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Bahnbögen

Den Bogen überspannt

Von Heribert Rösgen, 23.06.10, 15:55h, aktualisiert 19.07.10, 17:45h

Wummernde Bässe bis tief in die Nacht: Die Partyszene freut sich über den neuen „Clubbahnhof Ehrenfeld“ – die Anwohner nicht so sehr. Ein „Runder Tisch“ soll nun für eine Lösung sorgen.

Gewölbetunnel
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Zwei der Gewölbetunnel an der Bartholomäus-Schink-Straße werden von der Discothek "Clubbahnhof Ehrenfeld" genutzt. (Bild: Rösgen)
Gewölbetunnel
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Zwei der Gewölbetunnel an der Bartholomäus-Schink-Straße werden von der Discothek "Clubbahnhof Ehrenfeld" genutzt. (Bild: Rösgen)
Ehrenfeld - Musik wird oft nicht schön gefunden, weil stets sie mit Geräusch verbunden. . .“ Als Wilhelm Busch vor rund 150 Jahren dies reimte, dachte er mit Sicherheit nicht an eine Clubdiskothek im Gewölbe eines Bahndamms. Die Musik, oder besser, die Geräuschentwicklung des vor vier Wochen eröffneten „Clubbahnhof Ehrenfeld“ finden jedoch etliche Anwohner nahe der Bartholomäus-Schink-Straße ganz und gar nicht schön. Vor allem sind es die wummernden Bässe, zu denen die Clubgäste bei Veranstaltungen zwischen 22 und sechs Uhr in den beiden Bahnbögen tanzen, die für manche der Nachbarn schon als gesundheitsschädigend empfunden werden. Weitere Auflagen der Bauaufsicht sowie ein von Bezirksbürgermeister Josef Wirges initiierter „Runder Tisch“ mit den Betreibern, Ordnungskräften und Anwohnern sollen bewirken, dass am Ehrenfelder Bahndamm wieder Ruhe einkehrt.

Bereits die „Grand Opening“, also die „große Eröffnung“ des Clubs am 21. Mai, wurde zur Belastungsprobe für die Menschen in der Schönstein- und der Senefelder Straße. Sie fühlten sich - wie in einem Internet-Blog zu lesen ist - als Versuchsobjekte in Sachen „empirischer Lärmforschung“ missbraucht.

Die Betreiber des Clubs, Ricardo Costa und Mankel Brinkmann, räumen ein, dass zur Eröffnung noch nicht alle Schallschutz-Vorrichtungen geliefert und eingebaut gewesen seien. Dennoch hatte die Bauaufsicht ihr Einverständnis gegeben, fordert nun aber Nachbesserungen. „Bestandteil der Betriebsgenehmigung sind Schallgrenzwerte, die laut unseren Gutachtern jedoch überschritten wurden“, erklärte Monika Hallstein, Abschnittsleiterin im Bauaufsichtsamt. Die Nachbesserungen sehen eine Schallschutzwand, weitere schalldichte Türen und einen so genannten „Limiter“ für die Verstärker-Anlage vor. „Wir sind zuversichtlich, dass die Probleme in den Griff zu bekommen sind“, fügte Monika Hallstein hinzu.

Wann das sein wird, ist aber noch offen. „Die Türen und der Limiter sind noch nicht geliefert“, erklärt Ricardo Costa und beteuert, dass man am Frieden mit den Nachbarn sehr interessiert sei. Mankel Brinkmann hat dagegen beobachtet, dass sich viele Gäste auch vor dem Clubgelände auf dem gegenüber liegenden Spielplatz aufhielten und sich dabei lautstark unterhielten. „Dagegen können wir natürlich wenig tun.“

Aus Sicht mancher Nachbarn steht derzeit die Glaubwürdigkeit der Betreiber in Frage, wo doch in einer Postwurfsendung an die Haushalte in der Umgebung bereits Besserung gelobt wurde. Die Klagen über die Lärmbelästigung durch den Clubbahnhof wurden zuletzt lauter. Eine Anwohnerin schrieb in einem Internet-Blog: „Wieder ist eine Horrornacht vorbei. Die Bässe haben teilweise eine andere Qualität. Eine halbvolle, geschlossene Wasserflasche mit Kohlensäure darin lange kräftig schütteln, das ist in etwa das Gefühl, das die Bässe im Körper erzeugen. Der Herzschlag verschnellert sich, der Blutdruck steigt hoch und höher, Druckkopfschmerz. Das sind gemessene und festgehaltene Beschwerden. Auch der Arzt ist entsetzt, was die Lärmbelästigung durch den Club bei Herzpatienten anrichtet.“

Überwiegend positiv aufgenommen wurde die Eröffnung des neuen Clubs dagegen unter anderem vom Caritas-Verband für die Stadt Köln, der seine Zentrale gleich gegenüber hat. Caritas-Direktor Franz Decker meinte, jahrelang hätten er und seine Mitarbeiter schließlich auf einen Schuttablageplatz schauen müssen, da es bei der lange angekündigten Umgestaltung der Bahnbögen zu einer Flaniermeile mit Cafés und Restaurants kaum Fortschritte gegeben habe. „Mit Sorge haben wir nun vom Unmut der Anwohner über den Lärm gehört“, so Decker weiter. Vom Investor „Bahnbögen Köln GmbH“ habe man sich daraufhin zusichern lassen, dass spätestens im September, wenn die neue Senioren-Wohnanlage des Caritas-Verbandes an der Bartholomäus-Schink-Straße bezogen sei, alle geltenden Lärmschutzbestimmungen für das Objekt eingehalten werden.



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