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Abend der erfüllten Wünsche

Von Frank Nägele, 16.06.10, 13:17h, aktualisiert 08.09.10, 19:15h

Die deutsche Nationalmannschaft schlägt Aserbaidschan mit 6:1. Dabei kombiniert sich das Team von Trainer Jogi Löw immer wieder gefährlich vor das gegnerische Tor - der Sieg hätte noch deutlich höher ausfallen können.

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Die Kölner Fans feiern ihren Liebling Podolski. (Bild: dpa)
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Die Kölner Fans feiern ihren Liebling Podolski. (Bild: dpa)
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Die deutsche Nationalmannschaft schlägt Aserbaidschan mit 6:1. (Bild: GI)
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KÖLN - Angeblich ist die Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat, schon lange vorbei. Aber im Fußball kehrt sie hin und wieder für ein paar Momente zurück. Wie am Dienstagabend in Köln. Joachim Löw wünschte sich einen problemlosen Sieg in der EM-Qualifikation gegen Aserbaidschan. Lukas Podolski wünschte sich Tore und ein gutes Spiel, um die Kritik der letzten Tage zu zerstreuen. Die Kölner Fans wünschten sich dasselbe. Miroslav Klose wünschte sich einen weiteren Treffer auf dem Weg zu Gerd Müllers Bestmarke. Und am Ende gingen alle Wünsche in Erfüllung. Die deutsche Nationalmannschaft bezwang Aserbaidschan 6:1 (3:0) Toren und liegt mit sechs Punkten nach zwei Spielen auf Kurs.

20 Minuten lang brauchte Löws Team, um sich auf eine seltene Variante des Spiels einzustellen. Den so genannten Einhälftenfußball mit Reduzierung der Spielfläche um 50 Prozent. Dass in der Anfangsphase bereits Per Mertesacker nach einem Ellbogencheck von Jawadow mit einer Gesichtsverletzung (Platzwunde ohne Verdacht auf Jochbeinfraktur) ausgefallen war, schien bei aller Tragik für den Bremer erst mal nicht ins Gewicht zu fallen. Es kam eben Heiko Westermann, aber es gab ja sowieso nichts zu verteidigen. Denn im Gewirr der Leiber und Extremitäten um den aserbaidschanischen Strafraum herum herrschte Not an allem, was mit Fußball zu tun hat. Die These, dass zehn kräftige Läufer und ein ordentlicher Torwart genügen, um einen hochgradig überlegenen Gegner zu lähmen, schien bestätigt.

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Und so wäre es bestimmt ewig weiter gegangen, wenn sich zwei, die sich lieben, nicht darauf besonnen hätten, dass sie gemeinsam im Stadion waren: Lukas Podolski und das Publikum. Die Südkurve, offensichtlich gut besetzt mit etatmäßigen FC-Fans, weckte ihren Liebling mit Rufen. Und der weckte das Spiel mit rasanten Einzelaktionen, wie man sie von ihm in der Bundesliga nie sieht. Innerhalb von fünf Minuten brachte der Kölner das Tor des Gegners viermal extrem in Gefahr, mit einem Freistoß und drei knallharten Schüssen im Anschluss an fulminante Soli. Und schon war aus dem zähen Fußball-Brei ein Spiel geworden, das die Leute interessierte.

Das Tor schien nicht nur, es war eine Frage der Zeit. Und dass es keine Schönheit war, interessierte keinen. Miroslav Klose leitete den Ball drei Meter vor dem Tor an Westermann weiter, der aus dieser lächerlichen Distanz tatsächlich erst einmal an Torhüter Agajew scheitern musste, ehe er den Ball im zweiten Anlauf mit der Spitze unter die Latte schaufelte.

Die Philosophie des Teams von Berti Vogts verbietet es, den Einhälftenfußball wegen einer Lappalie wie einem Gegentor aufzugeben. Das zweite nur schien nicht nur, es war eine Frage der Zeit. Und die Menschen im Stadion freuten sich, dass es kurz vor der Halbzeit ihr Freund Podolski erzielte. Nach einem doppelten Doppelpass mit Özil klatschte der Ball an den Innenpfosten und war im Tor. Das brachte den Gegner vom Kaspischen Meer kurzfristig aus dem Konzept, sodass Miroslav Klose in der Nachspielzeit der ersten Hälfte sein 54. Länderspieltor erzielen durfte. Auf Pass von Podolski übrigens. 3:0 zur Pause. Der Rest war Zugabe mit einem kleinen Makel.

Zunächst ging der Spaß einfach weiter. Eine Flanke von Sami Khedira lenkte der arme Raschad Sadigov ins eigene Tor ab. Dann geschah ein kleiner Betriebsunfall, für den der zuletzt so tadellose Manuel Neuer verantwortlich war. Er ließ nach knapp einer Stunde einen Eckball von Dzawadov passieren. Ins eigene Tor. Das war ein wenig, nein: ziemlich peinlich, das änderte aber nichts am Großen und Ganzen.

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Bundestrainer Joachim Löw saß entspannt auf der Bank und befahl die Einwechslung von Marko Marin für Thomas Müller - die gewohnheitsmäßigen Pfiffe von den Kölner Rängen für den Ex-Gladbacher hätte es nicht gebraucht. Die Aserbaidschaner hingegen waren nach dem unerwarteten Tor mit sich und der Welt zufrieden und verschanzten sich wie eh und je. Und dann übersahen sie Holger Badstuber, der im Strafraum so frei stand, wie man es sich nur wünschen kann, wenn man ein Länderspiel-Tor erzielen möchte. Badstuber erfüllte sich diesen Wunsch. Klose, der zwar sein 103. Länderspiel absolvierte, aber vor der Partie für sein 100. Länderspiel geehrt worden war, beendet das Wunschkonzert mit seinem zweiten Treffer des Abends. Auf Vorarbeit von Podolski.



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