Schriftgröße

Stifter gesucht

Ausweg für klamme Universitäten?

Erstellt 17.05.10, 09:48h

Noch ist die Zahl von Stiftungsprofessuren im Osten überschaubar, doch es werden mehr. Firmen erkennen, dass in der Finanzierung von Wissenschaftlern ein positiver Werbeeffekt steckt und sie gleichzeitig für gut ausgebildeten Nachwuchs sorgen können.

Universität
Bild vergrößern
Immer mehr Unternehmen finanzieren an Universitäten im Osten Lehrstühle. (Bild: dpa)
Universität
Bild verkleinern
Immer mehr Unternehmen finanzieren an Universitäten im Osten Lehrstühle. (Bild: dpa)
ROSTOCK – Was im US-amerikanischen Bildungssystem völlig normal ist, gedeiht in Deutschland - speziell im Osten der Republik - noch sehr langsam: die Idee von Stiftern finanzierter Lehrstühle. Ende 2009 gab es nach Angaben des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft an den staatlichen ostdeutschen Hochschulen (ohne Berlin) 96 Stiftungsprofessuren, im Westen (mit Berlin) waren es 560.

"Stiftungsprofessuren waren im Osten vor dem Mauerfall kein Thema", analysiert Melanie Schneider vom Stifterverband. Solche Entwicklungen müssten reifen. Dazu komme, dass es im Osten nur wenige große und finanziell gut ausgestattete Unternehmen gibt.

"Stiftungsprofessuren sind eine Medaille mit zwei Seiten", sagt Wolfgang Schareck, Rektor der Universität Rostock. Alle freuten sich über die glänzende Seite, denn der Stifter bringe viel Geld in die notorisch leeren Kassen. Oft könnten Forscher von internationalem Rang gewonnen werden. Aber die meist vertraglich festgelegte Pflicht, nach Ablauf der Stiftungszeit von drei bis fünf Jahren eine feste Stelle speziell für diese Forschungen einzurichten, könne dazu führen, dass dann Löcher in den Etat gerissen werden. "Auch kann das Profil der Hochschule unscharf werden, an dem jahrelang gefeilt worden ist."

Sachsen, mit 45 Stiftungsprofessoren Nummer eins im Osten, hat eine Lösung für dieses Finanzierungsproblem gefunden. Stiftungsprofessoren erhalten meist ein auf den festgelegten Stiftungszeitraum befristetes Angestelltenverhältnis. Im Landeshaushalt sei aber eine Reserve von 30 Professorenstellen (sogenannte Leerstellen) eingerichtet worden, für den Fall der Übernahme in ein dauerhaftes Beamtenverhältnis nach Beendigung der Stiftungslaufzeit. Der Stellenplan der Hochschulen werde also nicht belastet, betont Sprecherin Christina Flume.

In Ermangelung von großen und liquiden Unternehmen in der Region legten in Zittau elf regionale Unternehmen und Verbände zusammen und stifteten am Internationalen Hochschulinstitut die "Juniorprofessur für Innovationsmanagement und Entrepreneurship". Stelleninhaber Peter Harland ist überzeugt, dass er von dort aus Gutes für die von Abwanderung gebeutelte Region bewirken kann. "Junge Leute erhalten eine hoch qualifizierte Ausbildung und bleiben in ihrer Heimat."

Die Stifter könnten ähnlich wie beim Sport-Sponsoring mit ihrem Wirken auf sich aufmerksam machen. Auch wenn sein Job direkt von Unternehmen abhängt, beantwortet Harland die Frage nach seiner Unabhängigkeit in Forschung und Lehre mit: "Uneingeschränkt ja!" Das wird auch vom Stifterverband so gesehen: "Die Forschung ist frei, etwas anderes können sich Firmen nicht erlauben", hieß es.

Auch für die Stifter des Lehrstuhls für Kunststofftechnik an der Technischen Universität in Ilmenau, seit 2009 von Michael Koch besetzt, ist diese Freiheit ein hohes Gut. "Wir wollten eine Keimzelle gründen, die Breite der Forschung macht es aus", erläutert Benjamin Popp vom PolymerMat Kunststoffcluster Thüringen die hohe Erwartungshaltung der Stifter. Die jährlich rund 100 000 Euro seien gut investiertes Geld für die Fachkräftesicherung.

Ein eher seltenes Beispiel im Konzert der Naturwissenschaftler und Betriebswirtschaftler ist die Professur des Rostocker Germanisten Holger Helbig. Der Chef der Kieler Holzgroßhandlung Fries, Ulrich Fries, stiftete 2008 die "Uwe-Johnson-Stiftungsprofessur für neuere deutsche Literaturwissenschaft". Fries hatte über den in Mecklenburg verwurzelten Schriftsteller Uwe Johnson promoviert. Helbig verweist auf die Normalität, mit der die teils milliardenschweren US- Stiftungen Lehrstühle finanzieren. "Die Bildung hat dort einen anderen Wert, man will etwas für die Bildung tun." In Deutschland machten sich zu wenige Menschen darüber Gedanken, bedauert Helbig.

Mit etwas ganz Besonderem kann die Universität Greifswald aufwarten, denn das Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg unterstützt dauerhaft die Forschung in den Schwerpunkten der Universität - bislang mit rund 800 000 Euro. Für Rektor Rainer Westermann gibt es daher keine Verpflichtung, nach Ablauf der Stiftungsperiode eine der knappen Planstellen neu besetzen zu müssen. (dpa)



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Anzeige


Special


Anzeige

Extra


Cartoon


Extra


Extra


Extra


Extra


Stadtmenschen Community


Die 5 beliebtesten Pausenspiele

Mahjongg Fortuna
Zuma
Zuma »
1507 Spieler
Bookworm
Bookworm »
1263 Spieler
Bubble Shooter
Bubble Shooter »
1034 Spieler
Bejeweled 2
Bejeweled 2 »
956 Spieler


Bildergalerien


Top-Links (Anzeige)


WAS.WANN.WO.


Junge Zeiten


Extra


Dienste