickig gewesen, inzwischen sei sie ausgeglichener. Der Ehrgeiz aber ist geblieben. Zickenkrieg und mangelnder Wille sind ihr ein Greuel. Laute Gitarrenmusik bringe sie vor einem Spiel in die richtige Stimmung. Mit „Highway to hell“ von AC / DC im Gepäck wird sich Julia auf den Weg zur WM machen - und dort hoffentlich Himmlisches erleben.
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