Erstellt 21.06.10, 21:10h
BERND VON JUTRCZENKA: Das glaube ich nicht - der Bildausschnitt wurde so gewählt, dass das Messer verschwand und der dafür Verantwortliche hat vermutlich nicht die Brisanz seines Tuns erkannt. Ein handwerklicher Fehler. Dieser Fall zeigt aber, dass man keine Chance hat, Fotos zu manipulieren - die Wahrheit kommt immer ans Licht.
Was ist bei der Bearbeitung von Fotos erlaubt, was nicht?
VON JUTRCZENKA: Die Helligkeit und der Kontrast dürfen nachträglich verändert werden. Jegliche inhaltlichen Veränderungen sind aber bei journalistischen Fotos tabu. Man darf keine Personen zusammenrücken, die auseinander stehen, man darf nichts ins Bild reinretouchieren und man darf nichts entfernen. Es gab vor einiger Zeit ein Foto von Angela Merkel mit einem Schweißfleck unter der Achsel. Eine Illustrierte hat den beseitigt. Das ist nicht in Ordnung und peinlich für jede Redaktion, wenn es rauskommt. Bei künstlerischen Fotos oder in der Werbefotografie ist allerdings viel mehr erlaubt.
Gibt es Druck von Seiten der Fotografierten, für sie nicht vorteilhafte Bilder nicht zu veröffentlichen?
VON JUTRCZENKA: Das kommt vor. Meist sind es aber weniger die Abgebildeten selbst, sondern ihre Pressesprecher, die darauf drängen, dass ein bestimmtes Bild aus dem Archiv genommen werden soll. In solchen Fällen weisen wir daraufhin, dass es für die Betroffenen viel peinlicher wäre, wenn wir uns darauf einließen und das Ganze rauskommt.
Teilweise lassen Unternehmen Fotografen nicht mehr zu ihren Veranstaltungen, sondern liefern selber das Bildmaterial, um sich im besten Lichte zu präsentieren. Nehmen solche Fälle zu?
VON JUTRCZENKA: Es gibt eine gewisse Tendenz in diese Richtung. Man will darüber bestimmen, wie man in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Die Vorstellung, dieses durch den Ausschluss von Fotografen zu erreichen ist aber naiv. Letztlich schadet man sich nur, denn über solche Fälle wird berichtet. Ein Beispiel: Siemens ließ die Nachrichtenagenturen kein Foto zum Amtsantritt ihres damals neuen Chefs Klaus Kleinfeld machen. Stattdessen verbreiteten sie ein Foto, auf dem er lässig an einem Geländer lehnt. Am Handgelenk trug er eine Rolex-Uhr. Zur Hauptversammlung 2005 verbreitete Siemens dasselbe Foto, dieses Mal allerdings ohne die Armbanduhr. Sie wurde schlicht wegretouchiert. Einem Zeitungsredakteur fiel dieses auf. Wir haben das Foto sofort zurückgezogen. Die Geschichte war für Siemens recht peinlich, zumal sie anfangs sogar behaupteten, das Bild ohne Uhr wäre ein neues Foto.
Fotografen manipulieren Fotos zunehmend, um ihre Aufnahme zu perfektionieren und die Chancen für den Abdruck zu erhöhen. Wie können Sie ausschließen, solche Fotos zu verbreiten, schließlich werden die Bildbearbeitungsprogramme immer besser?
VON JUTRCZENKA: Alle dpa-Fotografen kennen unsere Grundsätze und wissen, dass sie mit personellen Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie manipulieren. Wenn wir eine Zusammenarbeit mit neuen Fotografen beginnen, dann lassen wir uns im Zweifelsfall die Rohdaten zu den Aufnahmen geben, anhand derer man sehen kann, was wie nachträglich bearbeitet wurde. Sie haben allerdings Recht, dass die technischen Möglichkeiten immer größer werden. Ein Restrisiko bleibt.
Das Gespräch führte Joachim Göres| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
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