Von Helmut Frangenberg, 22.06.10, 16:47h, aktualisiert 22.06.10, 16:49h
Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat sich vom Freien Bildungswerk Rheinland nach einiger Zeit als Ergänzungskraft in einer Kita zur Tagesmutter ausbilden lassen. „Ich habe gesehen, wie die Kleinen in den Kita-Gruppen untergehen. Es gibt einfach viel zu wenig Personal, um allen Kindern gerecht werden zu können.“ Sie könne den Frust vieler Erzieherinnen verstehen.
Stadt löst ihr Personalproblem
Sein Kind zu einer Tagesmutter oder einem der nur neun zugelassenen Tagesväter zu geben, ist in der Regel deutlich teurer als ein Platz in einer Kindertagesstätte. Gieren bekommt 500 Euro pro Kind. Das ist für die Eltern viel, aber für eine Tagesmutter mit drei Kindern auch kein Gehalt, das man als angemessen bezeichnen könnte. Die Stadt übernimmt anteilig die Versicherungskosten der Betreuerin, zahlt für Qualifizierung und die Koordination des Angebots. Das Problem, dass aufgrund der knappen Mittel und des fehlenden Haushalts kein Personal mehr für die Zulassung und Überprüfung der Tagesmütter eingestellt werden konnte, ist mittlerweile gelöst. Die Stadt hat zwei neue Stellen einrichten können. Der Ausbau des Angebots kann erst einmal weiter gehen.
Für das viel größere Problem ist bislang keine Lösung in Sicht: Die Stadtspitze hat die gesamte U-3-Betreuung auf ihre Sparliste gesetzt. Statt der angestrebten Versorgungsquote von 40 Prozent bis 2013 sollen nur noch 35 Prozent erreicht werden.
80 Prozent der Plätze sollen in Kindertagesstätten eingerichtet werden, 20 Prozent in der Tagespflege - so steht es zumindest auf dem Papier. Da Plätze in der Tagespflege mit viel weniger Geld vom Land bezuschusst werden als das Angebot in Kitas, ist zu erwarten, dass die Tagespflege den größeren Sparbeitrag leisten werden muss. Eine Entscheidung, die für eine Gesamtentwicklung steht: Die geforderten Qualitätsverbesserungen - zum Beispiel durch einen besseren Personalschlüssel - rücken in weite Ferne.
Auf einer Fachtagung der Leitbildgruppe „Moderne Stadtgesellschaft“, deren Ergebnisse nun vorgelegt worden sind, sind unter breiter Beteiligung von Experten, Eltern, Erzieherinnen und der Politik noch einmal zentrale Forderungen für den Ausbau des U-3-Angebots formuliert worden: Quantität dürfe nicht auf Kosten der Qualität gehen, kleine Gruppen und eine gute Erzieher-Kind-Relation - am besten im Verhältnis von 1 zu 3 - sei „unabdingbar“. Für den Bereich der Tagespflege fordert die Leitbildgruppe die finanzielle und politische Gleichstellung - „als echte Alternative, die nicht nur Notlösung für diejenigen ist, die keinen Kita-Platz bekommen haben“, wie Gieren sagt. Die Fachleute sind sich einig darin, dass sich die Qualität von Kinderbetreuung am Wohl und den Bedürfnissen des Kindes orientieren muss - und nicht an Wünschen von Erwachsenen oder der Wirtschaft. Solch klare Vorgaben drohen nun im Sparprogramm der Stadt völlig unterzugehen.
Nicht nur bessere, sondern auch mehr U3-Plätze sind nötig
23.06.2010 | 10.38 Uhr | suedstaedterin
Als Mutter kann ich der Forderung nach einem qualitativen Ausbau nur zustimmen. Was dabei aber nicht beachtet wird: All die Kinder, die keinen…
Die Tagesmütter dienten als Notstopfen ...
23.06.2010 | 09.45 Uhr | Quatschkopf68
... in der Zeit in der sich die kommunale U3-Kinderbetreuung im Aufbau befand. Nun, nachdem viele Tagesmütter Geld in die Ausbildung (2 Jahre…
U3 Betreuung
22.06.2010 | 19.58 Uhr | larosio
Es ist nicht besonders neu, dass die Stadt Köln mehr in Tagesmütterausbildung investieren will anstatt ein vernünftiges KITA Angebot zu schaffen. Ich…
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