Von Tobias Kaufmann, 04.06.10, 14:21h, aktualisiert 04.06.10, 20:32h
Die Deutschen wünschen sich offenbar ein Staatsoberhaupt, das der Politik nicht nahe steht, sondern Distanz zu ihr wahrt. Man kann das für falsche Romantik halten, aber das ändert nichts daran, dass die Mehrheit der Deutschen sich von der Wulff-Nominierung geradezu herausgefordert fühlen muss.
Wulff ist stellvertretender Vorsitzender der CDU. Er ist Ministerpräsident. Er macht tagesaktuelle Politik. Er hat das Image des jungen Dynamikers. Bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg ist Wulff einmal zum „Ehrenhäuptling Offenes Wort“ gekürt worden. Dass er wirklich etwas zu sagen hat (und aus Sicht der Nominierenden auch sagen darf), was über die Tagespolitik hinausreicht, muss man bezweifeln. Trotzdem soll er ein Amt bekleiden, das für etwas ganz anderes steht: Der Bundespräsident ist seiner Idee nach weder dynamisch noch partei- oder gar tagespolitisch eingebunden. Er ist ein Entschleuniger, eine moralische Instanz, der Ruhepuls der Republik. Gerade in Zeiten der Krise.
Die schnelle Einigung auf Wulff im schwarz-gelben Lager verstärkt den Argwohn, wonach Politik reine Kungelei zur Machtwahrung ist. Selbst mäßig an Politik Interessierte wissen: Angela Merkel entledigt sich mit der Beförderung Wulffs nebenbei auch des letzten ernstzunehmenden Kronprinzen. Schwerer wiegt aber etwas Grundsätzliches.
Aus Angst, Köhlers Abgang könnte als Menetekel für das untergehende schwarz-gelbe Projekt gewertet werden, präsentiert die Koalition einen Kandidaten aus dem innersten Kreis des eigenen Lagers. Genau das aber stärkt den negativen Eindruck von dieser Koalition. „Wir gegen die da draußen“ ist die unterschwellige Botschaft. Und das in einer Zeit, in der dieses Land eine ganz andere Botschaft gebraucht hätte: „Wir alle gemeinsam“.
Rot-Grün hat diese Schwäche der Koalition antizipiert und mit Joachim Gauck einen durch und durch bürgerlichen Kandidaten ins Rennen geschickt. Dessen Renommé hat die Linke am Donnerstag sogar noch gestärkt, indem sie den Theologen als „Mann von gestern“ difffamierte.
Nichts gegen Christian Wulff. Er hat sich nicht selbst nominiert.
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"Stein des Anstosses" an den "Anstoss"
07.06.2010 | 18.29 Uhr | KeTaN
Sehr geehrte AnStoss Redaktion:
Ihr "habt" hier mitten in der Stadt einen freien + schaffenden Menschen leben, über den Ihr ja auch hin und wieder…
Häuptling 'offenes Wort'...
04.06.2010 | 18.21 Uhr | Bertha
...ist mir noch nicht aufgefallen eine besondere Rede, wie z.B vom Format Weizäckers oder Herzogs, gehalten zu haben. Und ein offenes Wort gegenüber…
Nicht zu toppen...
04.06.2010 | 18.13 Uhr | michaschreibt
...ist in diesem Zusammenhang wohl die die Schlagzeile der BILD vom heutigen Tage "Der Alpha-Wulff" ...
Nö, dann lieber Gauck. Klar, dass ihn die…
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