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Kölner Blicke

Murat ist auf den falschen Weg geraten

Von Anja Elsen, 23.06.10, 15:34h

Murat ist ein Außenseiter, wird gehänselt und beklaut. Dann schlägt er zurück – und gerät auf die schiefe Bahn. Drogen, Gewalt, Probleme. Diese fiktive aber glaubwürdige Geschichte erzählt ein von Jugendlichen gedrehter Kurzfilm.

Straßenkinda
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Die engagierten Macher vom Straßenkinda-Movement zeigten im Filmhaus eine Dokumentation zu ihrer Bewegung. (Bild: Elsen)
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Die engagierten Macher vom Straßenkinda-Movement zeigten im Filmhaus eine Dokumentation zu ihrer Bewegung. (Bild: Elsen)
Innenstadt - Man sieht Murat gleich an, dass er ein Streber ist. Dicke Brille, kariertes Hemd, Bügelfalte in der Hose, gekämmte Haare. In der Schule wird er gehänselt, verprügelt und beklaut. Im ganzen Viertel ausgelacht. Nur sein Freund Hakki hält zu ihm. Eines Tages hat er die Faxen dicke. Er beginnt zu trainieren, zieht sich anders an und schlägt zurück. Der neue „coole“ Murat wird schließlich von einem Drogendealer angeworben. Plötzlich hat er Geld, fährt ein dickes Auto und alle haben Angst vor ihm. Nur sein Kumpel Hakki will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Ist es wirklich das, was Murat will?

Der Kurzfilm „Der falsche Weg“ mit den beiden durchaus talentierten Hauptdarstellern Murrat Dönmez und Hakki Öksüz wurde von Jugendlichen in Zusammenarbeit mit dem Verein „Zurück in die Zukunft“ gedreht. Der Film zeigt in 20 Minuten eine fiktive aber dennoch wirklichkeitsnahe Lebensgeschichte eines jungen Menschen, der aus der Bahn gerät. Es ist einer von sechs Filmen, die verschiedene Jugendgruppen im Rahmen des filmpädagogischen Projektes „Kölner Blicke - Perspektiven" gedreht haben und die jetzt im Filmhaus an der Maybachstraße zu sehen waren.

Professionell unterstützt von den beiden Filmemacherinnen Lisa Glahn und Mirjam Leuze und in Zusammenarbeit mit dem Verein für Beschäftigungsförderung „Jack in the Box“ haben sie dabei von der Idee zur Geschichte über das Drehen des Films bis zum anschließenden Schnitt so viel wie möglich selbst gemacht. Die Filme erzählen die Geschichten aus dem Blickwinkel der Jugendlichen. Es sind keine Filme über sie, sondern von ihnen.

Die Idee hinter der Initiative, die jetzt im zweiten Jahr lief, ist es, jungen Menschen ein Sprachrohr zu geben und sie von ihren Lebenswünschen, Ängsten und Sehnsüchten erzählen zu lassen. „Kölner Blicke - Perspektiven“ ist ein zunächst auf zwei Jahre angelegtes „Participatory Video-Projekt“ - also eine filmisch-pädagogisch ausgerichtete Gruppenarbeit für sozial benachteiligte Jugendliche aus Köln, die sich im Übergang zwischen Schule, Ausbildung und Beruf befinden.

Konzipiert ist das Projekt für Kerngruppen von sechs bis acht Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren. Lisa Glahn hatte im August vergangenen Jahres zunächst damit begonnen, Vereine und Einrichtungen, die mit Jugendlichen arbeiten, anzurufen und das gemeinsame Projekt anzubieten. Mit acht Gruppen begannen sie und Leuze dann zu arbeiten, zwei davon haben die Aktion abgebrochen. Die sechs verbleibenden Gruppen haben es geschafft, innerhalb von rund drei Monaten unterhaltende und doch authentische Filme auf die Beine zu stellen.

Besonders die Dokumentarfilme wie „Siehst Du was los ist“ bieten einen ergreifenden Einblick in das Leben der jungen Menschen. „Siehst Du was los ist“ handelt von Kölner Künstlern, die sich unter dem Namen „Strassenkinda Movement“ (Bewegung) zusammengeschlossen haben, um Kinder über die Musik von der Straße zu holen. Zum Netzwerk des Movement zählen Musiker wie die Kölner Hip-Hopper Aurelia, Dr. Knarf und Juju, Musikproduzenten, Fotografen und die Kölner Musiklabels Strassenkinda Productions und HKC (Hamburg Köln Connection).

Sie engagieren sich im sozialen Bereich mit besonderem Fokus auf Brennpunkten und wollen Missstände über Podiumsdiskussionen zu Themen wie Bildung, Jugendkriminalität, Perspektivlosigkeit öffentlich machen. Sie organisieren und unterstützen aber auch Benefizveranstaltungen und gehen mit Workshops in Schulen oder auf Straßenfeste, um mit den Kindern zu singen, zu tanzen oder Sport zu treiben.

Bei der Filmpremiere standen die Darsteller und Filmer im vollbesetzten Filmhaus der Moderatorin Sabine Müller denn auch Rede und Antwort. Zurecht durften sie stolz auf ihre Werke sein und so berichteten alle einhellig, dass sie nicht nur viel Spaß hatten, sondern auch etwas gelernt haben. Wer das ambitionierte Video-Projekt unterstützen will, kann die Filme der Jugendlichen kaufen. Noch besser wäre es aber, wenn sie einem breiteren Publikum gezeigt werden könnten. Dann könnten möglichst viele Menschen sehen, was Jugendliche - die vielleicht aus dem üblichen Raster fallen und von einigen schon aufgegeben wurden - unter behutsamer Anleitung und mit den richtigen Ideen erreichen und leisten können.

Kontakt über Jack in the Box, Rufnummer 46 00 77-10 oder über das Internet.

 www.koelnerblicke.de



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