Von Michael Greuel, 09.06.10, 17:54h, aktualisiert 09.06.10, 18:00h
Hermann Müller, Organist und Chorleiter, entschloss sich 1960, in die von ihm geleitete Knabenschola auch Sängerinnen aufzunehmen. Sein Ziel bestand darin, das musikalische Repertoire zu erweitern und somit die Qualität der vorgetragenen Stücke zu erhöhen.
Schnell kristallisierte sich heraus, dass dieser Schritt richtig gewesen war. Bereits 1962 erlebten die über 30 Kinder und Jugendlichen in der Aula des städtischen Gymnasiums Schleiden einen Auftritt in ganz großem Stil: Beim einem „offenen Singen“ begeisterten sie nicht nur die knapp 200 Zuhörer in der Halle, sondern auch zahlreiche Menschen an den Radios. Der Westdeutsche Rundfunk hatte das Konzert 45 Minuten lang direkt übertragen.
Die hochwertige Arbeit Müllers und „seines“ Chors sprach sich zunehmend über die Kreisgrenzen hinweg herum, so dass die nächsten wichtigen Veranstaltungen nicht allzu lange auf sich warten ließen. Im Juni des Jahres 1965 fuhren die Chorkinder für einige Tage nach Essen, um am internationalen Treffen der „Pueri Cantores“ teilzunehmen, einer weltweiten Vereinigung katholischer Knaben-, Mädchen-, Kinder- und Jugendchöre. Die Eifeler traten zusammen mit den Regensburger Domspatzen in der Grugahalle auf und sangen zudem am Kennedyplatz.
Audienzen bei zwei PäpstenSowohl die Zusammenarbeit mit dem WDR als auch die Treffen der „Pueri Cantores“ wurden im Laufe der Jahre zu festen Einrichtungen. 1966 beispielsweise zeichnete man gleich zweimal für den Hörfunk auf, 1978 war man sogar in der Sendung „Von der Eifel bis zum Weserbergland“ im Fernsehen zu sehen. Der Chor fuhr mehrmals nach Rom und sang dort unter anderem im Deutschen Gymnasium und in der Kirche Maria Maggiore. Zudem nahm man an Audienzen der Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. teil.
1977 übernahm die „Kleine Cantorei“ zusätzlich die Aufgaben des Kirchenchors St. Hieronymus, da dieser aufgrund schleichenden Mitgliederschwunds in der Auflösung begriffen war. Die restlichen Mitglieder des Chors wurden bei dieser „Fusion“ in die „Cantorei“ integriert. Aus dem einstigen Kinderchor war ein Ensemble für Erwachsene geworden.
Wegen einer Erkrankung hatte sich Gründer Hermann Müller als Chorleiter zurückgezogen. Heinz Ströder trat 1977 in dessen Fußstapfen und füllte sie sechs Jahre lang aus. Seitdem ist Friedbert Ströder für die musikalische Entwicklung der „Kleinen Cantorei“ zuständig. Er konnte die neuere Geschichte des Chors erfolgreich gestalten.
Insbesondere die jährlichen Weihnachtskonzerte in Dahlem und Auftritte beim Eifeler Musikfest sorgten für einiges Aufsehen. Die „Cantorei“ gewann 2004 den Kulturpreis des Kreises Euskirchen, der Chor erhielt zudem die renommierte Palestrina-Medaille des Allgemeinen Cäcilien-Verbands Deutschland.
Am Samstag, 12. Juni, wird das 50-jährige Bestehen der „Kleinen Cantorei“ offiziell gefeiert. Gemeinsam mit einer Instrumentalgruppe gestaltet der Chor ab 18 Uhr eine Festmesse in der Pfarrkirche Dahlem, bevor die Feierlichkeiten danach mit 200 geladenen Gästen im Vereinshaus fortgesetzt werden.
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