Schriftgröße

Wetten, dass...?

Sprücheklopfen auf Mallorca

Von Reinhard Lüke, 24.05.10, 10:00h, aktualisiert 25.05.10, 13:11h

Bei der Pfingstausgabe von „Wetten, dass..?“ auf Mallorca ist es sportlich zugegangen: Während das Publikum einem verletzten Michael Ballack über dessen WM-Frust hinweghalf, gab es beim Auftritt der Wettkönigin kein Halten mehr.

Thomas und Cindy
Bild vergrößern
Thomas Gottschalk zeigte sich begeistert von einer gut aufgelegten Cindy aus Marzahn. (Bild: Getty)
Thomas und Cindy
Bild verkleinern
Thomas Gottschalk zeigte sich begeistert von einer gut aufgelegten Cindy aus Marzahn. (Bild: Getty)
PALMA DE MALLORCA - Irgendwas macht René Adler falsch. Bis vor wenigen Wochen noch die Nummer 1 im deutschen Fußballtor, verkündete der Keeper vor ein paar Wochen seinen Verzicht auf die WM wegen einer angeknacksten Rippe und ward seitdem nicht mehr gesehen. Dagegen feiert Michael Ballack mit seinem Bänderriss in den Medien Triumphe, die ihm auf dem grünen Rasen vermutlich auf ewig verwährt bleiben.

So ließ er sich am Samstag im Kutschwagen in die Stierkampfarena von Palma de Mallorca fahren, wo ihm die knapp 10.000 Zuschauer stehend Ovationen darbrachten und ihn zum - so stand auf einem Transparent zu lesen - „Weltmeister der Herzen“ kürten. Gastgeber Thomas Gottschalk, der die Lieblingsinsel der Deutschen zum vierten Mal mit einem Betriebsausflug seiner ZDF-Show beglückte, konnte dem wortkargen Kicker zwar auch keine neuen Statements entlocken, sorgte jedoch mit seiner Sorge um „das lädierte Knie“ für allgemeine Heiterkeit. Wo doch mindestens ganz Deutschland weiß, dass es sich um einen Bänderriss und einen Teilriss der Syndesmose im rechten Sprunggelenk handelt.

Platznot auf dem Promi-Sofa

Doch ansonsten bewältigte der 60-jährige seine dreistündige Freiluftveranstaltung respektabel. Dabei wurde es auf dem Promi-Sofa diesmal richtig eng. Was nicht nur an der beleibten Ilka Bessin lag, die als Cindy aus Marzahn einmal mehr die plappernde Presswurst (zu Gottschalk: „Fass mich an!“) gab und noch nicht einmal eine neue CD oder sonst etwas verkaufen wollte.

Lionel Ritchie hatte Tochter Nicole im Gepäck, um die Welt davon zu überzeugen, dass deren Luder-Jahre endgültig vorüber sind. „Wetten, dass?“ als Resozialisierungsmaßnahme. Was auch Dieter Bohlen hätte nutzen können, aber natürlich nicht tat. Stattdessen bediente „der Didda“ mit viel Zahnweiß und Silberanzug brav sein Rüpelimage, pflegte seinen Sprachduktus („Rückwärts is' Scheiße!“) oder nölte, ob es für ihn denn gar nichts zu gewinnen gebe.

Was nun wirklich nicht nötig gewesen wäre. Immerhin hatte ihm das ZDF ja schon einen Gastauftritt seiner DSDS-Zöglinge Mark Medlock und Mehrzad Marashi spendiert. Ansonsten präsentierte sich das musikalische Rahmenprogramm mit Lionel Ritchie, Peter Maffay, Jeff Beck und Amy Macdonald als die übliche Mainstream-Mucke, die auch älteren Zuschauern nicht wehtut.

Die Wetten sorgten für Abwechslung

Doch erstaunlicherweise entpuppten sich bei diesem, mit viel Aufwand in Szene gesetzten, Spektakel die Wetten als das eigentliche Salz in der Suppe. Ob da ein junger Mann mit einem BMX-Rad über Hürden hüpfte, drei Kraftprotze auf menschliches Abschleppseil machten oder ein Chinese (seitdem es auch eine chinesische „Wetten, dass...?“-Ausgabe gibt, immer wieder gern genommen) mit dem Ohr einen Schwimmring aufblies - die absurden Wettstreite hatten durchweg Unterhaltungswert.

Während seine Partnerin Michelle Hunziker im weiten Rund vor lauter Bussi-Geben und Kärtchen-Suchen bisweilen die Orientierung abhanden kam, bewältigte Gottschalk, in Pluderhose und weißem Flatterumhang für seine Verhältnisse dezent gewandet, den Show-Marathon bemerkenswert entspannt und überließ die Rolle des Zoten-Onkels diesmal bereitwillig dem Koch-Clown Horst Lichter. Etwa in der Art zu Hunziker, die auf einem Grautier in die Arena gekommen war: „Unter dir möchte ich gern Esel sein.“).

Wettkönigin wurde am Sonntag erwartbar die zierliche Sabrina, die einen ausgewachsenen Traktorreifen in Hula Hoop-Manier 30 Mal um ihre Hüften kreisen ließ. Trotz gebrochener Rippe. Auf die Idee hätte René Adler ja wohl auch kommen können.



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Anzeige


Bildergalerien


ksta-blogs.de


Kolumne


WAS.WANN.WO.


Hintergrund


Extra


Dienste