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Physik

Nur eine Frage der richtigen Formel

Von Ingrid Bäumer, 11.06.10, 09:23h

Professor Metin Tolan hat in seinem neuen Buch versucht den Fußball wissenschaftlich zu erklären. Der Physiker erklärt auch, warum beim Frauenfußball zwei Spielerinnen zu wenig auf dem platz stehen.

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Metin Tolan in Aktion BILD: BÄU
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Metin Tolan in Aktion BILD: BÄU
Siegburg - Das ist mal ein Wissenschaftler fürs Volk - mit einem Händchen für populäre Themen. Zur WM erklärt Physikprofessor Metin Tolan im Stadtmuseum, wie Fußball funktioniert: als Wechselspiel zwischen Kraft, Masse und Energie. Klingt trocken - Ist es streckenweise auch. Denn erst nimmt der gelehrte Herr die Gefühle aus dem Spiel, ersetzt sie durch Formeln. Aber dann lässt Tolan die Emotionen durch die Hintertür wieder rein: durch Einführung des Faktors Zufall in das physikalische „Feld-Experiment“ Fußball.

Tolan, Jahrgang 1965, hat vor zwei Jahren einen Volltreffer gelandet: In seinem Buch-Erstling „Geschüttelt, nicht gerührt“ erklärt er, ob die spektakulären Actionszenen in 007-Filmen, physikalisch gesehen, überhaupt funktionieren können.

Das Licht der (fröhlichen) Wissenschaft ruht allerdings nicht auf dem Professor an diesem schwülen Abend; die Vorhänge sind zugezogen und der „Herr der Zahlen“ verschwindet fast im Dunkel. Dabei ist er bekannt für seine sympathisch-wilde, angegraute Fransenmähne (Typ verrückter Professor). Bei näherem Hinsehen stellt sich heraus: leider war er beim Friseur. Der „Popstar der Physik“ sieht nur noch nach bravem Professor aus.

Hell angestrahlt dagegen die Stirnwand des Saals. Aller Augen richten sich auf die Formeln und Kurvendiskussionen. Tolans Ansatz: weltbewegende Fragen mit Formeln zweifelsfrei beantworten - zum Beispiel: Gibt es wirklich Flatterbälle? Gerade vor EMs und WMs, wenn neue „Hightech-Bälle“ eingeführt werden, wollen einige Torwarte uns das glauben machen. Alles Märchen, sagt Tolan. Weil ein Fußball keine perfekte Kugel ist. Dann wird's etwas komplizierter ... nur so viel: Bei der Begründung spielen Ballgeschwindigkeit, Luftwiderstand und die so genannte „Magnus-Kraft“ eine wichtige Rolle.

Zum Glück würzt Fußball-Fan Tolan die graue Theorie stets mit unnachahmlichen Zitaten aus der Welt des Ballsports. O-Ton Berti Vogts: „Wenn jeder Spieler zehn Prozent von seinem Ego an das Team abgibt, haben wir einen Spieler mehr auf dem Feld“. So wollte der Bundestrainer seinerzeit erklären, warum die Mannschaft der Star ist.

Tolan greift den Gedanken auf und wandelt ihn ab. Unter anderem, um zu erklären, warum Frauenfußball „zurzeit“ eher langweilig ist. Ist das ein Macho, der seine überkommene Weltsicht als Naturgesetz verkauft? Nein, das kann man ihm nicht vorwerfen - auch wenn er sich nicht zu schade ist, den Uralt-Spruch von Johannes Rau über „Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion“ zu bemühen. Peinlicherweise lachte darüber die weibliche Hälfte des Publikums (sie kannte den Spruch wohl noch nicht). Überhaupt waren erstaunlich viele Frauen bereit, sich an diesem Abend die Physik-Kante zu geben. Tolan hatte denn auch eine versöhnliche Botschaft: Man braucht zwei mehr Feldspielerinnen pro Team - schon ist Frauenfußball wieder attraktiv. Die Männer dagegen müssten mittelfristig je einen Spieler abgeben, damit das Spiel langsamer wird, Spielzüge überhaupt erkennbar werden.

Unsinn? Tolan führt den Beweis in seinem neuen Buch „So werden wir Weltmeister - die Physik des Fußballspiels“. Sie müssen's nur nachrechnen. Auch im Buch: Sein (nicht ganz ernst gemeinter) Beweis, dass „unsere Jungs“ diesmal Weltmeister werden. Das wiederum glaubt man ihm gerne - auch ungeprüft!



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